Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Über die politische Radikalisierung der Hooligans (92 min, 2018)

'Inside HogeSa' ist eine Dokumentation, die der Frage nachgeht: welche Folgen hatte die Demonstration der 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) vom 26.Oktober 2014 in Köln? Als 5.000 Menschen auf die Straße gingen. Was wurde aus den Protagonisten? Ausführlich kommen Beteiligte zu Wort. Unter Ihnen Hools und Mitglieder des 'HogeSa'-Teams. Aber auch Fanforscher, Politikwissenschaftler, 'Pegida'-Organisatoren.

'Inside HogeSa' - Von der Strasse ins Parlament from interpool.tv on Vimeo.

Dreieinhalb Jahre lang haben wir an dem Thema gearbeitet. Dutzende Kundgebungen und Demonstrationen besucht. Vor Ort mit den Beteiligten gesprochen. Entstanden ist ein 92 Minuten langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so noch nicht gab. Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 4,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all). Wir haben die Dokumentation mit insgesamt 10.000 Euro selbst finanziert. Auf Crowdfunding, Filmfördergelder oder eine Co-Finanzierung öffentlich-rechtlicher TV-Sender wurde - aus Gründen der redaktionellen Unabhängigkeit - verzichtet.

Hinweis: wer den Film kauft, bekommt zahlreiche ungeschnittene Interviews zu sehen. Und einen 20 Minuten längeren 'Directors Cut' des Filmes, an dem wir gerade noch arbeiten.

Wall on Wall - Ein Projekt in Berlin

wall_abu disHörerstreit, Kulturradio RBB

Moderation: Ich möchte Sie einladen, sich zu beteiligen am Hörerstreit bei uns hier im Kulturradio vom RBB. Heute geht es um ein derzeit in Berlin heftig diskutiertes Thema. Der Fotograf Kai Wiedenhöfer, Jahrgang 1966, ist einer der bekanntesten und meist ausgezeichneten seiner Zunft, seines Alters. Er hat nicht nur Fotografie an der Folkwangschule studiert, er spricht auch Arabisch und hat in den Jahren 2003 bis 2006 für ein Buch fotografiert die Entstehung des israelisch-palästinensischen Grenzmauerstreifens, die Mauer, die die Israelis errichten. Das ist als Bildband bereits vorhanden, und nun hat er eine Idee: Noch ist sie, die East Side Gallery in der Mühlenstraße in Berlin nicht renoviert. Bis es soweit ist, möchte er seine überaus sehenswerten Fotos an dieser Mauer zeigen. Also Fotos von einer Mauer an diesem kleinen Stück Mauer, das wir noch in Berlin haben.

Quelle: RBB "Hörerstreit" 29.01.2008
Hörerstreit, Kulturradio RBB

Moderation: Ich möchte Sie einladen, sich zu beteiligen am Hörerstreit bei uns hier im Kulturradio vom RBB. Heute geht es um ein derzeit in Berlin heftig diskutiertes Thema. Der Fotograf Kai Wiedenhöfer, Jahrgang 1966, ist einer der bekanntesten und meist ausgezeichneten seiner Zunft, seines Alters. Er hat nicht nur Fotografie an der Folkwangschule studiert, er spricht auch Arabisch und hat in den Jahren 2003 bis 2006 für ein Buch fotografiert die Entstehung des israelisch-palästinensischen Grenzmauerstreifens, die Mauer, die die Israelis errichten. Das ist als Bildband bereits vorhanden, und nun hat er eine Idee: Noch ist sie, die East Side Gallery in der Mühlenstraße in Berlin nicht renoviert. Bis es soweit ist, möchte er seine überaus sehenswerten Fotos an dieser Mauer zeigen. Also Fotos von einer Mauer an diesem kleinen Stück Mauer, das wir noch in Berlin haben. Da gibt es nun Leute, die sagen, das ist eine tolle Idee, und wiederum andere sagen, das geht doch nicht, man kann doch nicht das eine mit dem anderen vergleichen, um Himmels willen nein. Was sagen Sie, soll der Fotograf Kai Wiedenhöfer seine Bilder von der israelisch-palästinensischen Mauer an der East Side Gallery zeigen, ja oder nein? Wall on Wall, Mauer an der Mauer, auf der Mauer. Finden Sie das gut, oder sagen Sie, um Himmels willen? Kai Wiedenhöfer selbst wird als Gesprächspartner hier bei uns im Kulturradio zu Gast sein.

