Holland

holland_fansDie Niederlande hatten in der Gruppe G so gut wie keine Probleme, die Qualifikation stand bereits ein Spiel vor dem Ende fest. Wirklich glänzen konnte die Mannschaft von Trainer Marco Van Basten. Immer Favorit, fast immer das technisch bessere Team, nimmt die "Elftal" den Kontrahenten oft leicht, kommt arrogant daher. So mußte man in der Tabelle Rumänien den Vortritt lassen, konnte sie auch in beiden Partien nicht besiegen. Andererseits konnte Widersacher Bulgarien in die Schranken gewiesen werden. Bei dem Hang zum Laissez Fair ist es für "Oranje" vielleicht gar kein Nachteil, dass mit Italien, Frankreich und den aus der Quali bekannten Rumänen eine schwere Vorrundengruppe bei der EM 08 erwischt wurde.

EM-Quartier: Hotel: Beau Rivage Palace, Lausanne, Trainingsplatz: La Pontaise, Lausanne/ Schweiz

EM Kader
Tor: 1 Edwin van der Sar (Manchester United), 16 Maarten Stekelenburg (Ajax Amsterdam), 13 Henk Timmer (Feyenoord Rotterdam)

Abwehr: 14 Wilfred Bouma (Aston Villa), 15 Tim de Cler (Feyenoord Rotterdam), 3 John Heitinga (Ajax Amsterdam), 4 Joris Mathijsen (Hamburger SV), 12 Mario Melchiot (Wigan Athletic), 2 Andre Ooijer (Blackburn Rovers), 21 Khalid Boulahrouz (FC Sevilla) 

Mittelfeld: 20 Ibrahim Afellay (PSV Eindhoven), 5 Giovanni van Bronckhorst (Feyenoord Rotterdam), 8 Orlando Engelaar (Twente Enschede), 17 Nigel de Jong (Hamburger SV), 10 Wesley Sneijder (Real Madrid), 23 Rafael van der Vaart (Hamburger SV), 6 Demy de Zeeuw (AZ Alkmaar)

Angriff: 19 Klaas Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam), 18 Dirk Kuyt (FC Liverpool), 9 Ruud van Nistelrooy (Real Madrid), 7 Robin van Persie (FC Arsenal), 11 Arjen Robben (Real Madrid), 22 Jan Vennegoor of Hesselink (Celtic Glasgow)
Trainer: Marco van Basten

EM-Quartier: Hotel: Beau Rivage Palace, Lausanne, Trainingsplatz: La Pontaise, Lausanne/ Schweiz


Die Niederlande hatten in der Gruppe G so gut wie keine Probleme, die Qualifikation stand bereits ein Spiel vor dem Ende fest. Wirklich glänzen konnte die Mannschaft von Trainer Marco Van Basten. Immer Favorit, fast immer das technisch bessere Team, nimmt die "Elftal" den Kontrahenten oft leicht, kommt arrogant daher. So mußte man in der Tabelle Rumänien den Vortritt lassen, konnte sie auch in beiden Partien nicht besiegen. Andererseits konnte Widersacher Bulgarien in die Schranken gewiesen werden. Bei dem Hang zum Laissez Fair ist es für "Oranje" vielleicht gar kein Nachteil, dass mit Italien, Frankreich und den aus der Quali bekannten Rumänen eine schwere Vorrundengruppe bei der EM 08 erwischt wurde.

Der Koninklijke Nederlandse Voetbalbond (KNVB) wurde 1889 gegründet und schloß 1904 sich mit sechs weiteren europäischen Verbänden zur FIFA zusammen. Die Niederländer haben als Gründungsmitglied des Weltfußballverbandes der Internationalisierung des Sports erheblich geholfen. 1934 schickten die Holländer erstmals ihr Nationalteam zu einer Weltmeisterschaft. Gegen die Schweiz verlor man 2:3 und schied aus dem Turnier aus. Stürmer Kick Smit bleibt für alle Zeiten die Ehre, dass erste WM-Tor für sein Land erzielt zu haben. Bei der Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich erfolgte der nächste Versuch auf einen Spielgewinn. Gegen die Tschechoslowakei hielt die Abwehr 90 Minuten das torlose Unentschieden, in der Verlängerung brach es jedoch herein. Mit 0:3 war man ausgeschieden und mußte 36 Jahre auf die nächste Weltmeisterschaftsteilnahme warten.

