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Beach, Columbia

Unter Beobachtung

Bei der Tour de France 2003 war erstmals eine Delegation der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA dabei. Deren Report über die Tour deckt Licht und Schatten der Dopingbekämpfung auf.

Mit freundlicher Genehmigung dokumentieren wir einen Hintergrundartikel unseres Autors Ralf Meutgens in Europas grösster Radportsportzeitung TOUR 07/2004, die momentan im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Der Artikel stammt aus der 40 Seiten starke Sonderbeilage zur Tour de France. Drei Teilnehmer hatte die Tour de France im vergangenen Jahr, die von vielen argwöhnisch beobachtet wurden: Der Portugiese Professor. Dr. med. Luis Horta, der Luxemburger Dr. med. Anik Sax und die Deutsche Jennifer Ebermann. Sie gehörten dem Team der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) an, alle drei sind ausgewiesene Anti-Doping-Experten.

Der verbindliche Ton ihres Abschlussberichtes dürfte Ausdruck diplomatischer Bemühungen sein; die erste Kooperation zwischen WADA und UCI wäre beinahe gescheitert, denn die UCI gab ihr schriftliches Einverständnis erst in letzter Minute. Doch der Stil täuschte nicht über die inhaltliche Kritik hinweg: Neben dieser zögerlichen Verabredung der Zusammenarbeit wurden auch formale Dinge kritisiert, beispielsweise die nicht ordnungsgemäße Verwendung von Formularen bei den Kontrollen oder die unpünktliche, unvollständige Benachrichtigung der an den Verfahren beteiligten Personen, von den Fahrern bis hin zu den Kontrolleuren.

Auch handwerkliche Dinge könnten in Zukunft nach Meinung der WADA besser gemacht werden: Etwa bei der Behandlung der Blut- und Urinproben, deren Versiegelung, Lagerung und Transport. Die Kontrolleure fordern in ihrem Bericht eine engere Zusammenarbeit von WADA- und UCI-Medizinern sowie die Herausgabe aller Ergebnisse der Bluttests. Vorschlag und eine weitere Forderung der WADA: Die UCI müsse ein vollständiges Formblatt mit allen Proben-Codes jedes Fahrers und alle medizinischen Daten zur Verfügung stellen sowie die Ergebnisse der Gesundheitstests. Auch die Zahl der unangekündigten Kontrollen während der Tour solle erhöht werden.

Im Streit um den EPO-Nachweis mittels Urin-Analyse bezieht die WADA klar Stellung: "Wir halten diesen Test für valide und gerichtsfest", sagt Farnaz Khadem, Kommunikationsdirektor der WADA innerhalb der UCI gibt es nationale Verbände, die das anzweifeln. Die WADA ist mit Blick auf den internationalen Leistungssport bereits einen Schritt weiter: "Ein valider Nachweis für Wachstumshormone steht bevor", sagt Khadem, "aber wir werden nicht sagen, wann er fertig ist. Es ist aber möglich, das der Test bei den Olympischen Spielen in Athen bereits angewendet werden kann."

Glaubt man dem Bericht der WADA-Kommission, scheint es auch nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die UCI der allgemein angestrebten Handhabung der Doping-Strafen anschließe. "Die Regeln des WADA-Codes anzuerkennen, wie es die UCI derzeit vorgibt, hieße auch, die Zwei-Jahres-Regel anzuerkennen, denn sie ist Teil des Codes", sagt Farnaz Khadem. Dann wäre eine zweijährige Sperre bei Erstverstoß die Regel. Die derzeitige Praxis der UCI lässt diesen Schluss noch nicht zu; es ist auch fraglich, ob Radprofis demnächst tatsächlich ab dem Zeitpunkt einer positiven A-Probe gesperrt werden. In anderen Sportarten ist dies üblich, Radprofis dürfen jedoch bis zur Analyse der B-Probe und dem Abschluss des Verfahrens weiter mit ihrem Sport Geld verdienen.

Bei der Forderung nach mehr Transparenz in der Dopingbekämpfung klaffen allerdings auch bei der WADA Wunsch und Wirklichkeit bisweilen auseinander. Einblicke in die medizinischen Atteste der Rennfahrer gewährt auch die Weltagentur des Anti-Doping-Kampfes nicht, noch nicht einmal in deren Anzahl. Man könne aber ausschließen, so die WADA, dass es sich bei diesen Attesten, die etwa einen von Natur aus erhöhten Hämato- kritwert oder eine Asthmaerkrankung bei Rennfahrern dokumentieren, um Gefälligkeitsatteste handele. Angesichts der hohen Zahl "kranker" Rennfahrer scheint das auch nicht erforderlich: In einem Beitrag des "ZDF Auslandsjournal" über die Tour 2001 bezifferte Telekom-Arzt Dr. Lothar Heinrich die Zahl der Fahrer seiner Equipe, die an Asthma leiden, auf etwa ein Drittel. Mehrere Profis würden außerdem über Atteste verfügen, die es ihnen gestatten, mit einem Hämatokrit von über 50 an Rennen teilzunehmen. Wie viele Fahrer des Tour-Pelotons in diesem Jahr mit einem Attest ausgestattet sind, dass es ihnen erlaubt, Medikamente zu nehmen, die auf der Doping-Liste stehen, bleibt im Dunkeln. Daran wird auch die Oberaufsicht der WADA nichts ändern.

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