von Fred Kowasch
Das Thema - auf den Titeln der Nachrichtenmagazine. Im TV - Garant für hohe Einschaltquoten. Ein Buch - in der sechsten Auflage schon. Wenn selbst die BILD-Zeitung auf einmal Werbung für die Meinungsfreiheit macht, dann muß ja irgend etwas faul sein.
In unregelmäßigen Abstand zieht eine Empörungswelle durch das Land. Es ist ein Chor der ewig Guten. Immer dann, wenn einer das
Thema Integration - mit etwas deftigeren Worten anspricht - sind sie da,
die Latte Macchiato trinkenden neuen 'Gesinnungs-Spießer' dieser
Republik. weiter...
31.07.2010 -
Der Vorwurf steht im Raum und ist gewaltig. Haben Organisatoren, Veranstalter und die Polizei fahrlässig den Tod von Besuchern in Kauf genommen? Sind aus Nachlässigkeit, Profitgier und Unfähigkeit 21 Menschen gestorben?
Allmählich zeichnet sich ein klareres Bild von den Geschehnissen in
Duisburg ab. Auch weil neben Journalisten zahlreiche Blogger auf solchen oder solchen Webseiten
Dokumente sichten, Informationen sammeln und gewichten. Youtube,
twitter, facebook, die Unterlagen
aus dem
NRW-Innenministerium - selten ist eine solche Katastrophe so
vielfältig dokumentiert worden. weiter...
wie die Menschen mit der Loveparade-Katastrophe umgehen
eine Reportage aus Duisburg von Fred Kowasch
"Warum?" - Irgendwer hat diese Frage mit weißer Kreide an die Tunnelwand geschrieben. Ein paar Kerzen davor brennen noch. Weiter hinten sitzt brauner Stoffteddy einsam am Rand.
Warum nur, warum?
Die beiden Polizeibeamten wissen auch keine Antwort. "Wir sind nur hier um Präsenz zu zeigen". Ihr neuer blauer Streifenwagen steht quer zur Fahrbahn. Davor und dahinter sind zwei gelbe Plastiksperren aufgebaut. Von den Warnlichtern blinkt keines. "Sauerland! Nur Verbrecher tauchen unter". Das ist das erste, was man liest. Im Hintergrund donnert ein Vorortzug hinweg. Am Rande stehen hunderte rote Kerzen, mehrere Blumensträuße liegen dazwischen. Darüber klebt ein weißes Schild mit schwarzer Schrift: 'Schande'. weiter...
S-Bahnhof Olympiastadion. Ein Stand mit Flaggen aus aller Welt.
"Jamaika-Fahnen hab ick nicht mehr. Die sind schon am ersten Tag weg!"
Die Asiatin schaut ungläubig. "Ich habe zwar welche nachbestellt, aber Samstag und Sonntag wird in Deutschland nicht gearbeitet. No Flags Today". Es ist Mittwoch Morgen, der 5. Tag der Leichtathletik-WM. Vor den Kartenschaltern tummeln sich jeweils drei, vier Menschen. "Brauchen Sie noch ein Ticket?!"
Berlin, 31.10.2008 - "Verehrte Dame, ich will gerne meine Tasche hier bei ihnen abgeben," sagt Rainer, ein Fotograf einer großen Nachrichtenagentur, zu der Blondine, die vor der Garderobe steht. Rainer legt seine Tasche auf den Tisch und grinst die junge Frau verschmitzt an. "Haben sie ein goldenes oder ein silbernes Band am Eingang erhalten ?" fragt sie ihn. Er schiebt seinen Jackenärmel hoch und schaut auf seinen Arm. "Schwarz ist es, junge Frau", antwortet er ihr. Sie schüttelt den Kopf: "Das tut mir leid, aber Leute, die ein schwarzes Band erhalten haben, können ihre Sachen nicht abgegeben. Nur die Gäste, die ein silbernes oder ein goldenes Band haben, können die Garderobe nutzen. Tut mir leid." Ich schaue Rainer an: "Mist, wir haben wohl die Neger-Bänder." Er lacht laut los. "Die Neger-Bänder. Genau. Das ist Diskriminierung. Komm, wir rücken ab."
Rainer greift meinen Arm, zieht mich weg, schnappt sich noch schnell zwei Gläser Sekt und prostet mir zu: "Auf diesen wunderbaren Abend." In einem Schluck kippt er den Sekt weg. "Sonst halte ich diesen Quatsch hier nicht aus." weiter...
Vor den Türen stauen sich die Fahrgäste. Selbst die 1. Klasse ist pickepackevoll. Vielleicht gibt es doch noch ein Plätzchen, am Freitagnachmittag in der Herbstferienzeit. Uff, ganz am Ende des weissen Zuges, eine Lücke. Die Sitzplätze an Tür, Boden und zwischen den Zugteilen sind belegt. Dann heißt es eben stehen bleiben, an der Decke finden drei Finger Halt. Bei 285 Kilometer in der Stunde.
