'Inside HogeSa' - Teaser_2 zur grossen Dokumentation über die Politisierung der Hooliganszene

Die Ordnersuche auf der Brache am Barmer Platz. Kaum etwas hat bei HogeSa 2.0 in Köln am 25.10.2015 so viel Schlagzeilen gemacht. Dabei wirkte es vor Ort eher unspektakulär. Wie genau, zeigt die Dokumentation 'Inside HogeSa', die Ende Mai ONLINE zu sehen ist. Hier ein kurzer Ausschnitt aus unserem 100 Minuten langen Dokumentarfilm. 

3. Platz: Deutschland

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Weltmeister 1954, 1974, 1990
 

Ohne Glanz setzte sich Deutschland in der WM-Qualifikation durch. In den entscheidenden Spielen gegen den größten Widersacher Russland konnte sich das DFB-Team jedoch zu seinen besten Leistungen aufraffen. Beide Partien wurden gewonnen, die Teilnahme in Südafrika war immer nur theoretisch in Gefahr....


Ohne Glanz setzte sich Deutschland in der WM-Qualifikation durch. In den entscheidenden Spielen gegen den größten Widersacher Russland konnte sich das DFB-Team jedoch zu seinen besten Leistungen aufraffen. Beide Partien wurden gewonnen, die Teilnahme in Südafrika war immer nur theoretisch in Gefahr.

deutschland_cup2Als am 28. Januar 1900 der Deutsche Fußball Bund aus der Taufe gehoben wurde, hat keiner der Gründungsväter geglaubt, dass sich daraus der mit über sechs Millionen Mitgliedern größte Fachverband der Welt entwickeln würde. Der FIFA schloß sich der DFB kurz nach deren Gründung 1904 an. Weitere vier Jahre später bestritt Deutschland in Basel gegen die Schweiz (3:5) das erste offizielle Länderspiel. Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm beteiligte sich Deutschland erstmals an einem internationalen Wettbewerb. Das 16:0 gegen Rußland in der Trostrunde ist bis heute deutscher Länderspielkordsieg. Die 10 Tore des Karlsruhers Gottfried Fuchs in diesem Spiel sind ebenso unerreicht.

An einer Weltmeisterschaft nimmt Deutschland erstmals 1934 in Italien teil, nach dem man sich 1930 noch weigerte an einer "Profiveranstaltung" teil zu nehmen. Nach einer 1:3 Niederlage im Halbfinale gegen die Tschechoslowakei, können die Mannen um Kapitän Fritz Szepan das österreichische Wunderteam 3:2 besiegen und damit den dritten Platz sichern. Infolge des Anschlußes Österreichs an das faschistische Deutschland trat 1938 ein "großdeutsches" Team bei der WM 1938 an. Auf Anweisung der nationalsozialistischen Sportführung sollte die Mannschaft mit sechs Spielern des "Altreichs" und fünf Wiener Kickern besetzt sein. Ohne Österreichs besten Spieler, Matthias "der Papierene" Sindelar, der einen Einsatz ablehnte, hatte der zusammengewürfelte Haufen beim Weltturnier nicht viel zu bestellen. Gegen die Schweiz gab es ein 1:1 n.V., das Wiederholungsspiel geriet zum Desaster. Trotz 2:0 Führung brach das Ensemble ohne Zusammenhalt ein und verlor 2:4. Damit war der WM-Favorit Deutschland in der ersten Runde ausgeschieden, alles andere als schade.

Nach der Teilung Deutschlands in Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik nahm das westdeutsche DFB-Team 1954 wieder an einer Weltmeisterschaft teil. In der Vorrunde gab es zwei klare Siege gegen die Türkei (4:1 und 7:2) und ein 3:8 gegen die scheinbar unbezwingbaren Ungarn. Im Viertelfinale wurde Jugoslawien 2:0 bezwungen und nach einem berauschenden 6:1 gegen Österreich stand der krasse Außenseiter Westdeutschland im Finale gegen Ungarn. Die Ungarn führten nach acht Minuten 2:0, Morlock verkürzte kurz danach auf 2:1 und Rahn konnte in der 18. Minute ausgleichen. Das entscheidende 3:2 (84.) durch Rahns aus dem Hintergrund hat wohl jeder deutsche Fußballinteressierte inzwischen zig-mal gesehen. Deutschland wurde mit folgenden Spielern zum ersten mal Weltmeister: Toni Turek-Jupp Posipal, Werner Kohlmeyer-Horst Eckel, Werner Liebrich, Karl Mai-Helmut "Boss" Rahn, Max Morlock, Otmar Walter, Fritz Walter, Hans Schäfer.