Moderation: Ihre Meinung bitte.

B. L.: Auf jeden Fall und so lange wie nur möglich sollten die Mauern gezeigt werden, weil ich kämpfe dafür, dass wir uns bewusst machen, wie oft wir Wortmauern um uns herum bilden.

Moderation: Das heißt also, die Fotos von Herrn Wiedenhöfer würden Sie gerne als Anregung zum Nachdenken über die vielfältigen Formen von Mauern, die es in unserem Leben gibt, benutzen?

B. L.: Ja, zum Vordenken endlich mal, damit wir nicht immer wieder Mauern errichten müssen.

Moderation: Frau L., danke, dass Sie angerufen haben und einen schönen Tag noch für Sie. Tschüss. Als Nächstes am Telefon mit einer Meinung hier bei uns im Hörerstreit ist W. F. Frau F., einen guten Tag auch für Sie. Frau F., ihre Meinung.

W.F.: Ja, ich bin dafür und möchte unbedingt, dass diese Bilder aufgehängt werden.

Moderation: Warum?

W. F.: Es gibt doch immer wieder Ähnlichkeiten in der Geschichte. Diese Vorkommnisse von solchen Mauerbauten und Trennungen. Es ist ganz wichtig, dass so etwas nicht vergessen wird, und dass das, was wir hier in Berlin mitgemacht haben mit der Mauer, dass das auch erhalten bleibt, und dass das immer wieder aufgezeigt wird, was da gewesen ist. Und die Parallele jetzt mit Israel ist doch ein wunderbares Vorkommnis. Das ist meine Meinung dazu.

Moderation: Frau F., danke, dass Sie uns ihre Meinung gesagt haben, auch für Sie noch einen schönen Tag. S. K. hat angerufen, ist dran, hat welche Meinung? Einen guten Tag.

S K.: Guten Tag, ich finde, dass die Mauer, ich bin erst mal dagegen, weil die Mauern in der Struktur überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Die Mauer in Berlin war gebaut, um die eigene Bevölkerung einzusperren. Die Mauer in Israel ist gegen Raketen und Terrorismus gebaut. Wenn das nicht dokumentiert wird, wo der Unterschied ist, bin ich dagegen.

Moderation: Na, dann fragen wir ihn doch gleich mal, ich habe es gesagt, Kai Wiedenhöfer ist im Studio, bleiben Sie dran, Frau Kerr, legen Sie bitte nicht auf. Herr Wiedenhöfer, was zeigen Ihre Bilder?

Kai Wiedenhöfer: Zuerst mal, eins will ich mal gleich klarstellen, es geht nicht um einen unmittelbaren Vergleich, also ich will die Dinge schon ins Verhältnis setzen, nicht sagen, das, also die Berliner Mauer, ist genau das Gleiche wie die Mauer oder die Grenzanlage, die jetzt in Israel errichtet wird. Noch mal zu den Raketen schnell, die hält die Mauer natürlich nicht auf ((wird unterbrochen))

S. K.: Die hält nicht auf, aber der Terrorismus, der im Land … Und noch eines … es gibt eine dritte Mauer, die gegen Überströmung des Landes ist, wie in den USA. Es gibt verschiedene Mauern, und der Unterschied müsste dann klargemacht werden.

Moderation: Lassen wir ihn mal, den Herrn Wiedenhöfer, Frau K. Ich glaube, er wollte gerade ansetzen, er hatte ja gesagt, dass er es nicht gleichsetzen will. Lassen wir ihn jetzt mal zu Wort kommen, Frau K. Bitte Herr Wiedenhöfer.