An der Tür fliegt die Autobahn vorbei. Neben mir hat ein russischer Fahrgast hörbar Schnupfen. Man möchte ihm fast ein Taschentuch reichen. Wenigstens klingelt kein Handy. Kein Schaffner, weit und breit, der nach dem Ticket fragt. Wie sollte er hier auch durchkommen? Unbeantwortet die Frage: warum zur Hauptreisezeit nur ein Zugteil verkehrt?! Kurz vor Schluß dann wird es laut. Der Lautsprecher dröhnt: "Thank you for träwelling with Deutsche Bahn ...."
Berlin, Moabit.
Amtsgericht Tiergarten. 15. Oktober, 13 Uhr.
Der fünfte Prozesstag des 129a Verfahrens gegen Axel H., Oliver R. und Florian L. Der
Vorwurf: Bildung einer terroristischen Vereinigung, der 'militanten gruppe'. Sie sollen versucht haben, Bundeswehrfahrzeuge auf
dem Gelände der MAN-AG in Brandenburg/Havel anzuzünden. Sie wurden am 31. Juli 2007 festgenommen.
Fünf Polizeiwagen stehen geparkt vor dem Amstgericht. "Beim ersten
Prozesstag war noch viel mehr Polizei hier ", erzählt ein junger Mann,
der vor der Tür des Nebeneinganges des Amtsgerichts steht. Er wartet - mit Personalausweis und zwei angespitzten Bleistifen in der Hand - darauf, dass ihm die Tür geöffent wird. weiter...
Klack, Klack, Klack, Klack, Klack. Insgesamt 32 mal. Dann ist Ruhe.
Eine viertel Stunde lang! Wladimir Kramnik
denkt über seinen 17. Zug nach. Dann setzt er den Läufer! Der indische
Schachweltmeister Viswanathan Anand kontert, Kramnik zieht seinen Läufer zurück. Nach 40 Minuten Bedenkzeit!
Es ist unruhig in der Bonner Bundeskunsthalle bei dieser 5. Schachpartie um
die Titelkrone. Am Anfang blitzt und klackt es, als würde Mick Jagger
auf der Bühne stehen. Die Fotografen ziehen sich zurück, nur langsam
wird es ruhiger. Kameraleute schleppen zehn Kilo Teile. An ihnen
hängen ebenso schwere Stative dran. Von rechts nach links, von links
nach rechts, hoch, runter, Lampe an, Lampe aus. Zuschauer stehen auf,
drängeln durch die Reihen. Saaltür zu, Saaltür auf, Sessel runter,
Sessel hoch .... Als wäre Schach kein anstrengender Denk-Sport, bei
dem man auch stundenlang in höchster Konzentration verharren kann und
muß. Das nebenan noch zwei Blondininnen SMSen schreiben, obwohl dies
eigentlich streng verboten ist, wen stört es?!
Nach interpool.tv vorliegenden Informationen kesselte die Polizei am 20.09.2008 an drei Stellen Demonstrationsteilnehmer ein. Der Versuch eines vierten Kessels wurde abgebrochen. Bei diesem Einsatz soll es, das bestätigen Polizei-Insider, zu zahlreichen Pannen gekommen sein. So sei nicht ausreichend für die Verpflegung der Eingekesselten gesorgt worden, auch hätte es Probleme mit der Bereitstellung von Toiletten gegeben. KVB-Busse, die die vorläufig Festgenommenen in die Gefangenensammelunterkünfte (Gesa) bringen sollten, seien ziellos durch die Start geirrt. Eine Richterin, die in der Gesa Brühl auf die Vorführung der rund 400 Festgenommenen wartete, wurde nicht ausreichend informiert und sei gegen 22 Uhr gegangen.
Video: Die Kölner Kessel
Zwölf Stunden ohne Rechte - ein Augenzeugenbericht
"Ich will hier durch", sagte ich zu einem jungen Polizisten. "Hier ist
jetzt kein Durchkommen", erwiderte er schroff. "Warum ?" fragte ich.
"Ist halt so", lautete seine Begründung. weiter...
Am
Anhalter Bahnhof schleppt eine Frau zwei volle Einkaufstüten über die
Straße. Sie muß aufpassen nicht überfahren zu werden. In einem dunklen
Durchgang vor einem Betonbau aus den 70iger Jahren friert eine
Angestellte. „Kommt sie wirklich?!“ Es ist 11:20 Uhr. In zehn Minuten
soll es soweit sein. Vier Fotografen vertreten sich die Beine, drei
Bodyguards fuchteln mit den Handys, zwei Autogrammjäger frieren.