Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Über die politische Radikalisierung der Hooligans (92 min, 2018)

'Inside HogeSa' ist eine Dokumentation, die der Frage nachgeht: welche Folgen hatte die Demonstration der 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) vom 26.Oktober 2014 in Köln? Als 5.000 Menschen auf die Straße gingen. Was wurde aus den Protagonisten? Ausführlich kommen Beteiligte zu Wort. Unter Ihnen Hools und Mitglieder des 'HogeSa'-Teams. Aber auch Fanforscher, Politikwissenschaftler, 'Pegida'-Organisatoren.

'Inside HogeSa' - Von der Strasse ins Parlament from interpool.tv on Vimeo.

Dreieinhalb Jahre lang haben wir an dem Thema gearbeitet. Dutzende Kundgebungen und Demonstrationen besucht. Vor Ort mit den Beteiligten gesprochen. Entstanden ist ein 92 Minuten langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so noch nicht gab. Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 4,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all). Wir haben die Dokumentation mit insgesamt 10.000 Euro selbst finanziert. Auf Crowdfunding, Filmfördergelder oder eine Co-Finanzierung öffentlich-rechtlicher TV-Sender wurde - aus Gründen der redaktionellen Unabhängigkeit - verzichtet.

Hinweis: wer den Film kauft, bekommt zahlreiche ungeschnittene Interviews zu sehen. Und einen 20 Minuten längeren 'Directors Cut' des Filmes, an dem wir gerade noch arbeiten.

'Mission Klassenerhalt' (VI) - Hände an den Pokal!

Es gibt ein Stadion im Leipziger Nordwesten, da scheint die Zeit stehengeblieben, Vergangenheit gegenwärtig zu sein. 1964 wurde hier - im Leutzscher Holz - die BSG Chemie Leipzig völlig unerwartet DDR-Meister. Später spielte der Verein meistens in der zweiten Liga, Staffel C, bis er irgendwann ganz verschwand. Ein paar Unermüdliche fingen - zu Beginn des neuen Jahrtausend - in der 12. Liga wieder neu an. Jahr um Jahr ist 'Chemie' seitdem aufgestiegen, spielt nun in der Regionalliga Nordost. Muss sich dort mit dem 1. FC Lok Leipzig, Energie Cottbus und dem BFC Dynamo messen. Partien mit einiger Brisanz. In 'Mission Klassenerhalt' begleiten wir die Mannschaft durch die Saison.

von Fritz Rainer Polter

34. Ligaspiel + Chemie Leipzig - TSG Neustrelitz 1:1 + 16. Platz mit 35 Punkten
33. Ligaspiel + Hertha BSC II - Chemie Leipzig 5:0 + 16. Platz mit 34 Punkten


Der Messi ist belesen. Oder wie das heißt. Wir alle wissen es nicht erst seit heute: Die Mission Klassenerhalt ist gescheitert. Am 33. Spieltag hat uns die die U23 von Hertha BSC eine bittere Lehrstunde erteilt. Uns mit 5:0 abgeschossen. Eine jede Hoffnung auf den Klassenerhalt vernichtet. Die letzte Möglichkeit gäbe es dennoch: Cottbus steigt auf, und Chemnitz oder Erfurt dürfen nicht in der Regionalliga antreten. Wer daran glauben will, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Sehen wir der Realität ins Auge: Es hat nicht gereicht. War zu wenig. Sollte nicht sein. Ich habe das im Endergebnis der Saison von Anfang an so erwartet, was nicht bedeutet, dass die Hoffnung immer mal wieder aufgeflammt ist.
HL IMG 1719 2. Halbzeit Merkel schiesst den Ausgleich

