Bewurf mit Mamorsteinen - Der 6. Dezember in Athen

von Fred Kowasch, Athen

Der 6. Dezember ist in Exarchia so etwas wie - früher - der 1. Mai in Kreuzberg. Leere Straßen. Am Rande brennen ein paar Feuer. Steine fliegen. Nur sind sie hier aus Mamor. Und werden gezielt auch mal auf Journalisten geworfen. Dass ist der Unterschied ….

athen 0612 demo zwoelf uhr28 Stunden Athen. Drei Demonstrationen miterlebt. Die auf dem immergleichen Weg gingen. Laut waren. Am Ende ist da jedoch nix passiert. Eine materialisch ausgerüstete Polizei, die fast den ganzen Weg mit Gasmasken bestreitet. Später werde ich wissen wieso.

Mädels und Jungs - die meisten von Ihnen noch keine zwanzig - die fast beiläufig zur Demo mit einem Motorradhelm angeschlendert kommen. Um dann - im ‚Black Block‘ materialisch aufzutreten. Eine interessante und sehr spezielle Formation hier in Griechenland. Details gibt es allerdings erst später - in unser gleichnamigen Dokumentation.

Eigentlich ist der 6. Dezember für die anarchistische und autonome Szene so etwas wie ein Gedenktag. An diesem Tag wurde vor elf Jahren der 15jährige Alexis Griporopoulos von einem Polizisten in Exarchia erschossen. Deshalb auch ziehen die Demonstranten nach ihrem Aufzug am Abend direkt ins Viertel.

Dieses ist fast menschenleer. Keine Autos an der Straße, kaum Licht in den Wohnungen, alle Geschäfte geschlossen. Über allem kreist, gespenstig fast schon, ein Hubschrauber.

Am Straßenrand vereinzelt Müllhaufen, die von Schwarzgekleideten angezündet werden. Polizisten stehen in einiger Entfernung, lucken vorsichtig um die Ecken herum. Ein paar Straßen weiter sind zwei Wasserwerfer im Einsatz. Einer löscht gerade ein Feuer.



In gut Hundert Meter Entfernung - am Exarchiaplatz - geht es rund. Menschen rennen, Qualm steigt auf. Mit ein paar Kollegen gehe ich dorthin. Der Qualm ist beizend, neben mir husten ein paar neugierige Passanten. Tränen in den Augen. Ein Glück dass ich vorher noch diese Gasmaske bei einem Straßenhändler in der Athener Altstadt gekauft habe. Zehn Euro, gut angelegt.

Plötzlich werden wir beworfen. Die Steine, kommen vom Exarchia-Platz her. Rennen. Den Weg zurück. Flüchten hinter die Absperrungen. Nehmen die Masken ab. Verschnaufen. Über dem Viertel liegt ein ätzender Tränengasnebel. Ein paar Straßen entfernt geht es weiter. Eine Polizeieinheit wird mit Steinen beworfen. Einzelne von einem grünen Laser geblendet. Immer und immer wieder. Fast stoisch nehmen sie es hin.

Zusammen mit einer Gruppe Journalisten beobachten ich die Szene. Suche Deckung hinter ein paar Stützpfeilern. Als der Steinbewurf stärker wird, auch wir werden unter Bewurf genommen. Plötzlich: drei Detonationen. Dann stürmen die Cops vor. Einer wird festgenommen. Dann ist Ruhe im Viertel. Nach nicht mal einer Stunde ist das Spektakel beendet.

Rio: Silvester an der Copacabana

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Es ist die größte Silvesterparty der Welt. Mehr als zwei Millionen Menschen am Strand der Copacabana schauen zu, wenn um Mitternacht ein mehr als 20minütiges Feuerwerk beginnt. Ein Spektakel ohnesgleichen. Wohl dem, der einen schönen Balkon erwischt hat und das ganze in Ruhe genießen kann. Eine Reportage in Bildern.

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Die Vorbereitungen auf diese Party beginnen schon ein paar Tage eher. Es ist nämlich gar nicht so einfach, an Silvester an die Copacabana zu kommen. Busse und Taxies fahren zwar, stecken in der Regel aber stundenlang im Stau fest. Bleibt die U-Bahn. Theoretisch. Denn nur wer ein spezielles Ticket hat, kommt überhaupt mit. Die Fahrkarten gelten am Silvesterabend jeweils nur für eine Stunde. Von 19 bis 20 Uhr, von 20 bis 21 Uhr, von 21 bis 22 Uhr usw.

Deshalb stellt man sich ein paar Tage vorher an einem speziellen Ticketschalter in der U-Bahn an. Und wartet. Das kann schon mal ein bis zwei Stunden dauern. Wenn man Glück hat, steht vor einem ein Tourist, mit dem man ein wenig Englisch sprechen und sich die Zeit verkürzen kann. Von den Einheimischen - in Rio auch 'Cariorcas' genannt - beherrscht in der Regel kaum einer diese Fremdsprache.

Am Silvesterabend dann funktioniert alles problemlos. Kein Stau am Eingang, entspannte Fahrt in der U-Bahn. Die meisten Leute haben weiße Sachen an. Ist ein lokaler Brauch, dem man aber nicht unbedingt mitmachen muß. Manche halten sich an einer Dose Bier fest. Das Getränk ist in Rio (und Brasilien) allenfalls eiskalt genießbar.

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Aus der U-bahn 'geworfen', gehts in Richtung Copacabana. Kann man nicht verfehlen, weil Tausende den gleichen Weg haben. Am Rande der Straße stehen Blumenverkäufer, die ihr Geschäft machen wollen. Ein weiterer Brauch hier ist es, frische Blumen nach Mitternacht ins Meer zu werfen. Dazu 'muß' man siebenmal über eine Welle zu springen. Am Besten mit dem rechten Bein. Keine Ahnung, wer sich diesen Unsinn ausgedacht hat. Soll jedenfalls Glück bringen. 

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An der Copacabana - ein Gewusel sondersgleichen. Jetzt heißt es Geld in den Innentaschen festhalten, den Fotoapperat fixieren.
Nur besonders Naive nehmen zu dieser Veranstaltung ein Handy oder ihre Kreditkarten mit.

rio silvester4 Vor dem 'Copacabana Palace' Hotel geht dann gar nicht mehr. In der Nähe ist die Bühne aufgebaut. Dort wollen alle hin.
So langsam frage ich mich, welcher Knallkopp diesen Weg hier unbedingt nehmen musste .... 

Tags: Ipanema, Copacabana, New Years Eve, Silvester, Feuerwerk

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