Kai Wiedenhöfer: Ja also, mir geht es vor allen Dingen darum, dass Mauern keine Lösungen sind für Konflikte irgendeiner Art, und da sind wir, jetzt gerade, wenn wir bei den Raketen sind, genau das, die Gründe, warum diese Mauer jetzt gebaut worden ist, die sind ja nach wie vor da, also die lösen sich ja nicht, Probleme lösen sich ja im Generellen nicht damit, dass ich mich jetzt von irgendjemandem abgrenze oder einer Mauer aufbaue, sondern die Gründe, die zur Aggression führen, bleiben ja da. Und gerade mit den Raketen, ist ja, was man im Gazastreifen recht gut sieht, da haben sich die Israelis zurückgezogen, aber es war ein unilateraler Rückzug, ohne ein politisches Settlement zu finden, und ja, jetzt haben wir halt das nächste Problem, es verlagert sich ja immer nur.

Moderation: Was sehen wir in Ihren Bildern, Herr Wiedenhöfer? Was zeigen sie?

Kai Wiedenhöfer: Es sind sehr viele Bilder, die rund um Jerusalem aufgenommen sind, also wo es dann wirklich auch eine Mauer ist, ein Großteil dieser Grenzanlage ist auch Zaun, das habe ich auch aufgenommen, und man sieht das Alltagsleben und vor allen Dingen Landschaft eigentlich. Und das ist dann auch das, was sich wieder so niederschlägt, was man dann auch sieht, wenn man in Mexiko oder so ist, es sind eher die Mauern, die in den Köpfen sind, die sich dann wieder reproduzieren in der Landschaft.

Quelle: RBB "Hörerstreit" 29.01.2008

{mospagebreak}Moderation: Kai Wiedenhöfer, der Fotograf, bei uns zu Gast für Sie als Gesprächspartner im Hörerstreit hier im Kulturradio vom RBB zur Frage, soll er seine Bilder von der von Israel errichteten israelisch-palästinensischen Mauer an der East Side Gallery für eine gewisse Zeit zeigen? Er will ja keineswegs die Kunst, die dort ist überdecken auf Dauer. Sind Sie dafür, sind Sie dagegen? Die Politik tagt gerade darüber im Bezirk. Was sagen Sie (…). Einen guten Tag für W.G.

 

W.G.: Guten Tag, meine grundsätzliche Stellungnahme ist, ich bin bedingungslos für diese Ausstellung, weil sie zunächst mal zeigt, dass Regime, die Mauern errichten, um Bevölkerung einzusperren oder andere auszusperren, auf tönernen Füßen stehen. Und ich hoffe und wünsche, dass die Ausstellung, die gezeigt werden soll, auch zeigt den Landraub des Staates Israel am Territorium, was den Palästinensern zusteht.

 

Moderation: Herr G., danke, dass Sie angerufen haben und guten Tag noch für Sie, tschüss. Als Nächstes im Hörerstreit ist L.P. Herr P., guten Tag für Sie. Ihre Meinung bitte.

 

L.P.: Ich bin dafür, dass die Ausstellung stattfindet, und dass wir dadurch lernen, über unsere Mauer auch zu gucken, zu Problemen und Nöten, die andere Völker haben, dass wir uns nicht immer nur mit uns beschäftigen. Das ist ein weltweites Thema. Sehr gut, soll er machen!

 

Moderation: Danke, Herr P., schönen Tag noch für Sie. Herr Wiedenhöfer, das Allgemeine, was jetzt viele Hörer und Hörerinnen schon angesprochen haben, also Anregung, Mauern grundsätzlich abzubauen in den Köpfen, ist das auch das entscheidende Thema für Sie selbst?

 

Kai Wiedenhöfer: Ja, das mit der israelischen Mauer wurde mir fast aufgedrängt, über einen Freund als Thema, weil ich schon elf Jahre vorher in Israel in besetzen Gebieten gearbeitet hab, und das ist jetzt zum Glück zum Abschluss gekommen, weil ich bin des Konfliktes etwas überdrüssig. Und jetzt fotografiere ich gerade Mauern, in Belfast war ich jetzt und in Mexiko und werde das auch noch in Zypern fotografieren und in Korea und vielleicht noch in Bagdad, das ist etwas schwierig im Moment wegen der Sicherheitslage, und man muss auch sehen, wie man es finanzieren kann.

 

Moderation: Für Sie die Auseinandersetzung mit so vielen Mauern, die Sie eben aufgezählt haben, hat das ihre Lebenseinstellung zu anderen Menschen verändert? Konnten Sie dadurch leichter Mauern abbauen, die Sie vielleicht in ihrem Kopf hatten?