 Wir Chemie Fans wissen: Der Verein hat sauber gearbeitet. Ein Plus erwirtschaftet. Wird gesund weiter wachsen und gedeihen, sich stetig und weiter verbessern. Das ist uns (fast) allen lieber, als das uns von den abenteuerlichen Kapriolen des FC Sachsen Leipzig noch schmerzlich erinnerliche Hasardspiel unter Inkaufnahme von Schulden. Die Jungs haben alle ihr Bestes gegeben, mehr war eben nicht drin. Keiner ist sauer, kaum einer wirklich traurig. Wir haben uns viele Freunde gemacht, viel mediale Aufmerksamkeit bekommen. Der MDR hat uns reich bedacht mit Übertragungen, die letzte, das Sachsenpokalfinale, steht ja noch aus. Bis Ägypten weiß man nun wieder, was Tradition in Leipzig wirklich bedeutet. Wir sind abgestiegen, aber trotzdem wieder da. In der Oberliga greifen wir erneut an, reicher an Erfahrungen, verstärkt um Spieler, gewachsen in Vereinsstrukturen. Das wird schon

HL IMG 1697 Halbzeitpause Jajima Spieler der Saison bei ChemieJunge, der dritte Absatz, und du bist immer noch nicht beim Anpfiff, höre ich im Geiste meinen Chefredakteur Fred stöhnen. Hast ja recht, aber das ist hier das Saisonfinale. Da kann man schon mal ein paar allgemeine Fazits ziehen. Ein Spiel, bei dem es um nichts mehr geht. Vermeintlich. Man kann sich auch nochmal frei spielen, warm spielen für das Pokalfinale, Selbstvertrauen holen, die Fans belohnen, indem man Neustrelitz mit 5:0 aus dem Stadion ballert. Aber nichts dergleichen. Chemie will zwar, aber spielt ganz schwach. Zeigt kaum Zug zum Tor, ist harmlos, ballert drüber, vergibt alles, was zu vergeben ist. Spielt immer hinten rum auf die Flügel. Verzögert. Spielt die Standards dorthin, wo sie keiner verwerten kann. Eigentlich ist es zum Verzweifeln. Und traurig. Noch einmal bekommen wir in Reinkultur vorgeführt, warum es nicht gereicht hat. Viel zu wohlwollend, die Zusammenfassung im MDR. Es war über weite Strecken grottenschlecht. 
HL IMG 1665 Vor dem Anpfiff Gedenken Jan Meurer

Vor dem Anpfiff (und jetzt bin ich im vierten Abschnitt immerhin nah dran an selbigem) Gedenken wir alle unseres am Tag zuvor verstorbenen Edelfans Jan Meurer. Sein Name galt etwas bei Chemie Leipzig, und selbst noch bei Teilen von Lok Leipzig hatte er sich Respekt verschafft. Mit (beinah) 58 Jahren verstorben – viel zu jung – und nur zwei Jahre älter wurde er, als ich momentan bin. Wir werden ihn nicht vergessen. Wie kaum ein anderer hat er den Verein durch seine streitbare, oft nicht einfache, aber immer faire Persönlichkeit mit geprägt. Pyro für Jan, und raus mit den Schals für Jan. Ich habe meinen Wimpel von 1970 dabei. Drauf steht: Zwanzig Jahre Chemie Leipzig.
HL IMG 1691 1. Halbzeit Rote Karte gegen Neustrelitz edit

Anpfiff, jetzt aber! Mitte der ersten Halbzeit wird es kurios. Der Schiedsrichter, offenbar ein Meister der Selbstdarstellung, unterbricht, belehrt, erklärt jede Kleinigkeit am laufenden Band. Anlässlich so einer eher belanglosen Rechthaberei hatte der Neustrelitzer Mittelfeldspieler Flodyn Baloki bereits Gelb gesehen. Nach einem Foul führte er den Freistoß zu früh aus und sah dafür Gelb/Rot – eine von vielen im Prinzip nicht Liga-Tauglichen Entscheidungen des Unparteiischen. Der Freistoß wird wiederholt, und natürlich, wie es in dieser Saison nicht anders sein kann, reicht dieser eine Standard dem chemischen Gegner zum Führungstor durch Filip Luksic in der 26. Minute. Bislang war Chemie im Prinzip ganz gut in der Partei, spielte oft (zu meiner Verwunderrung) mit Jajima als einer Art Libero und mit sehr offensiven Außenverteidigern. Aber nun wird es wieder wie fast immer in der Saison: Chemie verliert den Glauben, die Beine werden schwer. Neustrelitz, nunmehr in Unterzahl, mauert erfolgreich.

