Sport inside: Parlamentarische Randgruppe

Das Vermächtnis des Peter Dankert ist bereits Geschichte. Seit Neuestem tagt der Sportausschuß wieder hinter verschlossenen Türen. Die Mehrheit im Ausschuß – die hat nach der Bundestagswahl von 2009 Union und FDP – hat dies so beschlossen. Ein Erklärungsversuch:

Frank Steffel (CDU)
„Ich kann nur sagen, dass mir am Beginn der Legislaturperiode gesagt wurde, dass man für zwei Jahre im Ausschuss den Versuch macht, die Öffentlichkeit für zwei Jahre herzustellen. Und sich das aus Sicht der Obleute nicht bewährt hat. Und ich habe in der Tat den Eindruck, dass sich das sachliche Klima in den Ausschüssen – völlig unabhängig um welches Thema es geht – deutlich konstruktiver und mehr an der Sache orientiert sind, wenn die Politiker, die Fraktionen  nicht geneigt sind, nicht für das Publikum und die Medien Schlagworte auszutauschen.“
 
Dagmar Freitag (SPD)
„Das mag die Auffassung einzelner Mitglieder dieses Ausschusses sein. Ich persönlich  habe andere Erfahrungen gemacht. Ich habe jedenfalls kein Problem damit, wenn die Presse anwesend ist. Oder auch die interessierte Öffentlichkeit. Es geht ja weit über die Presse hinaus. Wir haben ja Anfragen gehabt von Besuchergruppen, wir haben Studenten der Sportwissenschaften da gehabt,  das ging ja weit über die Medienvertreter hinaus. Und das ist etwas, was für mich zur Transparenz politischen  Arbeit auch dazu gehört. Und das ist auch eine Form von politischer Kultur. Und deshalb bedauere ich, dass wir da diesen Einbruch erlebt haben.“

Dagmar Freitag. Sie ist die erste Politikerin, die den Sportausschuß leitet. Die SPD-Abgeordnete ist aber auch Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik Verbandes. Eine Doppelfunktion, die nicht jeder für vertretbar hält.   

Gerd Langguth (Politikwissenschaftler)
„Wenn man sieht welche ungeheuere Power in dem Leichtathletikverband steckt, - und welche Interessen auch dahinter stecken – dann ist das natürlich Lobbyismus pur, wenn ein Abgeordneter, wenn eine Abgeordnete die Interessen des Deutschen Leichtathletikverbandes im deutschen Ausschußleben eben entsprechend vertritt.“

Dagmar Freitag (SPD)
„Ich bin jetzt seit zwei Jahren Ausschußvorsitzende. Wenn  ich Lobbyismus betreiben würde, hätten sie und ihre Kollegen schon lange Belege dafür und könnten sie präsentieren.  Es gibt aber keine. Ich betreibe keinen Lobbyismus. Ich mache hier meinen Job als Ausschußvorsitzende und mein Ehrenamt ist davon getrennt.“  

Doppelfunktionen im deutschen Sportausschuß haben eine lange Tradition.
So war der frühere Vorsitzende Engelbert Nelle jahrelang DFB-Vizepräsident. Und der Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger - neben seinem Parlamentsmandat – Vizechef im Deutschen Olympischen Sportverband.
CDU-Mitglied Rheinhard Grindel ist nach wie vor im DFB-aktiv. Dort agiert er als Anti-Korruptions-Beauftragter.

Gerd Langguth (Politikwissenschaftler)
„Wenn jemand in irgend einem Ausschuss ist, und gleichzeitig eine entsprechende Aufgabe hat, weil er in einer Gewerkschaft ist, den wird man das genauso vorwerfen können. Es lässt sich nicht trennen.“
 
Immer wieder steht der Sportausschuß auch wegen seinen Auslandsreisen in der Kritik. In den letzten zehn Jahren ging es allein 19 mal in die Ferne, nur vier mal war man in der Bundesrepublik unterwegs.

Olympische Spiele und Paralympics – wie hier in Salt Lake City - werden dabei gleich von zwei Delegationen besucht. Die bebilderten Reiseberichte werden dann im Sportausschuss diskutiert.

Auch zwischen den Spielen reist man gern. So standen Südafrika, Katar und Brasilien schon auf dem Reiseplan. Ganz egal ob die folgende Fußball-WM in die aktuelle Legislaturperiode fällt.

Frage: Ist es Zufall, dass ausgerechnet, wenn es in Deutschland kalt ist, in warme Länder fährt? Stichwort: Katar, Stichwort Tansania?
Dagmar Freitag (SPD)
„Das richtet sich nach überwiegend nach den sitzungsfreien Wochen. Wir müssen immer schauen, wann hat der Teil der Kolleginnen und Kollegen, die an der Reise teilnehmen, die Zeit dafür? Ich glaube nicht, dass die deutschen Kollegen besonders kälteempfindlich sind.“  

Gerd Langguth (Politikwissenschaftler)
„Zweifelsohne ist der Sportausschuß begehrt. Man ist dann mit den großen Sportlern dieser Welt zusammen, man reist sehr viel, man kann sehr viel reisen. Von daher ist es durchaus ein Mehrwert - für die Abgeordneten. Die Abgeordneten können sich auch in den Wahlkreisen beliebt machen, weil sie sagen: ich kenne den und den Sportler  u.s.w.. Aber im Grunde genommen bringt dieser Sportausschuß für den Sport überhaupt nichts.“  

Der Sportausschuß. Ein Parlamentsgremium, dass gern auf Reisen geht. In dem Funktionäre sitzen, das in der Regel geschlossen tagt. Und das bei der Verteilung der Steuergelder allenfalls am Rande mitreden kann. Der Sportausschuß - wer braucht ihn noch?!

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Sport inside – 12.03.2012
Autor: Fred Kowasch
Mitarbeit: Thomas Purschke
Archivrecherche: Henning Caje
Kamera: Steffen Schenker
Schnitt: Marc van Heinsberg
Redaktion: Uli Loke
Länge: 09:17 min

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