 

Kai Wiedenhöfer: Nee, also glaube ich weniger, weil ich bin halt sehr viel … In Israel zum Beispiel, die Mauer, die da jetzt steht, die war eigentlich virtuell für mich praktisch schon vorher vorhanden, weil ich kenne halt Leute in Tel Aviv, also Juden, die dann noch nie in der Westbank zum Beispiel waren, die da zwar, was weiß ich, fünfunddreißig Jahre lang gelebt haben, das meiden wie die Pest. Und ich bin halt schon immer sehr viel zwischen den Fronten unterwegs, ich kenne zum Beispiel in einem Flüchtlingslager in Gaza einen Fischer, der kommt aus einem Dorf, aus dem er vertrieben worden ist, und da ist jetzt ein Kibbuz, und da kenne ich auch wieder Leute, die laden mich dann da auch zum Sabbatessen ein und so, ich gehe da schon sehr viel vor und zurück, also relativ breit angelegt von dem her gesehen.

 

Moderation: Kai Wiedenhöfer, der Fotograf, der die Idee hat, seine Bilder von der von Israel errichteten Mauer zum palästinensischen Gebiet zu zeigen in Berlin in der Mühlenstraße an der Spree an der East Side Gallery. Die Politik tagt, ist sich uneinig. Ja oder nein, soll er das machen, soll er das nicht machen? Das ist die Frage an Sie. R. . ist am Telefon. Herr P., einen guten Tag.

 

R. P.: Schönen guten Tag, ich bin dagegen, nicht, dass dokumentiert wird mit den Fotos, da gibt’s bestimmt auch andere Stellen in Berlin, aber ich befürchte, dass es eine ähnliche Reaktion gibt, wie die beiden Damen am Anfang der Sendung gesagt haben, die gesagt haben, da gibt es Parallelen, und meiner Meinung nach gibt es keine Parallelen. Es wurde nicht versucht, von Westberlin aus Raketen nach dem Osten zu schießen, und die Mauer in der Mühlenstraße ist errichtet worden, um Fluchten von Ost nach West, von Deutschland nach Deutschland zu verhindern. Das ist ein kleines bisschen anders im Gazastreifen, ich bin dafür, dass das dort politisch gelöst wird, ich bin dagegen, dass dort laufend Waffen hereinkommen, an denen vielleicht auch noch andere, oder mit Sicherheit andere verdienen, und ich bin auch dagegen, dass das gleich gesetzt wird mit der Berliner Mauer.

 

Moderation: Da hat ja aber eigentlich jetzt Herr Wiedenhöfer schon zweimal gesagt, dass er genau das gar nicht vorhat.

 

R. P.: Ja, aber es muss nicht in der Mühlenstraße sein, wenn man dann sich das ansieht, denkt man, na das ist hier fast genauso.

 

Moderation: Also, Sie haben Angst vor gedanklichen Kurzschlüssen. Herr P., danke, dass Sie angerufen haben, schönen Tag für Sie, tschüss. Am Telefon jetzt bei uns im Hörerstreit hier im Kulturradio vom RBB ist Frau B. S.. Frau S., einen guten Tag. Ihre Meinung, Frau S.

 

B. S.: Ja, ich bin dafür, und der Ort ist doch auch geeignet, und mancher der Vorredner scheint da auch einen emotionalen Kurzschluss zu haben, weil das Bedürfnis Mauern zu bauen, ist ja praktisch so alt wie die Menschheit. Denken Sie an die Chinesische Mauer, die Römer haben ihren Limes gebaut. Ich meine, da steckt ja auch immer eine Motivation dahinter. Und ich finde das sehr gut, und das passt einfach auch, weil ich meine, was hier so in den Medien über die Mauer in Israel verbreitet wird, passt ja auch oft nicht, ich meine gerade so in der Springer-Presse wird das immer sehr einseitig dargestellt, zum Glück gibt’s aber auch noch andere Möglichkeiten, sich zu informieren, dass wirklich die Mauer nicht nur Menschen trennt, da wird der Bauer von seinem Land getrennt, die Olivenbäume haben sie ihm abgehackt und alles, da ist furchtbar viel Unrecht geschehen, genau wie damals, als in Berlin die Mauer gebaut wurde, an dieser Mauer geschah auch viel Unrecht, und bei aller Unterschiedlichkeit finden sich doch ein paar Parallelen, meine ich, und darum finde ich das sehr gut und sehr lobenswert.

