Platten-Tipps - April'12

jackwhite april tippsvon Martin Lange

Er spielt seit Jahren in gefühlten 20 verschiedenen Bands und Projekten. Im Alter von 36 Jahren besinnt sich Jack White nun auf eine Sammlung von Songs, die er aus seiner tiefsten persönlichsten Schublade zieht. Nach dem verkündeten Ende der The White Stripes im letzten Jahr konzentrierte sich der Mann, der aus einem rostigen Draht und einem morschen Brett eine Gitarre basteln kann, mal nur auf sich selbst. „Blunderbuss“ (Donnerbüchse) heißt sein erstes Solowerk, das klingt, als stammen die Songs direkt aus der Seele des Schwarzen Geiers, der White auf dem Cover des Albums auf der Schulter sitzt.

Timid Tiger – The Streets Are Black (Papercup Rec. 30.3.)

Da die Natur in unseren Breitengraden keinen Frühling oder Herbst mehr kennt, schalten wir doch am Besten sofort auf Sommer. Ein toller Soundtrack für die nächsten warmen Monate stammt von der Kölner Kapelle Timid Tiger, die auf „The Streets Are Black“ herrlich entspannten Pop zelebrieren. Die Koordinaten der Band wurden zuletzt durch Umbesetzungen, die Abkehr vom Major und die Gründung des eigenen Labels positiv durchgeschüttelt, so dass das neue Album für die Jungs wie ein Neuanfang oder gar ein Debut klingen soll. Recht so! Das Werk ist für deutsche Verhältnisse ziemlich selbstbewusst und hat internationalen Flair. Die programmatische sommerliche Lässigkeit macht auf jeden Fall Spaß, anstrengend wirkt nur die teils angewandte Formel: Sprechgesang in der Strophe, dann hymnischer melodiöser Refrain.

Vadoinmessico – „Archaeology Of The Future“ (PIAS, 23.3.)

In London hat sich eine neue Patchwork Band mit dem Namen Vadoinmessico formiert. So bunt und vielschichtig die Musik auf ihrem Debut-Album „Archaeology Of The Future“ so international sind sie auch besetzt: Italien, Mexiko, Österreich und ein Brite. Als hätten sich die Jungs zufällig auf einem Interrailtrip im Zugabteil kennen gelernt und über Alternative, Weltmusik, Vampire Weekend und Animal Collective sinniert und daraus gleich im Wartesaal der Londoner Waterloo Station die Instrumente ausgepackt, um locker ihre eigene Version davon einzuspielen. So steht auf den tollen Songs das Banjo im Mittelpunkt was ungemein lässig und entspannt daher kommt. Für die internationale Karriere muss jetzt aber dringend ein Flugzeug her, da ihre Musik auch als perfekter Soundtrack für einen hippen Karibikurlaub passen würde.

Grinderman 2 RMX (Mute, 23.3.)

Was passiert wenn man etwas vor Dreck triefend und stinkendes noch einmal so richtig durch den Dreck zieht, kann man auf dem Remixalbum von Nick Caves Bluesrock-Projekt Grinderman „2 RMX“ hören. Die gewöhnungsbedürftigen Versionen stammen von Alternative-Größen wie Matt Berninger, Sänger von The National, Josh Homme von Queens Of The Stone Age, Faris Badwan von The Horrors, Robert Fripp oder Yeah Yeah Yeahs-Gitarrist Nick Zinner. Jeder folgt dabei den Regeln: Macht doch was ihr wollt; lehnt euch so weit aus dem Fenster bis ihr raus fallt; wenn ihr wollt, kackt einfach drauf! Kein Remix auf dem Album ist auch nur annähernd Dancefloor tauglich.

Faith Mission – Ask Me This (PonyMan, 24.2.)

Die neue Lieblingsband kommt aus Dänemark! Für alle, denen Arcade Fire zu groß, Bon Iver zu kitschig oder Stereolab nicht kennen! Alcoholic Faith Mission treten mit ihrem vierten Album „Ask Me This“ die Tür zum Alternative Olymp ein. Live sind sie schon lange eine Sensation, auf Platte spielen die Dänen nach eher drögen Vorversuchen dank Produzent Tom McFall (R.E.M., Weezer, Stars ) endlich ganz groß auf. Der Sound aus einem Guss, darin Stoff für weitere vier Alben, konzentriert auf 40 Minuten! Meisterlich!

Drucken

Durch die weitere Nutzung dieser Webseiten stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.