1958 konnte der Titel nicht verteidigt werden. Im Halbfinale gegen das gastgebende Schweden hatte das gealterte Team von Sepp Herberger nicht mehr viel gegenzusetzen und verlor 1:3. Schuld war nach Meinung der deutschen Öffentlichkeit jedoch das angeblich unfaire schwedische Publikum welches den Referee beinflußte, der Juskowiak vom Platz stellte. In Würde verlieren war dem deutschen Michel damals noch nicht gegeben, zerstochene schwedische Autoreifen sind Zeugnis dieser Dummheit.

Bei der WM 1962 in Chile war nach einem 0:0 gegen Italien und Siegen gegen die Schweiz (2:1) und Gastgeber Chile (2:0) im Viertelfinale Schluß für das DFB-Team (0:1 gegen Jugoslawien). 1966 ging es mit dem neuem Bundestrainer Helmut Schön und neuem Schwung durch Gründung der Bundesliga nach England. Die Bundesrepublik spielte sich durch Siege über die Schweiz (5:0), Spanien (2:1), Uruguay (4:0) und UdSSR (2:1) bis ins Finale. In den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit spielte sich während des Turniers ein junger Münchner Mittelfeldspieler, der bis heute die deutschen Fußballgeschicke wie kein anderer prägt, Franz Beckenbauer. Im Endspiel sah Gastgeber England lange wie der Sieger aus, da glich der Kölner Wolfgang Weber Sekunden vor Abpfiff zum 2:2 aus. In der 101. Minute fiel dann das berühmteste Tor der WM-Geschichte. Geoff Hurst knallte den Ball an die Unterkante der Latte, Schiedsrichter Dienst entschied nach Rücksprache mit Linienrichter Bakhramov auf Tor. Ein Treffer dessen Gültigkeit bis heute von überzeugten Deutschland-Fans angezweifelt wird.

Die große Zeit der deutschen Nationalmannschaft bei Welt-und Europameisterschaften war angebrochen. 1970 in Mexiko beindruckte die Mannschaft die Welt mit zwei Spielen "des Jahrhunderts". Im ersten Spiel gegen Marokko (2:1) gab es noch Angangsschwierigkeiten, doch dann kam das Sturmspiel ins Rollen. "Stan" Libuda wirbelte die bulgarische Abwehr (5:2) durcheinander und Gerd Müller schoß wie auch gegen Peru (3:1) drei Tore. Zur Revanche für das verlorene Endspiel 1966 kam es im Viertelfinale gegen England. Die Briten führten bis zur 68.Minute 2:0, da konnte der unermüdlich antreibende Beckenbauer verkürzen. Uwe Seelers legendäres Hinterkopftor bedeutete die Verlängerung, in der Gerd Müller den Weg ins Halbfinale ebnete. So ein aufregendes Spiel voller Klasse und Dramatik hatte die Welt noch nicht gesehen. Die Vorschlußrunde gegen Italien drei Tage später übertraf aber noch einmal alles. Deutschland lief dem 0:1 durch Boninsegna (8.) fast das ganze Spiel hinterher, im letzten Angriff, schon in der Nachspielzeit, konnte der aufgerückte Verteidiger Schnellinger ausgleichen. Die Verlängerung wurde zum Superkrimi. Fünf Tore fielen noch. Die Führung wechselte ständig, Beckenbauer schleppt sich als Halb-Invalide über den Platz, der Arm baumelt in einer Bandage, dennoch schlägt er einen Traumpass nach dem anderen. Das 4:3 von Rivera für Italien ist die endgültige Entscheidung, Deutschland scheidet aus. Das Spiel wird in einer Umfrage unter internationalen Fachjournalisten der französischen Sportzeitschrift "Le Equipe" 1998 zum "Spiel des Jahrhunderts" gekürt. Gegen Uruguay (1:0) wird immerhin der ehrenvolle dritte Platz gesichert.