 

Moderation: Danke, tschüss Frau S.. Eins würde mich interessieren, Kai Wiedenhöfer, für Menschen, die vielleicht die Schlagzeilen lesen, und sich ansonsten mit dem Thema Mauer in Israel in Palästina noch nicht auseinandergesetzt haben, haben Sie auch vor Erklärungen, Tafeln anzubringen, die die historischen Hintergründe uns, die wir vielleicht nicht genug darüber wissen, nahezubringen, oder wollen Sie nur die Bilder für sich stehen lassen?

 

Kai Wiedenhöfer: Na ja, es wird auf jeden Fall eine Karte mal aufgehängt, also von der UN, also auch die ganzen Zahlen und so was alles. Bei den Bildern mit dran sein wird als Bildunterschrift, das sind dann alles auch UN-Materialien, und das Ganze soll auch eingebettet sein in eine Reihe von Veranstaltungen, Diskussionen, wo dann zum Beispiel der Ex-Botschafter von Israel eingeladen wird, oder die UN-Kommissarin für Menschenrechte, da wird es ein Programm dazu geben, wobei das alles natürlich auch, man muss sehen, wie man es finanzieren kann.

 

Moderation: Wie ist eigentlich Ihre zeitliche Planung?

 

Kai Wiedenhöfer: Das hängt alles sehr jetzt vom Gemeinderat ab, und was dann halt dabei herauskommt, und vor allem die Sanierung wird, wenn alles jetzt klargeht, hat Dr. Franz Schulz gesagt, im April beginnen und dann im November enden. Also wir reden über den Zeitraum später im Jahr, falls… das noch nicht klar.


Quelle: RBB "Hörerstreit" 29.01.2008


{mospagebreak}Moderation: Kai Wiedenhöfer, der Fotograf, der seine Bilder von der israelisch-palästinensischen Mauer, von deren Bau an der East Side Gallery in Berlin zeigen möchte. Sie haben es eben noch mal gehört, die Politik berät noch darüber, ob ja oder nein. Und wir möchten wissen, was sagen Sie, ja oder nein? Und angerufen hat, ist jetzt dran, Herr K. M. Herr M., guten Tag. Ihre Meinung bitte.

 

K. M.: Ich bin dafür, dass diese Bilder dort an dieser Stelle ausgestellt werden und gezeigt werden. Ich hoffe, Herr Wiedenhöfer hat da ein Bild, wo man sehen kann, dass auf der Mauer in Palästina, wo verschiedene Sprüche aufgesprüht sind, man auch lesen kann, dass die Mauer in Berlin schließlich gefallen ist und diese Mauer wird auch fallen. Das heißt der Mauerfall in Berlin ist für die gequälten Menschen in Palästina, durch deren Gebiet ja die Mauer geführt wird, es wurde ja schon gesagt, dass sie nicht auf der Grenze steht und eine Schutzfunktion hat, dass hat die UN ja ohne Weiteres gesagt, dass das sein könnte, es ist aber eine Mauer, die eben im palästinensisch besetzten Gebiet ist und die Menschen in ihrer Bewegung einschränkt, und sie schauen nach Berlin auf den Mauerfall und es ist für sie ein Hoffnungszeichen gewesen, dass diese Mauer gewaltlos gefallen ist, und erst, wenn diese Mauer in Palästina fällt, werden die Menschen wieder aufatmen können und vernünftig leben können, deshalb ist das genau so richtig.

 

Moderation: Herr M., danke, dass sie angerufen haben, tschüss. Jetzt bei uns ist am Telefon D.G. Ihre Meinung.

 

D. G.: Also, ich bin dafür, dass die Bilder gezeigt werden, wie die meisten von den Vorrednern auch dafür sind. Ich verstehe nicht, was Mauern mit Demokratie zu tun haben. Das ist mir schleierhaft. Und das ist sehr schön, was der Vorredner gezeigt hat, dass auch Plakate gezeigt werden mit der Berliner Mauer der Vergleich, also es ist richtig, dass den Menschen die Hoffnung gegeben wird, dass auch diese Mauer fallen wird, so wie die Chinesische Mauer, so wie die Berliner Mauer, so wird auch diese Mauer fallen, und die Leute kriegen Demokratie, aber nicht von außen aufgedrückt, so wäre das meine Meinung.

