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Zitat des Tages


„Die Menschen, .... die betroffen sind, sind geradezu angewidert von dem Versuch der Beteiligten, jegliche Verantwortung von vornherein von sich zu weisen. Sie stehen fassungslos vor der Tatsache, dass offenbar für den Tod von 21 Menschen und vielen Verletzten niemand verantwortlich ist. Das begreifen sie nicht“


Gerhard Baum (Anwalt einiger Hinterbliebender)  - im Deutschlandsender Kultur am 02.09.2010

 

Fragen der Zeit

Fahrlässige Tötung
von Fred Kowasch

31.07.2010 -
Der Vorwurf steht im Raum und ist gewaltig. Haben Organisatoren, Veranstalter und die Polizei fahrlässig den Tod von Besuchern in Kauf genommen? Sind aus Nachlässigkeit, Profitgier und Unfähigkeit 21 Menschen gestorben?

Allmählich zeichnet sich ein klareres Bild von den Geschehnissen in Duisburg ab. Auch weil neben Journalisten zahlreiche Blogger auf solchen oder solchen Webseiten Dokumente sichten, Informationen sammeln und gewichten. Youtube, twitter, facebook, die Unterlagen aus dem NRW-Innenministerium - selten ist eine solche Katastrophe so vielfältig dokumentiert worden. 
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Ein 'Unglück' mit Ansage?!
von Fred Kowasch

25.07.2010 - 16:40
Wenn man sich die zahlreichen Augenzeugenvideos vom Eingang zum Loveparadegelände gestern Nachmittag ansieht, dann kommt einem - nach Momenten des Schocks - zwangsläufig die Frage: wie ist so etwas möglich?

Warum geht es da weder nach vorn, noch nach hinten? Wer hat den einzigen (!!) Zugang zum Veranstaltungsgelände geschlossen? Standen Zäune unüberwindbar im Weg, haben Ordner, hat die Polizei den Zugang 'dicht' gemacht?!  Oder versperrten gar solche Menschenmassen den Weg, die die Loveparade eigentlich verlassen wollten?
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Die Fahrt zur Gesa dauerte rund 20 Minuten. Während der Fahrt wurde größtenteils geschwiegen. Viele der Insassen schauten aus dem Fenster. Oder lehnten ihre Köpfe gegen die Fenster und schlossen die Augen. Einige von ihnen versuchten sich dennoch mit kleinen Späßen bei Laune zu halten. Einige Demonstranten begannen aufgebracht mit den Polizisten zu diskutieren. Als der Bus in der Dunkelheit vor der Gesa ankam, durfte noch niemand aussteigen. Die Polizisten, die mit den Insassen im Bus waren, sagten, es müssten noch drei andere Busse „abgearbeitet“ werden.
Über vier Stunden stand der Bus vor der Gesa, ohne dass die Polizisten die Insassen hineinführten. Einige Polizisten sprachen mit den Demonstranten in dem Bus, andere hatten sich Stühle genommen und neben dem Bus Platz genommen. Sie aßen, rauchten, tranken Kaffee.

Zur Toilette durften die Insassen allerdings gehen. Sie wurden sie von den Beamten zu Dixieklos geführt, die sich vor der Gesa befanden.  "Es ist kalt", stellte ein junger Mann nach einiger Zeit fest. "Machen sie doch mal die Tür des Busses zu."
"Nein." lautet die Ansage eines Polizisten. Im Mittelteil des Busses war die Tür geöffnet, so dass Polizisten ein- und aussteigen konnten. Draussen war es kühl. Wind zog in den Bus. „Hat irgendwer noch einen Pulli ?“ fragte eine junge Frau mit großen braunen Augen. Ihre Schminke war zerlaufen. Sie sah sehr müde aus. Ihre Haare waren zersaust.
"Wir haben Hunger. Sie halten uns jetzt schon seit über zehn Stunden fest. Wann bekommen wir denn etwas zu essen ?" fragte ein Anderer. "Hier gibt es nichts." sagte ein Beamter.

"Und in der Gesa ? Gibt es da Buffett ?"  scherzte ein Demonstrant.
"Nein, kein Buffett." erwiderte der Polizist und schmunzelte dabei.
"Ich will hier raus. Das ist Freiheitsberaubung. Was wird uns vorgeworfen ?" erzürnte sich eine Blondine. Ein älterer Polizist sagte: " Ich weiss auch nicht, was ihnen persönlich vorgeworfen wird. Ich führe nur Befehle aus:" "Tolle Befehle, die sie hier ausführen", rief ein Mädchen wütend aus den letzten Reihen des Busses. "Ich will, dass sie jetzt sofort einen Richter in den Bus holen", forderte ein etwas älterer Mann mit leiser und bedachter Stimme den Polizisten auf. "Das geht nicht."
"Warum geht das nicht ?" fragte ich. Der Polizist mit Schnauzbart drehte sich zu mir: "Hier gibt es keinen Richter."
"Es gibt hier keinen Richter ?" wiederholte jemand. Der Polizist schüttelte seinen Kopf. "Das kann doch nicht sein, dass hier kein Richter vor Ort ist", stellte der ältere Mann fest. Er trug eine Brille. Einige graue Haare waren zwischen seinen braunen Haaren zu sehen. Er fuhr fort: "Ich fordere sie hiermit auf, einen Richter zu holen. Mir ist es auch egal, wie sie das machen. Ich will jetzt sofort einen Richter hier haben." "Das geht nicht." wiederholte der Polizist.

