Wikileaks: Von alten und neuen Journalisten

12.12.2010 - update
Es ist doch immer wieder schön zu lesen, welche profunden Journalisten sich an dem Thema wikileaks wie abarbeiten.wikileaks Ein wahres 'Glanzstück' liefert Hans Leyendecker ab. Der als investigativer Journalist bekannte Schreiber der Süddeutschen Zeitung, zeigt sich in einem Radiointerview als ziemlich schlechter Verlierer. Wikileaks sei ein "Bastard" heißt es da. Ein wenig besonnener klingt es Tage später im eigenen Blatt - Wikileaks und die Systemfrage. Von alten und neuen Journalisten.

Ein besonderes Highlight im Blätterwald ist die Polemik des ehemaligen Taz-Mitarbeiters und heutigem Springer-Redakteur Claus Christian Malzahn. Die Verhaftung bringt Assange zurück in die Realität - 'vorsichtshalber' wurde hier die Kommentarfunktion geschlossen.

Nach langer Zeit ist auch das ARD-Politikmagazin MONITOR wieder einmal aus der Bedeutungslosigkeit erwacht. In Kein Schutz für Wistleblower wird darüber berichtet, welcher Rechtlosigkeit Informanten in Deutschland ausgesetzt sind. Darüber hinaus gibt es im Blog ein paar sehr lesenswerten Gedanken der Redaktionsleiterin. Zu guter Letzt eine Reminiszenz an einen begnadeten Wühler und guten Verlierer - Wikileaks und wir. Lesenswertes von STERN-Autor Hans-Martin Tillak.

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Wikileaks: Amazon und all die anderen

07.12.2010 - 21:13freejulian
Ob nun Amazon, Paypal, Master-Card oder Visa ihren (bezahlten) Support für Wikileaks aufgeben, im Netz werden die Unterstützer für die Enthüllungsplattform immer mehr. 748 'gespiegelte' Webseiten gibt es bisher. Bemerkenswert sind auch die Hintergründe zur Verfolgung durch die schwedische Justiz - Die Frau, die Assange jagt.


Es wird viel geschrieben in die diesen Tagen über Julian Assange. Dies ist die Geschichte von Wikileaks - Der vielleicht beste Artikel findet sich in der FAZ. Totale Öffentlichkeit - welche Perspektiven hat diese Art des Publizierens, fragt die Süddeutsche Zeitung.

13 Punkte: Wikileaks-Aussteiger erklärt die Plattform und wie es weitergeht
. Dazu auch ein 88 minütiges Video, in dem Daniel Domscheit-Berg die Gründung einer eigenen Plattform für Mitte Dezember ankündigt. Ab Freitag gibt es dann ein SPIEGEL-Sonderheft zum Thema an den Kiosken.

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wikileaks: iraq war logs

Die Internet-Plattform wikileaks hat Hunderttausende von geheimen Dokumenten über den Irak-Krieg ins Netz gestellt. Es handelt sich um Berichte von der Front aus der Zeit von 2004 bis 2009. Darunter befinden sich Papiere, die unter anderem dem Hubschraubereinsatz auf Zivilisten und zwei Reuters-Journalisten am 12. Juli 2007 in Bagdad dokumentieren. Höllenfeuer aus dem Himmel.

VIDEO: "Oh yeah, look at those dead bastards. Nice"
Das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, mit denen wikileaks bei der Veröffentlichung ebenso wie mit dem Guardian und der New York Times zusammen arbeitete, zitiert aus den Unterlagen. Aus der Veröffentlichung geht auch hervor, dass die Zahl der getöteten Zivilisten im Irak-Krieg erheblich höher gewesen sein soll, als bisher angenommen. Die Veröffentlichungen von wikileaks wurden weltweit mit Aufmerksamkeit betrachtet. Mitarbeiter der Oranisation hatten in den letzten Wochen für negative Schlagzeilen gesorgt - Undurchsichtige Enthüllungsplattform.

