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Wer wird als Nächstes 'gejagt'?!

. Veröffentlicht in Fragen zur Zeit

von Fred Kowasch

19.02.2012
Auch wenn es einige nicht wahrhaben wollen: man muss der BILD-'Zeitung' für ihre kontinuierliche Berichterstattung in der Wulff-Affäre danken. Den letztendlichen Anstoß für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Hannover - und damit den Rücktritt des Bundespräsidenten - bildete wohl diese Story: Neuer Wirbel um Wulff-Urlaub.

"Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt".
Da kommen einem die Tränen. Wer den Wind nicht verträgt, sollte nicht nach draußen gehen. Wem jeglicher politischer Anstand fehlt – der stoisch ausharrt im Amt - muss damit klar kommen, dass man ihn publizistisch ´jagt‘, weiter im Dreck wühlt. Das ist schließlich unser Job. Auch wenn die meisten Journalisten das längst vergessen haben.

Der Fall Wulff zeigte auch eines deutlich: was für angeblich honorige Publizisten mittlerweile eins geworden sind mit dem politischen System. Ein Herausgeber der ZEIT gehört dazu, der Leitartikler der Süddeutschen, der STERN-Kolumnist. Letzterer hat erst kurz vor Toresschluss noch die Kurve bekommen. Jetzt kann er sich wieder mediengerecht in Szene setzen. Frei nach dem Motto: was kümmert mich mein Geschwätz von gestern ....

Auch die Öffentlich-Rechtlichen Sender haben - mit einer Ausnahme - journalistisch keinen Meilenstein gesetzt. Geduld, Beharrlichkeit und Einsatz braucht es schon, eher man einen korrupten Politiker zur Strecke bringt. Das kannmanchmal Jahre dauern. Der Fall Biedenkopf ist so ein Beispiel.

Freunde macht man sich mit seiner Penetranz nicht. Das ist aber auch egal. Vor allem der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist dabei von Bedeutung. Der richtige Moment, damit die publizistische Bombe wirksam platzt. Die beste Story nur halb so viel wert, wenn man medial im Vakuum operiert. Eine Kampagne – wie im Fall des Christian Wulff - kann dabei schon einmal helfen.

Auf zur nächsten Geschichte.
Im politischen Berlin liegt noch genügend Dreck, den durchzuwühlen sich journalistisch lohnt.