1972 nahm Deutschland das erste mal an einer EM-Endrunde teil und verzauberte seine Anhänger. Das 3:1 im Londoner Wembleystadion im Viertelfinale gegen England, mit einem Regisseur Günter Netzer auf dem Höhepunkt seines Schaffens, gilt wohl heute noch als beste Partie einer deutschen Nationalelf. Das Halbfinale gegen Gastgeber Belgien war nur Formsache. Im Endspiel wirbelten Beckenbauer & Co. die Sowjetunion durcheinander. Zwei Tore von Gerd Müller, eins von Herbert "Hacki" Wimmer stellten den 3:0 Endstand und den Titel für die "beste deutsche Mannschaft aller Zeiten" dar.

1974 ging das deutsche Team als Gastgeber und Europameister von 1972 favorisiert in die WM-Endrunde. Doch der Zauber des ungestümen Angriffsfußballs von 1972 war schon verflogen, der Geist des "Millionarios" der seine Kameraden als Arbeitskollegen sieht, wird in dieser Zeit zur Norm. So wird das Vorbereitungslager von unsäglichen Verhandlungen der Spieler mit dem DFB über die "Weltmeisterprämie" geprägt. Bundestrainer Helmut Schön ist von seinen Kickern enttäuscht, erwägt den Rücktritt. Entsprechend müde quälte sich die Mannschaft zu Siegen gegen Chile (1:0) und Australien (3:0). Damit war Westdeutschland für die zweite Runde qualifiziert und traf im nicht mehr wichtigen dritten Spiel auf das zweite deutsche Team, die DDR. Die Ostdeutschen nahmen 1974 zum einzigen mal an einem wichtigen Fußballturnier teil und hatten sich mit einem 2:0 über Australien und 1:1 über Chile ebenfalls vorzeitig für die zweite Runde qualifiziert. Der mit Spannung erwartete "Klassenkampf" wurde zur Sensation, die ostdeutschen underdogs gewannen durch ein Tor des Magdeburgers Jürgen Sparwasser 1:0. Der Westen war entsetzt und der halbe Osten ebenso. Die Geschichte hatte später noch eine hübsche Pointe: Sparwasser, von der ideologischen Aufwertung seines Tores angewidert, setzte sich Jahre später in die Bundesrepublik ab. Die DDR schied nach Niederlagen gegen Brasilien (0:1) und Holland (0:2) sowie einem 1:1 gegen Argentinien in der zweiten Runde ehrenvoll aus.

Im bundesdeutschen Team gab es nach dem DDR-Spiel eine mannschaftsinterne Krisensitzung, nach der Trainer Schön zu personellen und taktischen Änderungen aufgefordert wurde. Wichtiger war jedoch, in der Truppe herrschte wieder Teamgeist, die Angst vor der Blamage war Motivation. Ein 2:0 Sieg über Jugoslawien brachte Sicherheit, Schweden wurde in einem atemberaubenden Kampfspiel 4:2 bezwungen und das 1:0 über Polen in der Frankfurter "Wasserschlacht" sicherte den Finaleinzug.


Das Endspiel gegen den holländischen Nachbarn begann äußerst ungünstig. Beim ersten Angriff entwischte Cruyff seinem Bewacher Vogts, Uli Hoeneß konnte den Oranjestar im Strafraum nur mittels eines Fouls stoppen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Johan Neeskens (2.). Die Gastgeber kamen mit der Zeit besser ins Spiel und Bernd Hölzenbein holte mit einem "Faller" einen Strafstoß heraus, den Paul Breitner verwandelte (25.). Kurz vor der Pause erzielte Gerd Müller nach Bonhof-Flanke die 2:1 Führung. In der zweiten Halbzeit scheiterten die starken Niederländer immer wieder an Keeper Sepp Maier. Es blieb bis zum Schluß beim knappen 2:1, 20 Jahre nach dem Triumph von Bern war die Bundesrepublik wieder Weltmeister. Kapitän Franz Beckenbauer reckte den goldenen Weltpokal als erster in die Höhe.

Bei der Europameisterschaft 1976 in Jugoslawien scheiterte Deutschland erst im Elfmeterschießen des Endspiels an Außenseiter Tschechoslowakei. Der spätere Bayer-Manager Uli Hoeneß drosch den entscheidenden Straftsoß in den Belgrader Nachthimmel.