Erstmals kommt ab der Mitte der zweiten Halbzeit bei Teilen der Zuschauer auch so etwas wie Unmut auf. Schnell hat man auch einen Schuldigen ausgemacht: Bury wird angeschrien, soll sich nach Chemnitz machen, duschen gehen. Dabei ist es aus meiner Sicht gerade Bury, der wie ein Irrer wühlt, kämpft, rackert. Klar, vieles gelingt ihm nicht. War es je anders? Wer nichts versucht, kann auch keine Fehler machen. Bälle verspringen ihm, Chancen versemmelt er. Aber er will. Und in der 69. Minute gelingt ihm endlich der entscheidende pass auf Pierre Merkel: Ausgleich! Dem Fußballgott seis gedankt, wenigstens ein viertelwegs anständiger Abschied aus der Regionalliga gelingt uns noch. 

HL IMG 175 2. Halbzeit Angriff Chemie mit Merkel editWas bleibt mir noch zu sagen? Die Macher unseres Fünfeck-Programmhefts haben endlich Fotos aller Spieler eingefügt, geht doch! Bernd Trunzer, einer meiner Spieler-Helden aus den 70er Jahren, ist ebenfalls verstorben, er ruhe in Frieden. Als Kind hatte ich ein wenig Angst vor ihm.  Und noch etwas möchte ich loswerden, auch, wenn einige mich jetzt dafür hassen: Wenn ich meinem besten Freund verspreche, dass ein Torwart, den er mir verkauft, in BEIDEN Spielen gegen ihn nicht spielen wird, dann habe ich das gefälligst auch einzuhalten. Und wenn ich meine eigene Oma ins Tor stelle. Und wenn das gegenüber meinem besten Freund gilt, um wieviel mehr dann wohl gegenüber meinem schlimmsten Feind? Die Saison ist schnell vorbei, aber für den Rest unseres Lebens müssen wir uns aus Heida anhören, was ein Wort aus Leutzsch da nun wert war. Es nicht gehalten zu haben entspricht jedenfalls nicht meiner persönlichen Auffassung vom „Niemand wie wir“; ganz im Gegenteil. Lachhaft dagegen ist nun wieder das Gejammer im Lokforum, wie sehr wir deren „schönes“ Stadion beschädigt hätten. Die haben ja richtig Angst in Heida vor weiteren Derbys! Ich nicht, ich freue mich schon jetzt drauf. Besser Benehmen, wir alle? Klar doch, besser geht immer.

Was bleibt von dieser Saison? Sie war oft deprimierend, hat aber auch über weite Strecken Spaß gemacht! Das waren endlich auch wieder einmal namhafte Gegner wie der BFC Dynamo, Energie Cottbus, und äh, der andere fällt mit jetzt nicht ein. Die Erkenntnis, dass wir mit diesem Kader die Klasse zwar spielerisch gehalten haben, aber nicht gegen alle sonstigen Widrigkeiten des Schicksals. Wir müssen nachlegen, Sponsoren finden, Vereinsstrukturen verbessern. Und auch einmal unsere Wut und unseren Frust (auch gegenüber der Stadt Leipzig) ablegen, was aus unserer Sicht früher gegen uns gelaufen oder eben nicht gelaufen ist. Im Beschwören der Opferrolle kommen wir nicht weiter, können wir keine Zukunft gestalten. Auch über ein Weiterentwickeln von Spielern, die bei RB Leipzig nicht die Rolle annehmen können, die ihnen vielleicht woanders möglich wäre, würde ich verstärkt nachdenken. Chancen ergreifen, ehe andere es tun. Thema Felix Beiersdorf. Gut, es reichte nur zu einem Kurzeinsatz. Er wird uns verlassen. Aber weiter so, in dieser Richtung! Nicht ewig Beharren in einem „Wir haben uns damals geschworen“. Wie können wir bestehende Möglichkeiten zu unserem Gedeihen nutzen, ohne unseren Charakter dabei zu verlieren – das wäre für mich die wichtige Frage. Organisch gesund wachsen, ohne abenteuerliche und fremdbestimmte Risiken einzugehen, die wir noch in schmerzlicher Erinnerung haben. Auch wir brauchen irgendwann eine Vision, einen Weg in die Zukunft. Freilich sind unsere Fans nicht so schnell unzufrieden und nörgelnd, wie anderswo. 
HL IMG 1766 Mannschaft nach Abpfiff