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FIFA WM 2014: „Não vai ter copa“

21.06.2014
Ein Jahr nach den Massenprotesten mit Hunderttausenden Demonstranten ist es in Brasil ziemlich ruhig. Von der angekündigten Massenbewegung ist nichts zu sehen. Allenfalls in Sao Paulo bekommen die WM-Kritiker noch nennenswert Menschen auf die Strasse. Gestern in Lapa (Rio de Janeiro) trafen ein paar Hundert auf fast so viele Journalisten und Polizisten. Demonstrationen, Polizeiübergriffe, Auseinandersetzungen. Bei interpool.tv gibt es dazu die aktuellsten Videos.

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Rio de Janeiro: Die Stadt, der Müll und das Meer

von Fred Kowasch

Sand, Palmen und pralle Hintern. Vielleicht noch eine frisch geschlagene Kokusnuß, ein kühles Bier mit Blick auf das Meer. Das ist es in der Regel, was sich der Tourist bei einem Besuch an der Copacabana oder in Ipanema verspricht. Die Wirklichkeit ist jedoch nicht wie der Postkartenblick. Das zeigt sich besonders in diesen Tagen. Wenn die Stadt voller Müll ist und stinkt, weil die öffentlichen Entsorgungsarbeiter streiken.

Sie streiken für eine Lohnerhöhung von 800 auf 1.200 Reais (weniger als 380 Euro). 50 Prozent mehr Grundgehalt mag viel klingen - ist es aber nicht. Die Preise in Rio haben im Vorfeld der WM stark angezogen. Wohnungen sind nahezu unerschwinglich geworden. Für einen Wocheneinkauf im Supermarkt legt man schnell mal 100 Reais hin. Zudem die Landeswertung (wieder einmal) auf Talfahrt ist, im letzten Jahr ein Viertel an Wert verloren hat.

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Sieben Cents - WM-Riots in Brasil

von Fred Kowasch

17.06.2013
7 Cents. Um ungerechnet 7 Cents wurden vor Kurzem in Brasilien die Buspreise angehoben. Das mag für Deutsche lächerlich wenig klingen, für die meisten Brasilianer ist es das nicht. Müssen sie sich doch täglich mehrfach durch das Metallkreuz am Eingang quälen, sich in die meist unpünklich fahrenden und proppe vollen Busse quetschen. Bei weniger als 300 Euro Durchschnittverdienst fällt eine Fahrpreiserhöung - bei täglich mehreren Touren - durchaus ins Gewicht.

Der Frust im Land ist groß, auf Begeisterung für die kommende WM trifft man in Rio de Janeiro fast nie. Auch wenn die bunten Bilder, der ausländischen TV-Stationen hier oft etwas anderes vermitteln. Meist ist die Rede von den enorm kostspieligen Investitionen in die WM-Bauten, von einer allgegenwärtigen Korruption, gegen die man nichts machen kann. Hinzu kommt eine Bürokratie, gegen die deutsche Beamtentum fast noch ein Segen ist. Wer dort mal einen Inlandsflug buchen oder ein Konto eröffnen wollte, weiß das. Darüber hinaus befinden sich die Lebensmittelpreise in den Supermärkten - zumindest in Rio - längst in einer europäischen Dimension.

Krawalle und Plünderungen in sao Paulo (18.06.2013)


Es gibt wohl kaum eine Stadt, in der Reichtum und Armut so eng aufeinander treffen, wie in der malerischen Metropole am Zuckerhut. Hier die weltgrösste Favela Rocinha, wenige Hundert Meter ein luxioriöser 'Gavea Golf and Country Club' mit mehreren Hektar an kurzgeschnittenen Grün. Dort, das Luxushotel Royal Tulip am Atlantik. Direkt gegenüber, einer der schönsten Strände von Rio, fest in Favela-Hand. Touristen habe ich bei meinem Besuch hier nicht gesehen.