Die Titelverteidigung 1978 in Argentinien wurde ohne den langjährigen Führungsspieler Beckenbauer angegangen, der "Kaiser" hatte im Jahr zuvor ein Engagement Cosmos New York in der amerikanischen "Rentnerliga" aufgenommen, war dem höchsten internationalen Niveau nicht gewachsen. Das Eröffnungsspiel quälte sich das neuformierte DFB-Ensemble zu einem 0:0 gegen Polen. Ein 6:0 gegen Mexiko ließ die Fans in der Heimat Hoffnung auf Besserung schöpfen, doch im abschließenden Gruppenspiel blamierte man sich mit einem 0:0 gegen Tunesien. Die zweite Turnierphase war dennoch erreicht. Hier langweilte man sich gegen Italien zu einem erneuten 0:0 bevor es zur Endspielrevanche von 1974 gegen Holland kam. In dieser Partie flackerte noch einmal Kampf und Leidenschaft auf, durch Tore von Rüdiger Abramczyk und Dieter Müller ging Deutschland zwei Mal in Führung, doch Rene van de Kerkhof stellte mit seinem 2:2 in der 84.Minute den gerechten Endstand her. Ein Unentschieden im letzten Match gegen Österreich schien nur Formsache, um das Spiel um den 3. Platz zu erreichen. Es ereignete sich jedoch eine Sensation, die als "Schmach von Cordoba" in die deutsche Fußballgeschichte einging. Bis zur 87. Minute stand es 2:2, da umkurvte Österreichs Mittelstürmer "Hansi-Burli" Krankl die deutsche Verteidigung und schoß zum 3:2 Endstand ein, Austria war "narisch" und Deutschland ausgeschieden. Bundestrainer Helmut Schön der sein Amt planmäßig an Jupp Derwall abgab, hätte einen besseren Abschied verdient gehabt.

1980 fand die Europameisterschaftsendrunde erstmals mit acht Mannschaften statt. Als Sieger der Vorrundengruppe über Holland, CSSR und Griechenland zog das DFB-Team ins Endspiel ein. Dort verwandelte der Hamburger Mittelstürmer Horst Hrubesch in der Schlußminute ein Ecke von Karlheinz Rummenigge per Kopf. Mit dem 2:1 Siegtreffer über Belgien war Deutschland erneut Europameister.

Als Europameister von 1980 ging es 1982 nach Spanien. Es war wohl der skandalträchtigste Haufen, der den DFB je bei einer WM vertreten hat. Im Vorbereitungslager am "Schlucksee" ging es nicht nur in den Trainingseinheiten hoch her. Entsprechend müde präsentierte man sich beim Auftaktmatch gegen Algerien. Durch die 1:2 Niederlage gegen den krassen Außenseiter an der Ehre gepackt gab es gegen Chile ein 4:1, Kapitän Karl-Heinz Rummenigge stach als dreifacher Torschütze heraus. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Österreich reichte beiden Kontrahenten ein deutscher Erfolg mit einem Tor Unterschied, um die nächste Runde zu erreichen. Nach zehn Minuten führte Deutschland 1:0 durch Horst Hrubesch, was danach geschah hatte die Welt noch nicht gesehen. Beide Mannschaften stellten das Spiel ein, ließen den Ball entlang der Mittelinie rollen. Das Publikum war wutentbrannt, schwenkte weiße Taschentücher als Zeichen der Feigheit und feierte das Team Algeriens, das durch diese "Schande von Gijon" aus dem Turnier ausschied. Über ein 0:0 gegen England und einem guten 2:1 über Gastgeber Spanien kam Deutschland ins Halbfinale. Hier traf man auf die spielstarken Franzosen und es ereignete sich ein "Wahnsinnspiel". Zur Halbzeit stand es 1:1, dann attackierte Keeper Toni Schumacher den durchbrechenden Patrick Battiston auf brutale Art außerhalb des Strafraums. Battiston mußte verletzt ausgewechselt werden, Schumacher hatte nur Zynismus für den Gegenspieler übrig und kam sich dabei noch profihaft vor. Die Partie ging in die Verlängerung, wo Frankreich in einem offenen Schlagabtausch schnell 3:1 führte, doch das DFB-Team kam zurück. Rummenigge verkürzte auf 2:3 und Klaus Fischers Fallrückzieher sicherte das erste Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft. Nachdem der völlig überschätzte Libero Uli Stielicke seinen Elfmeter verschossen hatte, sah sich Frankreich schon im Finale, doch jetzt zeigte Tohüter Schumacher seine sportlichen Qualitäten und hielt die Schüsse von Six und Bossis. Deutschland war zum vierten Mal im Endspiel. Hier fehlte jedoch die Kraft, beim 1:3 gegen Italien war man chancenlos.