An den sofortigen Wiederaufstieg will ich glauben, aber er ist kein „Muss“. Wir haben viel bewegt, viele Herzen gewonnen, mediale Aufmerksamkeit erfahren, für die ich mich beim MDR herzlich bedanke. Die Stadt Leipzig hat sich (weltweit, möchte ich beinah behaupten) noch anders präsentiert, als über das Dosenfutter vom Cottaweg. Keine Sorge, wir sind da, und wir bleiben dran. Ich bin mir sicher, dass unser Team und unsere Fans viele Freunde gewonnen haben, wie etwa die Vereinsleitung des Berliner AK. All dies sind so die kleinen Dominosteine, wo dann eben (hoffentlich) auch doch mal ein Spieler vor unserer Wand für uns auflaufen will, auch wenn er woanders mehr Kohle bekommen würde. Wir kommen wieder, und dann sind wir stärker, erfahrener, gereifter: In diesem Sinne: Chemie, Chemie – nur noch Chemie – wir sehen uns zum Sachsenpokalfinale, und danke für das Lesen hier! Wir hatten schon mal 3000 Aufrufe pro Tag, wenn das nichts ist!

Copyright all words and pictures by Fritz Rainer Polter

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32. Ligaspiel + FC Oberlausitz Neugersdorf - Chemie Leipzig 0:0 + 16. Platz mit 34 Punkten
31. Ligaspiel + Chemie Leipzig - Berliner AK 2:0 + 15. Platz mit 33 Punkten

HL IMG 1387 Chemie Leipzig vs Berliner AK 2. Halbzeit 2 zu 0 drin editNur vier Minuten nach dem eingangs erzähltem Führungstreffer passt der eingewechselte Florian Schmidt unter hohem Tempo zu Merkel, Merkel retour zu Schmidt, und der macht ihn (in der 80. Minute) rein. 2:0, das Spiel hier ist entschieden! Aber immer noch will Bury mehr, taucht auch noch einmal alleine vor dem gegnerischen Torwart auf. Aber die Kraft reicht nicht mehr. Es ist ein absoluter Wahnsinn, was er, und überhaupt das gesamte Team, nach dem anstrengenden Spiel unter der Woche in Berlin schon wieder zu leisten im Stande sind. Ganz ehrlich, da hatte ich starke Bedenken, zumal gegen diesen spielstarken und kämpferischen Gegner, der uns im Hinspiel absolut chancenlos beließ und eiskalt abfertigte. Doch wir sind heutzutage eine völlig andere Mannschaft.

HL IMG 1393 Chemie Leipzig vs Berliner AK 2. Halbzeit Bury will das 3 zu 0Da kann es keine zwei Meinungen geben: Es war das große, heldenhafte Spiel des Alexander Bury. Endlich bannt er, nach 3 Aluminiumtreffern beim Auswärtsspiel gegen die VSG Altglienicke am Donnerstag und mindestens einer weiteren, vergebenen Großchance, seinen Ligaspiel-Torfluch und schießt die Kugel in der 75. Spielminute in das zappelnde Netz. Vorher hatte diesmal Pierre Merkel nach einer Flanke aus todsicherer Position nur den Pfosten getroffen, wir mit unserer Oberer-Norddamm-Sicht hatten bereits gejubelt. Aber nein, für nichts und wieder nichts, möchte man mit dem alten Heinz-Rudolf Kunze meinen. 1981, als jener noch kein Mainstreamer und Schlagersänger war. Sekunden später steht Bury goldrichtig, Florian Schmidt duckt sich weg, sonst wäre es wieder wie eben besagt gewesen. Aber nein, der Fußballgott hat endlich ein Einsehen. Drin! 1:0, und hochverdient. Nun wird es gelingen!

