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Von der Enthüllungsplattform zum Kindergarten

. Veröffentlicht in Fragen zur Zeit

Ein Kommentar von Fred Kowaschwikileaks

22.08.2011 - Das 'Collateral-Murder'-Video, die 'War-Diarys' aus Afghanistan und dem Iraq, 'Cablegate', zuletzt 'The Guantanamo Files'. WikiLeaks - war das ein Wurf! Eine Organisation, die die Geheimdienste nervös machte, die Mächtigen in Verlegenheit brachte.

Davon ist nicht mehr viel übrig. Die Gruppe hat sich selbst zerlegt. Wer da wie im Hintergrund wirkte - das wird man wohl nie vollständig erfahren. Die Vergewaltigungsvorwürfe aus Schweden kamen  zur 'rechten Zeit', seitdem wirkt Julian Assange angeschlagen. Auf die jüngste Akt seines einstigen Vertrauten Daniel Domscheit-Berg - 3500 Dateien mit brisanten Informationen zu vernichten - reagierte Assange mit Geheimdienstvorwürfen. Der vorläufigen Tiefpunkt in einer Schlammschlacht zweier eitler Selbstdarsteller. Die dem Projekt Wikileaks am wenigsten nützt.

Die Behörden dürften sich klammheimlich freuen. Unter den vernichteten Dateien sollen brisante Dokumente der US-Regierung, Insiderinformationen über Banken und Abhöraktionen, Details über Menschenrechtsverletzungen, Informationen zu den Planungen von Neonazi-Gruppen sein. Eine Empfehlung für den sorgsamen Umgang mit Informationen von Whistleblowern ist diese Datenvernichtung nicht.  

Erst kündigte Domscheit-Berg an, dass bei seinem Abschied von WikiLeaks mitgenommene Material wieder zurückzugeben. Nun hat er sich es anders überlegt. Der Mann weiß offenbar nicht mehr, was er tut. Das müssen sich auch Medien wie die taz.de und freitag.de fragen lassen, die noch vor nicht allzu langer Zeit den Start des Projektes openleaks.org vollmundig angekündigt haben. Das Projekt ist faktisch tot, bevor es richtig begonnen hat. Glaubwürdigkeit lässt sich nicht kaufen.