german_girls-1Nach dem frühen Ausscheiden bei der Europameisterschaft 1984 wurde Franz Beckenbauer von der Boulevardpresse als "Retter der Nation" angerufen, der "Kaiser" konnnte sich nicht wehren und übernahm die Nationalmannschaft. Da ihm die Trainerlizenz fehlte, fungierte er offiziell als "Teamchef". Zur WM in Mexiko versammelte er vor allem grobschlächtige Kraftfußballer wie Hans-Peter Briegel, Dieter Hoeneß oder Norbert Eder. Im Tor stritten sich Toni Schumacher und Uli Stein um die "Nummer Eins". Schumacher wurde kurz vor dem ersten Spiel zum Stammkeeper erklärt, der erboste Konkurrent Stein nannte den Teamchef einen "Suppenkasper" und mußte noch während der Vorrunde zurück nach Deutschland. Die Gruppenphase überstand das DFB-Team nach durchschnittlichen Leistungen (Uruguay 1:1, Schottland 2:1, Dänemark 0:2) als Zweiter. Im Achtelfinale sicherte in der Schlußphase Lothar Matthäus (87.) das Weiterkommen gegen Marokko mit dem einzigen Treffer des Spiels. In einem überaus hart geführtem Viertelfinale (zwei rote, acht gelbe Karten) ging es gegen Mexiko nach 120 torlosen Minuten in das Elfmeterschießen. Die Deutschen zeigten sich nervenstark, alle Schützen verwandelten und Torhüter Schumacher konnte zwei mal parieren. Im Halbfinale traf man wie vor vier Jahren auf Frankreich. Ein frühes Tor von Andreas Brehme (9.) verlieh Sicherheit und nach einer überzeugenden Leistung stellte Rudi Völler in der 89. Minute den Endstand her. Deutschland war erneut im Finale. Lange war man den Argentiniern unterlegen, lag 0:2 zurück, doch die sich nie aufgebende Auswahl konnte durch Rummenigge (74.) und Völler (80.) den 2:2 Gleichstand herstellen. Den Sieg vor Augen griff Deutschland an und fing sich einen Konter ein. An der 2:3 Niederlage hatte Keeper Toni Schumacher, der zwei Gegentreffer begünstigte, gehörig Mitschuld, oder wie er es selbst drastisch ausdrückte: "Ich habe gehalten wie ein Arsch".

1988 fand die Europameisterschaft in Deutschland statt. Nach Siegen über Dänemark und Spanien sowie einem 1:1 gegen Italien zog der Gastgeber ins Halbfinale gegen den Nachbarn Holland ein. In der 88. Minute schaltete Van Basten schneller als Vorstopper Jürgen Kohler und erzilete den 2:1 Siegtreffer für die Niederlande.  