Ende der 1960er Jahre wuchs eine hochtalentierte Spielergeneration in unserem Nachbarland heran. 1969 stand Ajax Amsterdam gegen AC Mailand im Europapokalfinale, verlor jedoch 1:4. Besser machte es ein Jahr später Feyenoord Rotterdam, die gegen Celtic Glasgow den Cup der Landesmeister in die Hafenstadt holten. 1971-1973 krönte sich dann Ajax zur besten europäischen Vereinsmannschaft. Mit den Erfolgen der Vereine war eine hervorragende Basis für eine erfolgreiche Teilnahme der Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland geschaffen.

Die Holländer waren die Sensation der WM 1974. Mit ihrem technisch perfekten Angriffsfußball, dem "voetball total", um ihren Star Johann Cruyff ließen sie ihren Gegnern keine Chance. Nach Siegen über Uruguay (2:0) und Bulgarien (4:1) sowie einem 0:0 gegen Schweden zog man ungefährdet in die zweite Runde. Mit einem überragenden Johan Cruyff überrollten die "Oranjes" Argentinien 4:0, die DDR 2:0 und den amtierenden Weltmeister Brasilien 2:0. Der Weg ins Finale gegen Deutschland war geebnet.

Für Aufsehen sorgten die Stars auch neben dem Platz. "König Johann" und Gefährten ließen sich am Pool Zigaretten und Alkohol schmecken. Hübsche Mädchen sorgten ebenfalls für Amüsement und Zerstreuung, was die Ehefrauen in der Heimat erzürnte. Keine ideale Vorbereitung auf ein Weltmeisterschaftsendspiel, zudem verzichtete der Trainerstab darauf, den Kontrahenten intensiv zu beobachten. Das Selbstvertrauen vor dem Finale war riesengroß. Die Einstellung der Spieler beschrieb Rene van de Kerkhof später so: ...was will West-Deutschland gegen uns ausrichten?" Das große Spiel begann für die Niederlande verheißungsvoll. In der ersten Spielminute drang Cruyff in den deutschen Strafraum ein, Hoeneß foulte und den fälligen Strafstoß knallte Johan Neeskens humorlos in die Maschen. Es sah gut aus, doch Arroganz machte sich breit, man wollte die Deutschen im eigenen Land vorführen. Dies stachelte den deutschen Kampfgeist an, noch vor der Pause konnten die Gastgeber zwei Tore erzielen. Cruyff verlor die Nerven, handelte sich auf dem Weg in die Kabine eine Gelbe Karte ein. In der zweiten Halbzeit spielte "Oranje" nach vorn, doch der letzte Biß fehlte. Nach Abpfiff war man nur Vizeweltmeister. Die Enttäuschung überwog, der Grundstein für eine tiefe, die nächsten Jahrzehnte überdauernde Rivalität zum deutschen Fußball gelegt.

1978 nahmen die niederländischen Löwen in Argentinien erneut Anlauf auf den WM-Titel. Ohne Johann Cruyff, der sich weigerte, in einem von der Diktatur beherrschten Staat wie Argentinien zu spielen, überstand Holland die Vorrunde nur mit Mühe. In der zweiten Runde knüpften die "Oranjes" wieder an die Brillianz von 1974 an. Nach einem 5:1-Kantersieg über Österreich, einem 2:2 gegen Deutschland und einem 2:1-Erfolg über Italien stand man erneut gegen den Gastgeber des Turniers im Finale. Im Konfettiregen des River Plate Stadions ging Argentinien in der ersten Halbzeit in Führung. In der 82. Minute konnte Dick Nanninga mit einem Kopfball egalisieren und dann fehlten nur Millimeter zum Titelgewinn als Rob Rensenbrink in der Schlußminute nur den Pfosten traf. Abpfiff, Verlängerung. In der 105.Minute setzte sich Mario Kempes mit gestrecktem Bein gegen die holländische Abewehr durch und traf zur Vorentscheidung. Bertonis Treffer kurz vor Ende der Partie war lediglich von statistischem Wert. Die Niederlande war wieder "nur" Vizeweltmeister. Größe zeigten die Verlierer anschließend, als sie dem argentinischen Staatschef General Jorge Videla den Handschlag verweigerten und damit vor der Weltöffentlichkeit gegen die Diktatur in Argentinien protestierten.

Nach dem Abgang der Cruyff-Generation mit Spielern wie Haan, Rep, den Kerkhof-Brüdern, Rensenbrink oder Krol konnte sich Holland für die nächsten beiden Weltmeisterschaften nicht qualifizieren. Erst gegen Ende der 1980er Jahre entstand wieder eine verheißungsvolle Mannschaft. Bei der Europameisterschaft 1988 in Deutschland gab es im Halbfinale wieder ein heißumkämpftes Match gegen die Bundesrepublik. Diesmal war unser Nachbarland das glücklichere Team, als Marco van Basten kurz vor Schluß das 2:1 Siegtor schoß. Im Münchner Endspiel gegen die Sowjetunion konnten die Holländer endlich den ersehnten internationalen Titel erringen. Marco van Bastens kapitaler Volleykracher zum 2:0 Endstand gilt immer noch als eines der schönsten Tore in einem Endspiel.