 

Moderation: Danke für Ihre Meinung und einen schönen Tag noch für Sie, Herr G. Am Telefon jetzt ist B. B., ich grüße Sie herzlich. Ihre Meinung bitte.

 

B. B.: Ja, also ich hab da nichts dagegen natürlich, weil das, was da steht hat ja mit der Berliner Mauer gar nichts zu tun, das ist eine Touristenattraktion, das haben irgendwelche Leute bemalt, die Berliner Mauer, unsere Mauer auf DDR-Seite, die war grau, da sind wir nicht mal rangekommen, und nachts war sie taghell und sie war tödlich. Also ich schlag mal vor, er soll doch seine Bilder, er fotografiert ja auf der ganzen Welt das Unrecht, für die DDR da war er wahrscheinlich zu jung, soll er sie doch in Hohenschönhausen ausstellen, dann wird man ja sehen, ob das passt.

 

Moderation: Wie finden Sie den Vorschlag, Herr Wiedenhöfer, in Hohenschönhausen beispielsweise auszustellen? Also mitten da, wo mal DDR war.

 

Kai Wiedenhöfer: Da habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken drüber gemacht. Also es geht auch darum, dass man es an einem Platz hat, wo es relativ viele Leute sehen. Ich möchte nicht, ich sag mal, die üblichen Verdächtigen haben, also die Leute, die an einem Konflikt interessiert sind und an der Fotografie, sondern ich möchte es einfach auf eine breitere Basis stellen, dass relativ viele Leute partizipieren können, und das entspricht halt auch irgendwie dem Sujet, es ist halt draußen, und ich will nicht in eine Galerie oder irgendeinen umschlossenen Raum gehen, sondern es soll auch offen einfach sein.

 

Moderation: Herr B., Sie sind noch da?

 

B. B.: Ja gut, den touristischen Aspekt und den Aspekt der Vermarktung verstehe ich total, und daher passt es. Aber es passt natürlich wirklich nicht im Vergleich der beiden Mauern in ihren Absichten und ihren Wirkungen, und dass Mauern auf der ganzen Welt weg müssen, na da sind wir uns ja nun alle einig, der Konsens ist ja leicht zu finden. Also wie gesagt, noch mal, wenn man sich auseinandersetzen will, dann nicht an diesem Ort, das ist kein Ort der Auseinandersetzung, das ist ein Ort der Bagatellisierung und der Verharmlosung. So, und da kann er gerne seine Bilder hinhängen, das stört mich gar nicht, übrigens stört es mich überhaupt nicht, wenn jemand seine Bilder irgendwo hinhängt.

 

Moderation: Herr B., schön dass sie angerufen haben, schönen Tag noch, tschüss. Am Telefon jetzt bei uns im Hörerstreit ist J. W. Frau W., guten Tag. Ihre Meinung bitte.

 

J. W.: Ja also, ich bin auf jeden Fall auch dafür und ich finde, dass es ja nicht nur dort eine räumliche Trennung für die Menschen dort ist, sag ich mal, ich finde es halt auch sehr wichtig, dass auch die Jugendlichen von heute wissen, was so in der Welt auch passiert, dass es nicht nur ist und dass es auch immer wieder kommt in der Geschichte, also so würde ich das sehen, einfach sehen, was passiert auch in der Welt, und dass sie vielleicht auch versuchen mehr zu helfen, und das fehlt mir eigentlich so ein bisschen an der Jugend, sag ich mal, und ich hoffe einfach, dass viele Schulklassen da auch hingehen und sich das auch selbst angucken.

 

Moderation: Danke, dass sie angerufen haben Frau W., schönen Tag noch, tschüss. Im Bezirk selbst, das ist der Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg, wir haben es schon mehrmals gesagt, wird beraten und da ist man sich ja ungeheuer uneinig. Da gibt es viele, die sagen, um Himmels willen nein, wir sind strikt dagegen. Was sind denn, Kai Wiedenhöfer, vor allem Argumente, die Ihnen von dort entgegengehalten werden? Warum vor allem kommt von dort eher, so der Eindruck von außen, ein Nein von vielen Leuten?