Zur Weltmeisterschaft 1990 schickte der DFB eine erfahrene Mannschaft, deren Großteil der Spieler in italienischen Vereinen aktiv war. Die Mannschaft war über einige Jahre gewachsen und so war die Hoffnung groß, dass zumindest das Endspiel erneut erreicht werden könnte. Gleich im ersten Spiel gegen Jugoslawien zeigte sich die Beckenbauer-Elf von seiner besten Seite. Ein unwiederstehlicher Lothar Matthäus erzielte zwei Tore und führte das Team zu einem überzeugenden 4:1 Sieg. Noch mehr Treffer fielen beim 5:1 über die Vereinigten Arabischen Emirate. Das abschließende Gruppenspiel gegen Kolumbien geriet gemächlicher, das 1:1 gefährdete jedoch nicht die Tabellenführung. Im Achtelfinale kam es wieder einmal zum Klassiker gegen den amtierenden Europameister Holland. Hier war noch eine Rechnung offen, hatten die oranjen Nachbarn ihren Titel doch in München geholt, nachdem sie Deutschland im Halbfinale geschlagen hatten. Entsprechend hitzig gestaltete sich die Partie im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion. In der Anfangsphase hatten die Holländer mehr vom Spiel, dann gerieten Mitte der ersten Halbzeit Frank Rijkaard und Rudi Völler aneinander. Rijkaard bespuckte den verdutzten Völler und der Referee schickte beide vom Feld. Nach dieser Szene zeigte das DFB-Team ungeheuren Zusammenhalt, jeder kämpfte für seinen Nebenmann, die Holländer wurden in die Defensive gedrängt. Ohne seinen Sturmpartner Völler zeigte Jürgen Klinsmann die wohl beste Partie seiner Karierre. Mit dem 1:0 in der 51. Minute brachte er Deutschland verdient in Führung. Brehmes Schrägschuß zum 2:0 (82.) war der endgültige K.O. für die Niederländer, den auch Koemans Elfmeter kurz vor Abpfiff nicht mehr verhindern konnte. Das folgende Spiel gegen die Tschechoslowakei war hingegen unspektakulär, ein Matthäus-Elfmeter (25.) sicherte das Halbfinale gegen England. In einer dramatischen Partie brachte Andreas Brehme die Bundesrepublik in Führung (60.), die Gary Lineker zehn Minuten vor Ultimo ausglich. Nach einer torlosen Verlängerung in der Waddle und Buchwald nur das Gebälk trafen ging es in die Lotterie des Elfmeterschießens. Wieder einmal zeigten sich die deutschen Kicker treffsicher, während bei den Engländern Pearce und Waddle verschossen. Deutschland war zum dritten Mal hintereinander im Weltpokalfinale. Die Neuauflage des Endspiels von 1986 gegen Argentinien war eines der schlechtesten Spiele des Turniers. Die destruktiv agierenden Südamerikaner machten es den überlegen spielenden Deutschen schwer, zum Torerfolg zu kommen. Die Entscheidung fiel durch einen zweifelhaften Elfmeter den Rudi Völler herausholte und Andreas Brehme sicher verwandelte (85.). Deutschland hatte es nach zwei verlorenen Endspielen endlich geschafft, war zum dritten Mal Weltmeister. Ein halbes Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer und wenige Monate vor der deutschen Einheit war Ost und West im kollektiven Jubel vereint. Franz Beckenbauer, der nun als Spieler(1974) und als Teamchef Weltmeister war, wähnte das Team gar für die nächsten Jahre, mit Hilfe der DDR-Spieler, für unschlagbar.

Die Worte Beckenbauers waren für seinen Nachfolger Berti Vogts eine große Hypothek. Bei der Europameisterschaft 1992 kam sein Team ins Endspiel, verlor dort gegen Dänemark 0:2. Der Versuch den WM-Titel von 1990 zu verteidigen, geriet 1994 in den USA zum Desaster. Von allen guten Geistern verlassen wurstelte sich die DFB-Mannschaft mit einem 1:0 gegen Bolivien (Klinsmann, 61.), 1:1 gegen Spanien ( Klinsmann, 48.) und 3:2 gegen Südkorea (Klinsmann, 12.und 37., Riedle 20.) durch die Vorrunde. Besonders peinlich geriet das Spiel gegen Südkorea, wo in völliger Lustlosigkeit eine 3:0 Führung gegen einen kecken, kämpfenden Kontrahenten noch fast verspielt wurde. Die mitgereisten deutschen Fans waren ob der mangelnden Einstellung erbost und pfiffen das eigene Team aus. Mittelfeldspieler Stefan Effenberg nahm das zum Anlaß, den Anhängern nach seiner Auswechslung den "Stinkefinger" zu zeigen. Der empörte DFB-Präsident Egidius Braun schickte Effenberg darauf hin vorzeitig nach Hause. Auf dem Weg der Besserung wähnte man sich nach dem 3:2 ( Völler 6.und 40., Klinsmann 11.) über Belgien, das ins Viertelfinale gegen Bulgarien führte. Hier konnte durch einen Matthäus-Elfmeter (47.) in Führung gegangen werden, doch gab es nach den Gegentreffern von Stoitchkov 75. und Letchkov 78. keinerlei Aufbäumen gegen das drohende Turnieraus. Bundestrainer Vogts beklagt nach dem Ausscheiden seines Teams vehement die Mentalität der "Wohlstandsjünglinge", die auf "nichts mehr verzichten wollen."