Mit den Demonstrationen der letzten Tage hat in der sechstgrössten Wirtschaftsmacht der Erde wohl kaum einer gerechnet. Sicher nicht die Staatspräsidentin 'Dilma', die bei der Eröffnungsveranstaltung zum Confed-Cup gnadenlos ausgebuht worden ist. Doch ihr Stern ist im Sinken. Zwar hat sie einige korrupte Minister aus ihrem Kabinett entfernt, geändert hat sich in den Augen vieler Brasilianer aber grundsätzlich nichts. Hinzu kommt eine Polizei, die im Prinzip machen kann, was sie will. Das Gummigeschosse, Knüppel, Reizgas und Hochfrequenzlautsprecher jedoch keine passende Antwort auf die berechtigten Proteste sind, dürfte einleuten.

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sport inside: 'Ehrenwerte Gastgeber'

Film von Fred Kowasch und Carsten Upadek
(sport inside - WDR - 15.04.2013 - 22:45 Uhr)

Brasilien fiebert der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land im nächsten Jahr entgegen, groß ist auch die Vorfreude auf das Vorbereitungsturnier, den Confed-Cup, in diesem Sommer. Die brasilianischen WM-Organisatoren möchten sich gut präsentieren, doch zwei Monate vor dem Auftakt zum Confed-Cup überschatten Anschuldigungen gegen führende Persönlichkeiten des brasilianischen Fußballs den Sport. Es geht um den ehemaligen Verbandspräsident Ricardo Teixeira und seinen Nachfolger José Maria Marin, der den CBF heute leitet, einen der mächtigsten Fußballverbände der Welt.
marin2Brasiliens Fußballboss José Maria Marin muß sich den Fragen stellen (Screenshot: interpool.tv)

Teixeira, der im Weltverband FIFA lange Zeit die rechte Hand von Joseph Blatter war, musste im vergangenen Jahr wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten. Bei der Vergabe von TV-Lizenzen soll er mitkassiert haben – mindestens neun Millionen Schweizer Franken. Eine politische Untersuchungskommission soll das Korruptionsgeflecht aufklären. Teixeira hat sich nach Miami in die USA abgesetzt, soll von dort aber immer noch Kontrolle über den CBF ausüben. Der neue Verbandspräsident Marin wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Zu Zeiten der Militärdiktatur (1964 bis 1985) hat er sich nach oben gedient und soll mit verantwortlich sein für den Tod eines Journalisten. Die Diskussion schlägt in Brasilien hohe Wellen. Vor allem da sich der populäre Ex-Stürmerstar Romario, der heute als Abgeordneter im brasilianischen Parlament sitzt, den Fall Marin zur persönlichen Aufgabe gemacht hat. (Text WDR)

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WM 2014: Ist Rio sicher?

nachts in rio
von Fred Kowasch

Sie kommen im Morgengrauen. Mit Sturmgewehren und Panzerfahrzeugen. Im Schlepptau die Presse. Es sind immer die gleichen Bilder, wenn das brasilianische Militär in Rios Favelas einrückt. In der Regel wissen die Anwohner Bescheid. Weil es Tage vorher in der Zeitung steht. Die Drogendealer sind längst über alle Berge, sprich in anderen Armenviertel der acht-Millionen-Metropole am Atlantik aktiv.

An die 30 Favelas gelten mittlerweile als 'befriedet'. Rio hat - geschätzt - fast 1.000. Es ist mittlerweile fast so etwas wie ein Touristensport geworden: ein Rundgang durch eine der Armensiedlungen. In der Regel passiert dies nur in Santa Marta, die mitten in der als sicher geltenden Zona Sul liegt. Man kann verstehen, dass dieser zooähnliche Rundgang nicht von allen Anwohnern mit Freude betrachtet wird.