Der Europameister fuhr aussichtsreich 1990 nach Italien. Mit drei Unentschieden gegen Ägypten, England und Irland startete man blamabel ins Turnier, konnte allerdings ins Achtelfinale einziehen. Dort wartete die Bundesrepublik um für 1988 Revanche zu nehmen. Die "Oranjes" bestimmten anfänglich das, bis Frank Rijkaard zu seiner legendären Spuckattacke gegen Rudi Völler ausholte. Beide Spieler flogen vom Platz, die Deutschen wuchsen anschließend über sich hinaus, während bei den Holländern der Teamgeist abhanden kam. Nach der verdienten 1:2 Niederlage konnte sich der Europameister den weiteren Turnierverlauf vor dem TV ansehen.

1994 in den USA war der Auftakt erneut beschwerlich. Im ersten Spiel ging Saudi-Arabien gar in Führung. Ein spätes Tor von Gaument zum 2:1 Sieg bewahrte unsere Nachbarn vor Spott. Nach einem 0:1 gegen den alten Rivalen Belgien, ebnete ein 2:1 über Marokko doch noch den Weg unter die besten 16. Ein klares 2:0 über Irland ließ Holland auf den großen Favoriten Brasilien treffen. Im besten Spiel des Turniers konnten Bergkamp und Winter die 2:0 Führung der Brasilianer ausgleichen, doch ein gewaltiger Branco-Freistoß neun Minuten vor Schluß, ließ die Südamerikaner jubeln und in die nächste Runde ziehen.

1998 ein ähnliches Bild wie in den Jahren zuvor. Unentschieden gegen Belgien und Mexiko, sowie ein 5:0 gegen Südkorea sorgten zwar nicht für Begeisterung, führten jedoch zur sicheren Teilnahme am Achtelfinale. Dort konnte Jugoslawien erst in der Nachspielzeit durch ein Edgar Davids Tor ausgeschaltet werden. Im Viertelfinale gegen Argentinien sahen die Fans ein Fußballfest. Allein Bergkamps 2:1 Siegtreffer kurz vor Schluß war jeden Franc Eintrittsgeld wert. Im Halbfinale stand wieder einmal Brasilien auf der anderen Seite des Feldes. Diese Partie war für jeden Fußballfreund eine Offenbarung. Beide Teams gingen risikofreudig, offensiv, technisch brilliant zu Werke. Es war wohl bis heute das beste Fußballspiel aller Zeiten, welches die Zuschauer in Marseille sahen. Beim Stand von 1:1 nach 120 Minuten hatte die Partie keinen Verlierer verdient. Philip Cocu und Ronald de Boer waren die Unglücksschützen, die ihre Elfmeter "versemmelten". Erneut setzte sich Brasilien durch.

Obwohl die Niederlande auch nach der Jahrtausendwende eine Unzahl talentierter Spieler besaß, konnte sie sich 2002 nicht für die WM qualifizieren. Die Egozentrik vieler Spieler, die das eigene Wohlergehen über den Erfolg der Mannschaft stellen, war, wie schon häufig, zu groß. Eine tolle Truppe, gespickt mit internationalen Stars, schickten die Holländer 2004 zur Euro nach Portugal. Nach einem glücklichen 1:1 gegen Deutschland, sah die Welt eines der rasantesten Spiel der EM Geschichte. Gegen Tschechien ging "Oranje" schnell 2:0 in Führung um noch 2:3 zu verlieren. das abschließende 3:0 über Lettland sicherte die K.O. Runde. Hier quälte man sich mit Schweden im Elfmeterschießen, gewann aber ausnahmsweise mal. Die 1:2 Niederlage gegen Portugal im Halbfinale beendete allerdings die Träume vom zweiten Titel nach 1988.
 
In Deutschland 2006 setzten sich die Holländer in der "Hammergruppe" mit Argentinien gegen Serbien und die Elfenbeinküste durch. Dabei zeigte man den Scharen Orange gewandeter Fans teils sehenswerten Fußball. Unerklärlich, wie die Niederländer im Achtelfinale gegen Portugal von ihrer spielerischen Linie abgekommen sind. In einer Hackerei mit insgesamt vier Platzverweisen und acht Gelben Karten zog Holland mit 0:1 den Kürzeren. Die Revanche für das Halbfinal-Aus von 2004 gegen denselben Gegner mißglückt.

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