Den dritten Europameisterschaftstitel errang Deutschland 1996 in England. Nach einem sicheren Gruppensieg traf man im Viertelfinale auf Kroatien. In einem harten Duell siegten die Deutschen 2:1. Bis heute der letzte Sieg bei einer EM-Endrunde während der regulären Spielzeit.  Die Engländer bezwang man mal wieder im Elfmeterschießen. Das Finale gegen Tschechien ging nach dem Ausgleich des eingewechselten Oliver Bierhoff in die Verlängerung. Nach vier Minuten traf Bierhoff mit einem abgefälschtem Schuß erneut. Aufgrund der damaligen Golden Goal Regel war das Match beendet.

Nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1996 war die Position von Berti Vogts vorerst gestärkt. Wie schon 1994 berief der Bundestrainer den ältesten Kader des Turniers für das DFB-Team. Selbst der zwischenzeitlich ausgebootete Lothar Matthäus kehrte auf seine späten Tage in die Nationalmannschaft zurück. Das Aufgebot war zwar erfahren, dafür mangelte es ihm an Begeisterung, Esprit und Beweglichkeit. Die Vorrunde begann mit einem mühevollen 2:0 gegen die USA (Möller 8., Klinsmann 64.), gegen Jugoslawien lag man schon aussichtlos 0:2 zurück, doch glückliche Treffer von Tarnat (73.) und Bierhoff (80.) retteten das Unentschieden. Bierhoff (50.) und Klinsmann (57.) schossen im Spiel gegen den Iran sogar noch den Gruppensieg heraus. Grauenvoll geriet das Achtelfinale. Glücklich hielt die Adlertruppe lange Zeit einen knappen 0:1 Rückstand, als den Mexikanern die Kräfte schwanden,drehten die Stürmer Klinsmann (75.) und Bierhoff (86.) das Spiel. Im Viertelfinale gegen Kroatien boten die DFB-Spieler endlich eine engagierte Leistung. Leider nur bis zur 40. Minute. Christian Wörns foulte unnötig Davor Suker an der Mittellinie und bekam folgerichtig "Rot". Danach brach die Mannschaft völlig ein und verlor kamplos 0:3. In der abschließenden Pressekonferenz gab sich Trainer Vogts der Lächerlichkeit preis, indem er eine internationale Verschwörung für das frühzeitige Scheitern ausmachte.

Die Europameisterschaft 2000 mit der 0:3-"Pleite von Rotterdam" gegen eine portugiesische "B-Elf" bildete den absoluten Tiefpunkt zum 100 jährigen DFB-Jubiläum. In der Folge gab es einige Schwierigkeiten, einen neuen Bundestrainer zu finden. Da bei einer der zahlreichen Beratungen, der Trainerfindungskommission zufällig der ehemalige Nationalstürmer Rudi Völler anwesen war, fiel die Wahl auf ihn als neuen Teamchef. Aufgrund der ganzen Pleiten und Peinlichkeiten erwarteten die Fans bei der WM in Japan/Südkorea 2002 nichts von ihrem Team. Auch die internationalen Experten zählten Deutschland nicht zu den Turnierfavoriten.