Ist Rio sicher? An einigen Stellen schon. Wer sich am Freitag/Samstag Abend ins Vergnügungsviertel nach Lapa aufmacht, sollte jedoch Einiges beachten. Keine Kameras und Handys, keine Kreditkarten, wenig Bargeld. Besser ist es auch ein Taxi zu nehmen. Auch wenn die in Rio gern mal ein paar Umwege fahren, wenn sie merken, dass ein Tourist als Fahrgast zugestiegen ist.

Vergessen sollten man von vorherein, dass man in der künftigen WM- und Olympiametropole mit Englisch weiterkommt. In Rio spricht fast niemand eine andere Spache außer Portugiesisch. Selbst ein paar Euros oder Dollars zu tauschen gerät hier zu einer stundenlangen Odyssee. Nur einige wenige Läden auf der Innenstadtmeile Rio Branco bieten diesen Service an. Wer in Rio einen Stadtplan sucht, sollte sich gleich am Ausgang vom Flughafen mit einem Faltplan eindecken. Sonst auch da: Fehlanzeige.

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Geschichten aus Rio: Jeden Tag 'Silberstaub'

Wie am Thyssen-Werk die Menschen leiden

Es gibt als Reporter nur wenige Tage, die Du schwer vergisst. Nach mehrstündiger Fahrt sind wir rund 50 km westlich von Rio in Santa Cruz am deutschen Thyssen-Werk angekommen. Das Werk dürfen wir nicht filmen, machen es aber trotzdem. In nur drei Stunden vor Ort treffen wir zahlreiche Anwohner. Einen Fischer, der uns eine Handvoll Silberstaub zeigt. Silberstaub, der hier jeden Nachmittag von Himmel fallen soll. Wir lernen ein 15-jähriges Mädchen kennen, dass täglich auf Medikamente angewiesen ist, einen Arbeiter der in Kürze seinen Krebs behandeln muß, eine Familie die Nachts vor Lärm nicht mehr schlafen kann. Und dies alles, seitdem ein deutscher Konzern hier vor fünf Jahren ein Stahlwerk errichtet hat. Als wir zurückfahren, berichtet uns eine ältere Frau im Bus von ihrem Nasenbluten, seitdem das Werk steht. Wir werden wieder kommen und wieder filmen. Hier läuft mächtig etwas schief.    



Junge vor dem Thyssenwerk in Santa Cruz. Westlich von Rio de Janeiro, Brasil.
Screenshot: interpool.tv Videomaterial (Fred Kowasch)

update:
Momentan übersetzen wir die zahlreichen Interviews, die wir in Santa Cruz geführt haben.
Danach wollen wir aus dem Drehmaterial einen kurzen Trailer schneiden.
Er soll helfen Geldgeber zu finden, die es uns ermöglichen, diese umfassende Recherche weiter zu betreiben.

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Amazonien: Hoffen auf die Krieger

von Carsten Upadek, Amazonien

Mindestens noch einmal drei Stunden Fahrt hat Sônia Magalhães vor sich. Dabei ist die Anthropologin gerade erst mit dem Flieger aus Belém, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará, in Altamira angekommen. Jetzt geht es mit dem Motorboot weiter zu einem Dorf des Indio-Stammes Juruna. Das Gebiet ist nur auf dem Wasser zu erreichen. Es liegt in der „großen Beuge“ des Flusses Xingu, jener Seitenarm des Amazonas, der zum Betrieb des Wasserkraftwerks „Belo Monte“ gestaut werden soll.  


brasil flussinsel
Foto: Carsten Upadek

Sônia Magalhães nennt den Xingu „Fluss der Indios“. Denn nirgends gebe es so viele geschützte Reservate brasilianischer Ureinwohner wie entlang dieses mächtigen Stromes, der im Bundesstaat Mato Grosso entspringt und nach knapp 2000 Kilometern in den Amazonas mündet. Drei der vier indigenen Sprachen werden allein entlang des Xingu gesprochen. Für die Ureinwohner ist er Quelle es Lebens – manchem Stamm ist der Fluss sogar heilig.

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