Im Interview: Declan Hill

Mr. Hill, wie schätzen Sie die generelle Situation von möglicher Wettmanipulation im Profi-Sport ein?

"Ich glaube alle Sportfunktionäre sollten sehr vorsichtig sein. Ein neues Phänomen zieht am Horizont auf. Genauso wie die Musikindustrie durch das Internet revolutioniert und verändert wurde, wird jetzt der Wettmarkt umgekrempelt. Es gibt Wettfirmen, wie den britischen Onlineanbieter Betfair, der Millionenumsätze verzeichnet. Vor fünf oder sechs Jahren war an diese Entwicklung nicht zu denken. Jetzt bieten diese Firmen Sportwetten an und das weltweit. Das beeinflusst natürlich den gesamten Sport. Dieser soziale Wandel wirft sich wie eine Welle über den Sport und wirkt sich dementsprechend auf ihn aus."

Mr. Hill, wie schätzen Sie die generelle Situation von möglicher Wettmanipulation im Profi-Sport ein?

"Ich glaube alle Sportfunktionäre sollten sehr vorsichtig sein. Ein neues Phänomen zieht am Horizont auf. Genauso wie die Musikindustrie durch das Internet revolutioniert und verändert wurde, wird jetzt der Wettmarkt umgekrempelt. Es gibt Wettfirmen, wie den britischen Onlineanbieter Betfair, der Millionenumsätze verzeichnet. Vor fünf oder sechs Jahren war an diese Entwicklung nicht zu denken. Jetzt bieten diese Firmen Sportwetten an und das weltweit. Das beeinflusst natürlich den gesamten Sport. Dieser soziale Wandel wirft sich wie eine Welle über den Sport und wirkt sich dementsprechend auf ihn aus."

Wie kann man ein Fußballspiel manipulieren?

"Das ist natürlich sehr schwierig. Es gibt verschiedene Strategien, die von Fußballspielern und Schiedsrichtern angewendet werden. Ich glaube nicht, dass ganze Mannschaften Spiele manipulieren. Es sind vielmehr ganz bestimmte Spieler einer Mannschaft, die eine kleine Gruppe bilden. Das macht die Manipulation natürlich einfacher. Für den Zuschauer sieht es aus, als ob sieben oder acht Spieler wirklich alles geben. Der Rest gibt nur vor alles für den Sieg zu geben. Ein sehr guter europäischer Fußballspieler, dessen Namen ich nicht nennen will, sagte mir, dass Manipulationen sehr schwierig sind. Sie seien Fußballer und keine Schauspieler. Aus diesem Grund bräuchte man einen Großteil der Mannschaft, die eben nicht involviert ist."

Welche Positionen eignen sich am besten, um ein Spiel zu manipulieren?

"Auch das ist nicht klar zu beschreiben. In erster Linie ist es wichtig, dass Spieler überhaupt bestochen werden können. Das sie Bestechungsgelder annehmen. Am häufigsten wird der Starspieler kontaktiert, ihm wird das meiste Geld geboten. Das geht natürlich völlig gegen unsere Vorstellungskraft. Wir stellen uns Starspieler meist als Halbgötter vor. Sie vollbringen Taten, die wir nicht imstande sind zu leisten. Aber gerade diese Spieler werden häufig angesprochen, weil sie den größten Einfluss auf das Spiel haben. Und das ist ideal für den Wettbetrüger.  Denn der möchte möglichst den Spieler auf seiner Seite haben, der das Spiel wirklich beeinflussen kann."

Beschreiben Sie bitte ihr Treffen mit dem Wettbetrüger, der angeblich das Bundesligaspiel zwischen Hannover und Kaiserslautern manipuliert haben soll.

"Das erste Mal traf ich ihn im November 2005 auf einem privaten Golfclub. Er brachte mich in einen Raum und wir unterhielten uns für mehr als zwei Stunden. Und er erzählte mir viele Geschichten über verschiedene Manipulationen. Ich konnte das nicht glauben und war sehr, sehr skeptisch. Es gibt immer viele Legenden und Geschichten die sich erzählt werden. Aber zwei Dinge erweckten mein Interesse: Er behauptete, dass er gerade dabei ist, dass Fußballturnier der Südostasienspiele zu manipulieren. Hierbei handelt es sich um sowas wie Olympische Spiele, die auf einen Kontinent beschränkt sind. Und er behauptete, dass er bereits vor Anpfiff des Spiels zwischen Hannover und Kaiserslautern das Ergebnis wisse. Das Spiel endete übrigens so wie von ihm vorausgesagt. Zehn Tage nach Ende des Fußballturniers der Südostasienspiele wurde bekannt, dass das Turnier manipuliert war. Ich muss ganz klar sagen, dass ich auch danach noch sehr skeptisch war. In meinem Buch sage ich nicht, dass das Spiel manipuliert war, sondern beschreibe nur was ich gehört habe."

Haben Sie Beweise, dass die Treffen auch stattgefunden haben?

"Ich habe alle Gespräche mit ihm aufgezeichnet. Ich habe geheime Treffen gefilmt. Aber wissen Sie: Das ist gefährliche Arbeit. Deshalb verrate ich seinen wahren Namen nicht, und auch nicht die seiner Gang. Außer sie kommen, um mich zu holen. Wenn irgendjemand irgendwann mich oder meine Familie bedroht, werde ich alle Namen und Abschriften veröffentlichen. Aber bis es soweit ist, ist es für mich tabu, zu den Identitäten Stellung zu nehmen."

Wann hörten Sie von möglichen Manipulationen des WM-Spiels zwischen Ghana und Brasilien?

"Zwei Tage vor dem Spiel Ghana gegen Brasilien hatte ich ein interessantes Gespräch mit dem Wettbetrüger Lee Chin (Name geändert). Ich fragte ihn: Wird Brasilien das Spiel gewinnen? Er antwortete: Nein. Ghana wird es verlieren. Ich möchte eines klarstellen: Ich behaupte nicht, dass jeder einzelne ghanaische Spieler betrogen hat. Auf keinen Fall! Viele der Jungs haben wirklich ihr Bestes gegeben. Aber wenn Sie mich nach meiner Meinung fragen: Dieses Spiel war irgendwie seltsam."

 

Wie müssen die FIFA und die UEFA auf Wettmanipulationen reagieren?

"Ich würde es begrüßen, wenn sie sehr starke Sicherheitsabteilungen einsetzten würden. Zusammengesetzt aus ehemaligen Polizisten oder Staatsanwälten. In Frankreich, Italien und England ist das bereits der Fall. Anti-Mafia und ehemalige Scotland Yard-Mitarbeiter bekämpfen dort Korruption im Sport."

 

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