Unbelastet vom Erwartungsdruck ging es ins erste Spiel gegen Saudi Arabien. Der krasse Außenseiter wurde in der Höhe überraschend 8:0 geschlagen. Stürmer Miroslav Klose übernahm mit drei Treffern die Führung in der Torschützenliste. Im zweiten Gruppenspiel gegen Irland führte man durch ein Klosetor (19.) bis in die Nachspielzeit, wo der Gegentreffer zum 1:1 Endstand hingenommen wurde. Den Einzug ins Achtelfinale machte der dreifache Weltmeister mit einem überzeugendem 2:0 (Bode 50., Klose 79.) über Kamerun perfekt. Hier schob man sich hilflos den Ball gegen Paraguay hin-und her. Oliver Neuvilles, nicht mehr für möglich gehaltener Treffer, in der 88. Minute bewahrte die "Adlerträger" vor der Verlängerung. Glück hatten die Völlerjungs im Viertelfinale gegen die USA. Ein Tor vom besten deutschen Feldspieler, Michael Ballack (39.), brachte die Führung in der ersten Halbzeit. Ein herausragender Keeper Oliver Kahn mußte mehrere hochkarätige Torchancen des US-Teams im zweiten Abschnitt vereiteln, um den Einzug ins Halbfinale sicher zu stellen. Im Semifinale stand Gastgeber Südkorea mit seinen euphorischen Fans gegenüber. Klug und routiniert konnte das DFB-Team dem Lärm der 65.000 Zuschauer widerstehen. Kahn bewies mit einigen Paraden erneut, dass er einer der weltbesten Torhüter ist und wieder war Michael Ballack Schütze (75.) des einzigen Treffers. Das Finale war erreicht, erstmals spielte Deutschland bei einer Weltmeisterschaft gegen Brasilien. Weil der torgefährliche Ballack aufgrund einer "Gelbsperre" nicht mitwirkte, wurde den Deutschen kaum eine Chance auf den Titel eingeräumt. Doch das geschwächte Team spielte frisch nach vorn, hatte gegen den scheinbar übermächtigen Rekordweltmeister mehr vom Spiel und die besseren Chancen. Ein Fehler des bis dahin famosen Kahn (er ließ Rivaldos Schuß abklatschen, Ronaldo staubte ab (67.)) brachte Deutschland auf die Verliererstraße. Ein zweites Ronaldotor (79.) bedeutete den 0:2 Endstand. Überrascht von der guten Leistung im Endspiel, wurde die Mannschaft bei der Ankunft in der Heimat auf dem Frankfurter "Römer" enthusiastisch von Tausenden empfangen.

Nach einer erneut indiskutablen Europameisterschaft 2004 übernahm Jürgen Klinsmann das Bundestraineramt. Die Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 setzte neue Maßstäbe hinsichtlich des Faninteresses. Das ganze Land war eine Partymeile. Gute Leistungen und Dramatik feuerten die Begeisterung an. Die Gruppenphase überstand Team Germany mit Siegen über Costa Rica, Polen und Ecuador Verlustpunktfrei. Ein brilliantes 2:0 über Schweden sicherte das Viertelfinale gegen Argentinien. Ein dramatisches Duell ging nach einem 1:1 ins Elfmeterschießen. Keeper Jens Lehmann mit zwei gehaltenen Elfern avancierte zum Helden von Berlin. Ein spannungsgeladenes Halbfinale gegen Italien ging in die Verlängerung. Als alle Zuschauer schon mit dem Penaltyschießen rechneten, trafen Grosso und Del Piero für die leicht überlegenen Azzurri. Der Traum vom Titel im eigenen Land aus. Das Spiel um Platz drei gegen Portugal geriet noch einmal zu einer furiosen Partie. Ein 3:1 Erfolg begeisterte die Nation.
Zwei Jahre später bei der Europameisterschaft war es mit der Herrlichkeit schon vorbei. Deutschland quälte sich mit Glück ins Endspiel. Dort war gegen Spanien nicht die Spur einer Chance zu verzeichnen, die 0:1 Niederlage schmeichelte noch dem DFB Team.


Kader Deutschland:

 

Tor: Manuel Neuer (FC Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen ), Jörg Butt ( Bayern München)                   

 

Abwehr: Arne Friedrich (Hertha BSC ), Dennis Aogo (HSV),  Holger Badstuber  (FC Bayern), Andreas Beck (Hoffenheim),  Jerome Boateng (HSV) Philipp Lahm (FC Bayern), Per Mertesacker (Bremen ),  Serdar Tasci (VfB Stuttgart ),  Heiko Westermann  (Schalke 04)

 

Mittelfeld: Marcell Jansen (HSV), Sami Khedira  (Stuttgart ), Toni Kroos  (Leverkusen), Marko Marin  (Bremen), Mesut Özil  (Bremen), Bastian  Schweinsteiger (FC Bayern),  Piotr Trochowski (HSV)

Trainer:
Joachim "Jogi" Löw

 

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