Spiele, Spieler, Wettpaten

 

ARD-Sportschau, 20.12.2009


ein Film von Benjamin Best und Fred Kowasch

Champions Lounge - ein Wettbüro in der Innenstadt von Nürnberg. Der Laden soll von Marijo C., einem der Hauptverdächtigen im Wettskandal kontrolliert werden.

Marijo C., 34 Jahre, der Wettpate aus Nürnberg. Er soll besten Beziehungen zu Fußballprofis in ganz Europa haben. So steht es zumindest in den Unterlagen der Bochumer Staatsanwaltschaft.

ARD-Sportschau, 20.12.2009


ein Film von Benjamin Best und Fred Kowasch

Champions Lounge - ein Wettbüro in der Innenstadt von Nürnberg. Der Laden soll von Marijo C., einem der Hauptverdächtigen im Wettskandal kontrolliert werden.

Marijo C., 34 Jahre, der Wettpate aus Nürnberg. Er soll besten Beziehungen zu Fußballprofis in ganz Europa haben. So steht es zumindest in den Unterlagen der Bochumer Staatsanwaltschaft.

Sascha Kirschstein. Der ehemalige Torwart des Hamburger SV, der heute für die Zweiligamannschaft von Rot-Weiß Ahlen kickt, steht unter dem Verdacht der Wettmanipulation. Dies sollen Akten der Bochumer Ermittler, aus denen das Nachrichtenmagazin der SPIEGEL zitiert, nahe legen.

Sascha Kirschstein (RW Ahlen)
"Wer mich kennt, der weiß ganz genau, dass da einfach nix dran ist. Es ist alles erstunken und erlogen. Ich habe damit überhaupt nichts zu tun.

kirchsteinFrage:
Kennen Sie denn diesen Marijo C. Es heißt ja, Sie haben in unmittelbarer Nachbarschaft gewohnt.

"Ja, ich kannte ihn. Ich habe mal zwei Sätze mit ihm geredet. Und er hat mich einfach nur benutzt, um bei denen das Geld zu kassieren. Und ich habe überhaupt kein Kontakt mit ihm, kein gar nicht."

Rot Weiß Ahlen, hier in Rot, gegen Hansa Rostock. Das umstrittene Spiel aus der laufenden Saison, bei dem Kirschstein im Tor stand. Endstand 0:2. Im Focus der Ermittler, sollen neben Kirchstein, auch zwei weitere Ahlener Spieler stehen. Nach Infomationen der ARD-Sportschau soll es sich dabei um einen Abwehr- und einen Mittelfeldspieler handeln.

Ob dieses Foul nötig war, darüber läßt sich spekulieren. Bei Sascha Kirchstein jedenfalls hat es vor Kurzem eine Hausdurchsuchung gegeben.

Sascha Kirschstein (RW Ahlen)
"Frage: Wie gehts jetzt weiter? Wird ihr Anwalt Akteneinsicht beantragen?

Ich schätz schon mal, klar. Ich möchte auch meine Handys wieder haben. Es ist ja alles einkassiert worden. Ich weiß halt, dass ich einfach unschuldig bin und ich möchte die Sachen halt so schnell wie möglich wieder haben. Es ist jetzt schon ein paar Wochen her. Es müßte jetzt auch mal langsam endlich geklärt sein, dass ich unschuldig bin."

Bei Rot Weiss Ahlen will man zu den jüngsten Vorwürfen nichts sagen. Trotz mehrmaligen Anfragen heißt es: kein Interview zum Thema Wettbetrug. Lediglich die Pressemitteilung wird verlesen.

Maren Gosda (Pressesprecherin RW Ahlen)
"Aufgrund der laufenden Ermittlungen wird der Verein von weiteren offiziellen Stellungnahmen absehen. Es gilt für uns, wie in unserem Rechtsstaaat üblich, die Unschuldsvermutung. So das ist jetzt die offizielle Stellungnahme."

Der Wettskandal. Bisher wurden sieben Fußballprofis, vor allem aus der 3. Bundesliga, wegen der mutmaßlichen Beteiligung an Spielabsprachen suspendiert.

Seit zehn Tagen hat der Deutsche Fußballbund Einsicht in die Bochumer Ermittlungsunterlagen. Und auch schon, so erklärt ein Sprecher am Telefon, "Spieler und Schiedsrichter befragt." Vor der Kamera jedoch: kein Kommentar.

Wie kriminell die Wettszene mittlerweile operiert, wie vernetzt sie arbeitet, können die großen europäischen Buchmacher genau sehen.

Wolfgang Fabian
"Wenn dann zum Beispiel auffällt, dass man Wetten von deutschen Kunden ablehnt, wenn man kein gutes Gefühl hat oder die Wetten sehr limitiert. Und ein paar Minuten nachdem man diese Wetten abgelehnt hat, von deutschen Kunden, dann kriegt man sie auf einmal von irgendwelchen Kunden vom Balkan, dann kann man sich schon denken, da gibts irgendwelche Organisationen dahinter."

fabianWolfgang Fabians Unternehmen Interwetten war jahrelang Sponsorpartner der Deutschen Fußballliga. Schon weit vor dem Hoyzer-Skandal hat er die DFL gewarnt. Weil die Summen zu hoch, die Wetten zu auffällig, die Spielverläufe zu seltsam waren.

Wolfgang Fabian
"Ich habe der DFL schon damals gesagt, dass sich hier eine Organisation dahinter sehe. Deshalb meine ich man hat Hoyzer als medialen Sündenbock hingestellt, aber die Organisation die dahinter steht, für die er halt gewisse Tätigkeiten ausgeführt hat, die ist ungeschoren geblieben. Oder, vielleicht hats jemanden interessiert. Ich habs nie erfahren, ob es jemals Nachforschungen gegeben hat. SCHNITT Ich hätte mir zumindest gewünscht, dass mehr Kommunikation da stattfindet: wie kann man es wenigstens in Zukunft verhindern. Und das hat leider gar nicht stattgefunden. Und das hat meiner Meinung dazu geführt, dass wir heute die Probleme in noch größerem Ausmaß vor uns haben."

Marijo C. und die anderen Hauptverdächtigen haben offensichtlich ein Netzwerk geschaffen. Ein Netzwerk, dass die Fahnder nun mühsam zu entwirren versuchen. Vier Wochen nach dem Bekanntwerden des Fußballwettskandals ist ein Ende noch lange nicht in Sicht.fussball_im dunklen

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