Auch sonst ist Bury der man oft the match. Er läuft wie ein Irrer, kämpft wie ein Irrer, will wie ein Irrer. „Ackert“ den Gegner mürbe, wie sonst nur Yajima. Keine Frage, der Junge hat Charakter. Sollte sein Wechsel zum Chemnitzer FC über die Bühne gehen, will er uns (und vielleicht doch: sich selbst?) vorher unbedingt noch mit aller Kraft zum Klassenerhalt verhelfen. Und daran lässt er nicht den geringsten Zweifel. Er taucht mal rechts, mal links, mal im Zentrum auf, spielt an gegen die dreimal in den Leutzscher Himmel gefluchte Ungerechtigkeit, mit der ihm der Fußballgott zunächst auch in diesem Spiel immer wieder bedenkt.

IMG 3320Denn Jakub Jabukov, der Torhüter der Moabiter, macht ebenfalls ein großes Spiel, und lässt uns in der gesamten 1. Halbzeit und in der ersten Hälfte der zweiten um ein und das andere Mal verzweifeln. Einfach ganz großer Sport, wie er Situationen antizipiert, seine Arme ausfährt, sich allen Angriffen im jeweils idealem Winkel in den Weg stellt. Und auf Bury passen die Abwehrspieler auf, den nehmen sie immer wieder, - manchmal auch grenzwertig, - in die Zange. Wieder und immer wieder ist es aber Jabukov, der all unsere Bemühungen blockt und alles gnadenlos abwehrt. Genau wie Schiedsrichter Patrick Kluge, möchte man meinen. Eine klare Tätlichkeit des Berliners Enes Kücs gegen das Gesicht von Lars oder Benjamin Schmidt übersieht er großzügig, unsere Spieler sehen gelb, wenn sie ihn darauf ansprechen. Abgekocht gehen die Berliner in die Zweikämpfe. Sie wissen, wann ein Sich-fallen-lassen angebracht ist, damit Herr Kluge pfeift.

In der Pause fange ich unsere malerisch positionierte Fangruppe am Norddamm-Geländer hinter den herrlichen Fahnen mit den jeweiligen Chemie-Löwen (darunter die vom Fanclub Gohlis) fotografisch ein und mir Sorgen, ob unsere „Körner“ nach dem Kräfteverschleiß unter der Woche noch für den Sieg reichen werden. Aber nichts da! Chemie erhöht sogar den Druck, erspielt sich vier Eckbälle in kurzer Folge. Und wieder entschärft Jabukov alles, was in seine Richtung kommt, darunter einen Kopfball von, - na klar, - Alexander Bury in der 58. -, und eine weitere Chance durch Bury in der 74. Minute.  So langsam bekomme ich das Gefühl, dass es auch heute wieder „einfach nicht sein soll“ – nicht für Bury, nicht für uns. Doch es ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter die Pfeife mit der dreifachen Schlussnote zum Abpfiff bläst. Und nun erzwingt Bury es!

HL IMG 1386 Chemie Leipzig vs Berliner AK 2. Halbzeit 2 zu 0 Florian Schmidt editHL IMG 1387 Chemie Leipzig vs Berliner AK 2. Halbzeit 2 zu 0 drin editNur vier Minuten nach dem eingangs erzähltem Führungstreffer passt der eingewechselte Florian Schmidt unter hohem Tempo zu Merkel, Merkel retour zu Schmidt, und der macht ihn (in der 80. Minute) rein. 2:0, das Spiel hier ist entschieden! Aber immer noch will Bury mehr, taucht auch noch einmal alleine vor dem gegnerischen Torwart auf. Aber die Kraft reicht nicht mehr. Es ist ein absoluter Wahnsinn, was er, und überhaupt das gesamte Team, nach dem anstrengenden Spiel unter der Woche in Berlin schon wieder zu leisten im Stande sind. Ganz ehrlich, da hatte ich starke Bedenken, zumal gegen diesen spielstarken und kämpferischen Gegner, der uns im Hinspiel absolut chancenlos beließ und eiskalt abfertigte. Doch wir sind heutzutage eine völlig andere Mannschaft.

