10.12. Tag der Menschenrechte

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Am Sonntag wurde in Berlin die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen. Sie ging an das palästinensische 'Bürgerkomitee des Dorfes Bil'in' und die israelischen 'Anarchisten gegen die Mauer' für ihren gewaltfreien Widerstand gegen die israelischen Sperranlagen im Westjordanland. Seit 1962 würdigt die Internationale Liga für Menschenrechte damit Personen und Gruppen, die sich um die Verteidigung der Menschenrechte besonders verdient gemacht haben.

 

drehtagebuch2_israel_01.jpgDrehtagebuch:
fri, 11.11.05 - 7:14 p.m.
Kaum angekommen, schon geht es los. Auf nach Bili'ien, im westlichen West-Bank. Für den Mittag ist eine Demonstration gegen den Bau der Mauer angekündigt. Wie jeden Woche nach dem Freitagsgebet. Unweit der Moschee ein Haus mit lauter Fremden. Friedensaktivisten aus Frankreich, Kanada, den USA und Israel. Auf dem Kühlschrank klebt ein A3 grosser Zettel. In roter Schrift steht darauf: "Kauft keine israelischen Produkte". 

drehtagebuch2_israel_02.jpgAm Sonntag wurde in Berlin die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen. Sie ging an das palästinensische 'Bürgerkomitee des Dorfes Bil'in'“ und die 'israelischen Anarchisten gegen die Mauer' für ihren gewaltfreien Widerstand gegen die israelischen Sperranlagen im Westjordanland. Seit 1962 würdigt die Internationale Liga für Menschenrechte damit Personen und Gruppen, die sich um die Verteidigung der Menschenrechte besonders verdient gemacht haben.


fri, 11.11.05 - 7:14 p.m.

Kaum angekommen, schon geht es los. Auf nach Bili'ien, im westlichen West-Bank. Für den Mittag ist eine Demonstration gegen den Bau der Mauer angekündigt. Wie jeden Woche nach dem Freitagsgebet. Unweit der Moschee ein Haus mit lauter Fremden. Friedensaktivisten aus Frankreich, Kanada, den USA und Israel. Auf dem Kühlschrank klebt ein A3 grosser Zettel. In roter Schrift steht darauf: "Kauft keine israelischen Produkte".

Das Gebet ist beendet, der Marsch beginnt. Zahlreiche Demonstranten tragen Arafat-Masken. Es ist ein Jahr her, als er in Frankreich starb. Wenig später sind wir inmitten von Olivenhainen. In der Ferne wartet ruhig das Militär. Plötzlich schwenkt die Menge nach rechts, beginnt zu rennen. Einer erklimmt einen zehn Meter Hügel voller Bauschutt, befestigt zwei Fahnen auf dem Gipfel. Ein Tieflader rollt heran, Soldaten eilen herbei. Palätinenser und Militär stehen sich gegenüber. Der Bagger fährt rückwärts.

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Dann kommen von der Seite die internationalen Demonstranten, setzen sich vor den Tieflader. Sie wollen die Bauarbeiten behindern. Das israelische Militär ist überrascht und überlistet. Das haben sie nicht so gern. Tritte, Schläge, Schreie. Eine Soldatin reisst einem blonden Demonstranten ein Büschel Haare aus, schlägt ihm mit einem Stock in die Nieren. Wenige Minuten später wird sie inmitten der Gruppe eine Blendschockgranate zünden. Dann ist erst einmal alles ruhig. Eine Stunde lang.
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Plötzlich geht es wieder los. Ohne Vorwarnung. Das Militär stürmt vor, Tränengas wird eingesetzt. Kai und ich sind auf den Huegel geklettert, beobachten das Ganze von Weitem. Die Soldaten gehen zurück - sie sind ins eigene CS-Gas gelaufen. Der Wind kam halt von vorn. Drei Israelis werden festgenommen, ein Palästinenser kollabiert. Am Horizont lassen Jugendliche ihre Steinschleuder kreisen.

Nach dem Einsatz. Die Soldaten lachen und scherzen, führen sich gegenseitig anschaulich ihre Taten vor. Dort ein Faustschlag, hier ein Hieb. Alltag in der West-Bank, an einem ganz normalen Freitagmittag. Dort, wo schon in einigen Monaten eine neun Meter hohe Mauer in den Himmel ragen soll.

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