 

Kai Wiedenhöfer: Ja, wie gesagt, alle gehen wieder auf die Vergleichbarkeit der Mauer hinaus, was ich ja eben nicht möchte, und es kommt bei vielen im Kopf schon nicht mehr an. Dann gibt es halt auch diese ganz massiven Ängste, überhaupt etwas zu machen, was israelkritisch ist, das ist immer noch ein ziemliches Tabuthema, das merkt man eigentlich so in der Breite, und was halt auch ein Problem ist, es sind relativ wenig offene Diskussionen da, sondern jeder kommt einfach mit seinem Päckchen daher und will das bestätigt haben oder nicht bestätigt haben, aber es bewegt sich da extrem wenig.

 

Moderation: Der Fotograf Kai Wiedenhöfer, der seine Bilder von der von Israel errichteten Mauer zu Palästina durch palästinensisches Gebiet zeigen möchte in Berlin an der East Side Gallery in der Mühlenstraße. Die Politik, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg berät just im Moment gerade darüber. Wir möchten Ihre Meinung wissen, ja oder nein? Soll er die Bilder zeigen, soll er es lieber lassen? F. W., was sagen Sie? Guten Tag.

 

F. W.: Ich finde es auch gut und ich finde auch den Ort richtig, und die Diskussion, die heute gelaufen ist, zeigt doch, was das auslösen kann. Es ist ganz fantastisch, wenn der Ort etwas mit dem Inhalt zu tun hat, und das ist ja da gegeben. Und es zeigt vor allen Dingen, dass man lernen muss, zu differenzieren, es regt dazu an, zu differenzieren, dass man erst mal Mauer – Mauer, und genau wie diese ganzen Redebeiträge, die wir heute hatten, die ja darauf hinzielen, dass man genauer hingucken muss, dass jeder vielleicht auch seine eigene Meinung dazu hat, aber genau das ist es ja, was es in Gang bringt, dass eben diese Gegenüberstellung an der Stelle passiert. Was noch hinzukommt, ist natürlich diese Geschichte, die eben auch angesprochen wurde, dass es da Vorbehalte gibt und es ist ein ganz klein wenig unglücklich, dass es ein deutscher Fotograf ist, der eben dieses israelische Problem anspricht, vor allen Dingen nur das, wenn all die anderen Mauerbeiträge, die er erzählt hat, die er ja noch machen will oder schon gemacht hat, wenn die jetzt auch in dem gleichen Zusammenhang schon ausgestellt wären, dann würde das nicht so einseitig zwischen diesen beiden Ländern passieren. Und was ganz wichtig wäre, was mir in der Aufzählung noch gefehlt hat, sind diese Absperrungen, die in Nordafrika gemacht werden, um die Nordafrikaner daran zu hindern, nach Europa zu gehen und dort eventuell ein besseres Leben führen zu können, ich denke, die gehören auch in die Reihe hinein, und dann kriegt das Ganze so einen runden Anblick, das dann glaube ich, auch die Ängste genommen werden dieser Konfrontation Israel Deutschland.

 

Moderation: Herr Wiedenhöfer, Sie möchten etwas sagen.

 

Kai Wiedenhöfer: Ja, Ceuta und Melilla mache ich auch, das habe ich vorhin vergessen zu erwähnen.

 

Moderation: Danke, dass Sie angerufen haben, Frau W. Danke, an alle die angerufen haben, Entschuldigung an all die vielen, die jetzt noch in den Leitungen sind und sich beteiligen wollten, es ist immer ein zeitliches Limit hier bei uns beim Hörerstreit (…). Dank an den Fotografen an Kai Wiedenhöfer, der seine Bilder zeigen möchte, seine Bilder von der israelischen Mauer zu Palästina an der East Side Gallery. Ob es passieren wird, im Moment tagt gerade der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Ganz klar, wenn es passiert, oder nicht, im Kulturradio von RBB werden Sie es erfahren.


Quelle: RBB "Hörerstreit" 29.01.2008

 

 

 

 


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