Krautreporter und Correct!v: Nach den Perlen muss man suchen

von Fred Kowasch

24.10.2014
Neuen journalistischen Angeboten muß man - erst einmal - seine Sympathie entgegen bringen. Vor allem, wenn man selbst die Qualität der Berichterstattung in den Zeitungen, Zeitschriften und dem Öffentlich-Rechtlichem Fernsehen beklagt. Nun sind mit correctiv und Krautreporter zwei neue Medien im Internet an den Start gegangen. Die Erwartungen waren (und sind) hoch, nicht zuletzt weil die Macher im Vorfeld in eigener Sache vollmundig 'getrommelt' haben. Das was sie nun liefern, ist - zumindest in einem Fall - eine Enttäuschung.

Vor allem die Internetplattform 'Krautreporter' wartet mit ziemlich abgehangenen Stories auf. Zum Auftakt gibt es eine wirre - und unendlos lange - Geschichte eines Medienkritikers, der einen anderen Medienkritiker kritisiert, weil er ihn offenbar nicht leiden kann. Dann erfährt der Leser etwas aus dem Leben einer Buchhandelsvertreterin, die gleichzeitig auch noch Bestsellerautorin ist. So what? Die einzige Sport-Geschichte der neuen Plattform ist über ein Jahr alt. Sie wurde im Rahmen eines anderen bezahlten Projektes der 'Krautreporter' schon einmal verwurstet.

Allenfalls die Auslandsreportage über das Leben in Gaza und das Interview mit einem Ebola-Helfer sind es wert, gelesen zu werden. Wer noch nicht genug vom Stasi-Beauftragen Roland Jahn hat, dem sei das Interview mit Thilo Jung empfohlen. Dort führt er den BStU-Chef als Stütze des deutschen Überwachungsstaates vor. Das Interview findet sich auch auf der youtube-Seite des Fragestellers. Wozu braucht es dann eigentlich noch 'Krautreporter'?! Das via Crowdfunding überwiesene Geld ist das Projekt (bisher) nicht wert.

Bei correctiv arbeitet man etwas stiller. Und wirksamer. Eine wirkliche Bereicherung ist die Geschichte über die Verwendung von Strafgelder in Gerichtsverfahren. Nach die Story über eine Bayerische Ex-Richterin und ihren Verein - an den die Gelder der Kollegen fließen - müßten sich eigentlich alle politischen Magazine die Finger 'lecken'. Die dazu angebotene Datenbank bringt für den Leser einen erheblichen Mehrgewinn. Sehr positiv ist auch, dass man die Story in die eigene Webseite einbauen kann.

Generell scheinen einige interessante Projekte - wie die Recherche zu den Sparkassen - in Arbeit. Noch ist der redaktionelle Output bei correctiv allerdings gering. Was nicht ist, kann ja noch werden. Das gilt auch für 'Krautreporter', auf deren erste wirklich exklusive Geschichte ich immer noch mit Spannung warte.

In eigener Sache: Mehrfach habe ich für 'Krautreporter' gespendet. Auch correctiv unterstütze ich finanziell.

 Drucken  E-Mail

Sport-Presse-Spiegel - Ein Senator hat Mumm

rostock stadion23.10.2014
Jahrzehntelang wurde diskutiert. Jetzt hat endlich mal einer den Mumm, DFL und DFB die Stirn zu bieten. Polizeikosten: Bremen bittet Liga zur Kasse. Auch wenn der Rechtsstreit ein paar Jahre dauern sollte - Bundesligafußball ist hoch kommerzielles Freizeitvergnügen, für dessen Gelingen nicht der Steuerzahler blechen sollte.

Seit Jahren tagt sie nun schon. Und tagt und tagt. Die 'große' Aufklärungskommission zu den Dopingvorgängen an der Sportmedizin der Universität Freiburg. Bislang hat es noch nicht einmal einen Zwischenbericht gegeben. Aber seitenlange Papiere darüber, was alles nicht geht. Omertà in Freiburg? Höchst unwahrscheinlich. Denn die meisten Vorgänge sind bekannt, die Dokumente dazu stehen - für jeden zugänglich - seit Jahren im Internet. "Wir haben die Aufklärung stets unterstützt" - Details zu einer Provinzposse, bei der es - wie immer - auch um Geld geht.