Ein junger Mann, der vor mir sass und zuvor einige Minuten schnarchend verbracht hatte, begann an zu schimpfen : "Das ist Körperverletzung und Freiheitsberaubung, was sie hier machen. Und keiner kann uns sagen, was uns vorgeworfen wird. Das kann doch nicht sein. Und wo ist der Richter ? Ich will hier jetzt endlich raus." Sein Sitznachbar versuchte ihn zu beruhigen, in dem er ihm sagte, er solle bloss nicht die nerven verlieren. "Toller Rechtsstaat," rief der aufgebrachte Insasse. Er beschwerte sich darüber, dass er nicht frei demonstrieren dürfe, ohne nicht gleich festgenommen zu werden. Er fluchte. Ich sah das 15-jährige Mädchen im Bus. Sie sass einige Reihen vor mir. Ihre zwei Zöpfe trug sie immer noch.
Zwischenzeitlich brachte ein Polizist Getränke in den Bus. Kleine Wasserflaschen aus Plastik. Mit Kohlensäure. Einige Insassen legten sich in die Gänge, um zu schlafen. Oder um es zumindest zu versuchen. Mit der Zeit wurde es immer ruhiger in dem Bus. Die Diskussionen mit der Polizei nahmen allerdings nicht ab. Sie wurden nur leiser, aber bestimmender.

Kurz vor Mitternacht fragte ein großgewachsener Polizist wieviele Minderjährigen sich im Bus befinden würden. Sie sollten ihre Arme heben. Ich zählte mit. Es waren acht Minderjährige im Bus. Sie wurden zuerst aus dem Bus gelassen. Kurz danach rief ein Polizist die Nummern auf, die jedem Insassen zuvor zugeteilt wurde. Jeder sollte seine persönlichen Sachen in die Hände nehmen. In Begleitung mit jeweils einem Beamten ging es einige Schritte zur Gesa. Es war kalt draussen. Mein Atem gefror.

Der Beamte, der mich begleitete war etwa drei Jahre jünger als ich. So sah er zumindest aus. "Was wird mir vorgeworfen ?" fragte ich ihn. "Das weiss ich auch nicht. Ich führe nur Befehle aus. Obwohl, warten sie, das steht hier auf dem Zettel." Er schaute kurz auf das Blatt Papier, das er in den Händen trug. "Sie haben an einer Demonstration teilgenommen", stellte er schüchtern fest. ."Gib mir mal den Zettel", forderte ich ihn auf und riss ihm den Zettel aus der Hand. "Ich soll an einer aufgelösten Demonstration teilgenommen haben ? An der Malzmühle, steht hier." sagte ich. Er zuckte die Schultern: "Wie schon gesagt, ich führe nur Befehle aus." „Das ist doch alles Quatsch.“ Sagte ich erbost und trat von einem Bein auf das andere. Vor mir stand der Demonstrant, der bereits im Bus neben mir sass. Ich schaute an ihm vorbei und blickte in die Gesa hinein. Ich stand noch ausserhalb - in der Kälte. Ich fror. Zwei Videokameras waren in der großen Halle aufgebaut.

In der Gesa waren viele Polizisten zu sehen. Die meisten von ihnen sassen an Schreibtischen. Andere von ihnen führten die Demonstranten durch die Gesa. Der Polizist, der mich begleitetet, forderte mich auf, mich von seinen Kollegen fotografieren zu lassen. Ich ging einige Meter und stellte mich auf eine Markierung. Grelles Licht kam mir entgegen. Ich schloss für einen Moment die Augen. Nach den Video- und Fotoaufnahme wurde ich an einen Tisch begleitet. Eine Polizistin durchsuchte mich und meine persönlichen Sachen. Es ging alles ganz schnell. Sie hatten sichtlich viel zu tun.

Die Gegenstände, die ich bei mir trug, legte die Polizistin in eine blaue Plastiktüte und schnürte diese zu. Die Polizistin gab mir eine neue Nummer. Diese Nummer klebte nun an meiner Jacke, an meinem Rucksack und auf der blauen Plastiktüte. Diesmal war sie weiß. Nicht rot. Dann musste jeder zu einer Aufnahmestelle. Zu einem der Schreibtische, die in der Halle aufgestellt waren. "Servus," begrüsste mich ein Mann, der die Koodination dafür übernommen hatte.
"Servus" sagte ich zurück.




Benutzerkommentare (3) RSS feed Kommentar
Geschrieben von LinkeSocke, am 27-09-2008 12:49,
1. War dabei
ich war auch in Köln… aber dieses Video zeigt nur eine Aktion was die Polizei in Köln gemacht hatte. Bemerkenswert war, das die bayrische Polizei (BePos aus Bamber und USK) am meisten gestresst haben und das in NRW die Polizei liberaler ist als in Bayern (ist ja auch irgend wo logisch ^^). 
Aber ganz erlich, wundern tut es mich nicht das sowas nicht in den Medien groß steht… ist bereist der normale Wahnsinn!
 

Geschrieben von Decay, am 24-09-2008 15:03,
2. Unglaublich
Wo leben wir denn, dass einem das Recht auf Demonstration und somit ja auch auf freie Meinungsäußerung genommen wird?!
 

Geschrieben von p0ke, am 24-09-2008 10:11,
3. polizeiwillkür
war bei der "demo" ziemlich in letzter reihe, als dann die polizisten von hinten kamen haben die uns weggeschubst....war ca. 5m vom kessel entfernt mit ca. 10 leuten.... mir war die ganze aktion schleierhaft... kann nachdem bericht ja nur von glück reden, dass ich nich weiter vorn stand...  
 
sehr miese aktion... versteh nur, wie immer nicht, dass sowas nicht öffentlich gemacht wird... diese ganze story issn witz ... polizeiwillkür vom edelsten ... 
 
danke für den bericht... 
 
gruß
 

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