Weiterlesen

 Drucken  E-Mail

Berlin-Tipps

band 225.10. 16:00 Klunker Kranich: Heimlich Knüller, Batuque Low Fi, Lotte Ahoi, Chris Hanke, Kevin Beyer, Andie Magnete (House)
25.10. 19:00 K17: Agrypnie, Harakiri For The Sky, Vanhelga 18e
25.10. 19.30 Schokoladen: Berlinska Droha, Geigerzähler (sorbischer Folk, Punk, Chansons)
25.10. 20:30 Tiefgrund: Method Of Proof, Deluminator (HC)
25.10. 21.00 Clash: Zea Mays
25.10. 21:00 Cortina Bob: The Monster Movie Club, Dream Damage/
25.10. 21:00 X-B-Liebig: Avvika, Zerum, Drom (Postcore, Dark Crust)
25.10. 22:00 Badehaus Szimpla: Attentat Fanfare (Klezmer, Balkan) 8e
25.10. 22:00 Bassy:  The Staches (Garagepunk)
25.10. 22:00 Supamolly: Outrage (Rock'n'Roll-Brass-Core)
25.10. 22:00 TWH: Urban Grey, The Wings Of Desire (Post Punk, Psychedelic Wave)
25.10. 22:00 Wild at Heart: Drop Out Chaos (Streetrock) 12e
25.10. 23:00 Yaam: Lunice, Bass Gang, We Boogie, Yarin Lid (Hip Hop) 15e
25.10. 23:59 Wilde Renate: Munk, Ray Mang, Nomad, Black Loops, Mercury, Rhode & Brown, Duane Harriott, Fritz For Funk, Mr. Timeless (Disco, Electro)

Weiterlesen

 Drucken  E-Mail

AKTUELL: "Nationalsozialistischer Untergrund"

22.10.2014
Zwischen Blamage und Aufklärung - Untersuchungsausschuss in Baden-Würtemberg soll kommen. Wird Zeit.

15.10.2014
V-Mann 'Tarif' - ja, das ist der dessen Akten vom Bundesamt für Verfassungsschutz geschreddert wurden - hat seine Erinnerungen zu Papier gebracht. Trio-Urlaub-04-II  700x340,property=posterIn Der V-Mann, die Wahrheit und der Tod geht es um ein Gespräch im Frühjahr 1998, dass 'Tarif' mit seinem V-Mann-Führer führte. Und bei dem er ihm Hinweise zum Aufenthalt von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe gab.

21.08.2014
Es ist - unter kundigen Journalisten - schon länger mehr als eine Vermutung. Das Wirken des NSU im Untergrund geschah mit gezielter Unterstützung deutscher Sicherheitsbehörden. Zu diesem Schluß kommt nun auch ein parlamentarisches Kontrollgremium: Thüringer Untersuchungsausschuss prangert NSU-Ermittlungen an. Der "Verdacht gezielter Sabotage oder des bewussten Hintertreibens des Auffindens der Flüchtigen" liege nahe, so zitiert die dpa vorab aus dem Bericht. Heute ist das 1800 Seiten umfassende Werk der Öffentlichkeit vorgelegt worden, am Freitag soll es im Thüringer Landtag diskutiert werden.

ZUM DOWNLOAD:

Weiterlesen

 Drucken  E-Mail

Rechtradikale im Visier - Aus dem Alltag eines Spezialkommandos (1999, 30 min)

Ein halbes Jahr lang war 1999 interpool.tv mit Polizeikommissar Friedel Gromotka, Spitzname "Grobi", und Polizeiobermeister Axel Markus, unter Kollegen nur "Klumpen" gerufen, auf Streife. Rechtsradikale im Visier - eine 30 Minuten lange Reportage aus dem oft gefährlichen Arbeitsalltag von Deutschlands ältester Spezialeinheit gegen Rechts.



Neben Informationen in die Arbeit eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) gewährt dieser Film erstmals auch Einblicke in die Arbeit des Berliner Landeskriminalamtes. Zu einer Zeit, als sich die Ermittler durchaus bewusst waren, dass sich Teile der Rechtsextremen auch bewaffnen würden. Vor dem Hintergrund des Aufliegens des rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) im November 2011 ist dieser Film von aktueller Bedeutung.

 Drucken  E-Mail

"Walls" - Erfolgreiche Preview, als 'Video on Demand' im Internet verfügbar

Ein guter Freund brachte es am Rand der Preview in Leipzig auf den Punkt. "Die werden Deinen Film niemals zeigen". Er meinte damit die Szenen, in denen die Mauer in Israel thematisiert wird. Immerhin: 20 Leute waren in Leipzig gekommen, um sich den Film auf dem Herbstsalon 2014 in einem Freilichtkino anzusehen. Es gab Applaus und ungläubiges Staunen, dass sich - im Jubiläumsjahr des Mauerfalls - kein Festival für diesen Film über die Mauern auf der Welt interessiert.



Im Internet ist das anders. 8.000 Likes in einem Monat - unser Film 'Walls - a Photographer between the Lines' stößt vor allem im Ausland auf Interesse. Fakt ist: ab sofort könnt ihr ihn via VIDEO ON DEMAND ausleihen oder kaufen. Über neue Kinoaufführungen halten wir euch an dieser Stelle auf dem Laufenden.

 Drucken  E-Mail

Sport inside - Der Verfassungsschutz und die deutsche Fanszene

sport inside - 22.09.2014 - 22:45 Uhr - Enger Kontakt (Video on Demand)

Ein Film von Fred Kowasch und Ralf Meutgens

vs heimatschutz"Der deutsche Fußball ist bekannt für seine tolle Stimmung auf den Rängen. Doch auch Bilder von Pyrotechnik, Fangewalt und Polizei bestimmen seit Jahren das öffentliche Erscheinungsbild. Die Polizei hat in den Fankurven mehrerer Bundesländer V-Leute eingesetzt. Dass die Polizei mit nachrichtendienstlichen Methoden Informationen in der Fanszene sammelt, ist teilweise gesetzlich legitimiert.

Neu ist jedoch, dass sich nun auch hauptamtliche Mitarbeiter des Verfassungsschutzes für die deutsche Fußballfanszene interessieren. Dabei zählt dies nicht zu ihren Aufgaben. "sport inside" zeigt einen Film über Verfassungsschützer, die sich - unter Vorspiegelung falscher Tatsachen - das Vertrauen von Ultragruppen erschlichen haben. Die als Fanforscher versuchten, an mehreren Universitäten "anzudocken". Und für die sich nun auch parlamentarische Kontrollgremien des Bundestages interessieren." (Text WDR)

 Drucken  E-Mail

Exklusiv: Auch ein zweiter Fanforscher ist VS-Mitarbeiter

masterarbeit 201124.09.2014
Auch ein zweiter Fanforscher, der jahrelang zum Thema Ultras recherchierte, arbeitet für den Geheimdienst. Das berichtet der Online-Nachrichtendienst interpool.tv mit Bezug auf das Hintergrundmagazin 'Sport inside' und eigene Recherchen. Bei dem Fanforscher handelt es sich um den Politikwissenschaftler Jannis Linkelmann. Linkelmann studierte an der Juristischen Fakultät der Ruhr Universität Bochum. Im Fachbereich Kriminologie und Polizeiwissenschaft schrieb er 2010/2011 seine Masterarbeit. Thema: "Analyse des Attraktivitätszuwachses der Nürnberger Ultra-Bewegung".

Zusammen mit dem Fanforscher Martin Thein - er wurde bereits vor einigen Monaten in dem Buch 'Heimatschutz' der Autoren Stefan Laabs und Stefan Aust als V-Mann-Führer des Bundesamtes für Verfassungsschutz in der rechtsradikalen Szene der 90er Jahre geoutet - gab Jannis Linkelmann Bücher zum Thema Ultras/Fußballfans heraus. Auch gründeten Sie die Internetplattform fankultur.com und initiierten ein Institut für Fankultur an der Universität Würzburg. Nach interpool.tv-Informationen arbeitet Linkelmann für das Bundesamt für den Verfassungsschutz in Köln. Diese Information geht auf mehrere - voneinander unabhängige - Quellen zurück.

Unterdessen hat sich auch die Bundestagsfraktion 'Die Linke' dem Vorgang angenommen. In einer Kleinen Anfrage vom 28. August wollte Sie Antworten auf die "Aktivitäten des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Fußball-Fanszenen" haben (BT-Drucksache 18/2425). Die Antwort vom 12. September 2014 ist HIER zu lesen. 

 Drucken  E-Mail