IMG 3321Gefühlte 6 Minuten wehrt sich Herr Kluge noch. Gegen das ihm wohl allzu schnell dünkende Verticken der Zeit. Dann ist es soweit, er muss pfeifen. Chemie kann Abstiegskampf, Chemie siegt überzeugend, und Bury bricht seinen Torfluch. Chemie kann mehr als nur 1:0, Chemie bleibt im Rennen. Unwichtig heute, dass auch Bautzen und Neustrelitz gewonnen haben. Altglienicke hat verloren, und sackt in der Tabelle hinter uns. Wir sind nun 15., dass macht sich optisch und psychologisch schon mal hervorragend. Klar, die anderen haben alle noch mehr Spiele zu machen, und damit haben sie auch noch mehr Chancen als wir, den Lauf der Ereignisse zu drehen. Nächste Woche geht es zum Sachsenpokal-Finale-Test und zum Abstiegs-showdown nach Neugersdorf. Können wir dort dem FC Oberlausitz niederringen, nehmen wir denen ein Stück Hoffnung auf deren Chancen im Pokalspiel, und wir würden einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gehen. Freilich wären wir noch abhängig von Cottbus‘ Gnaden; bedingt durch die Aufstiegsrelegation zur 3. Liga. Egal, Freude pur. An den sonstigen Rechnereien mag ich mich nicht beteiligen. Es kommt, wie es kommen soll. Was unsere Mannschaft vermag, haben wir seit Wochen gesehen. Das Abschlussglück ist zurück, und damit die Hoffnung, die Spiele zu zwingen. Auswärts sind wir viel stärker geworden. Wenn es weiter so verdammt im Team vereint und voller Kampfkraft und mit unbezwingbarem Willen und Herzblut für uns läuft, bleiben wir drin und holen den Pokal. Noch Fragen aus dem verbotenem Stadtteil? 
HL IMG 1420 Chemie Leipzig vs Berliner AK nach Abpfiff Mannschaft läuft ausWar sonst noch was? Mal sehen: Der vermeintliche, nichtgegebene Elfmeter, nachdem Bury von zwei Mann geblockt wurde, war wirklich keiner – alles sauber. Das hat auch Herr Kluge richtig erkannt. Um die 2550 Zuschauer fanden in das Stadion, darunter ungefähr 10 Gäste. Eine ordentliche Zahl an Heimfans, aber das geht noch was! Hat der BAK etwa heute abgeschenkt? Nein, ebenso wenig wie die junge BFC-Elf eine Woche zuvor. Kämpferisch warfen sie noch einmal alles rein, aber so richtige Chancen für sie gab es im gesamten Spiel nicht. Fred, der Betreiber der Seite hier, war endlich mal wieder aus dem fernen Solingen angereist, wohin es den alten Chemiker verschlagen hat. Vorher dokumentierte er das Geschehen in Ostritz für seine „Zeigen, was ist“- Doku. Mit Jens Förster, den Betreiber der Inselbücherei in der Ritterstrasse, traf er sogar einen alten Kumpel aus der Friedensgebet-Zeiten in der DDR-Opposition der 80er Jahre wieder. Der andere Jens war wieder mit der Harley aus Torgau gekommen, und fand, trotz Marathon, pünktlich ins Stadion. Ralle brachte seinen Sohn mit, Sven kam nach Kurzurlaub wieder dazu. 

Von Jens Förster soll ich nochmal klarstellen, dass die Fleischerei auf der Jahnallee und der Seeblick auf der Karli schon seit Jahresbeginn geschlossen haben, auch wenn unser Verein eine diesbezügliche Mitteilung ebenso wenig auf die Reihe bekommt, wie die noch fehlenden Spieler für das Programmheft endlich mal abzulichten. Das wird langsam peinlich, dass würde meine Oma mit der Pouva Start als Provisorium schon seit drei Monaten erledigt haben. Und ein Provisorium wäre besser als gar nichts, oder?! Und eventuell ist dieses anhaltende, peinliche Versagen auch das falsche Signal an Spieler, mit denen ich die Verträge ja gerne verlängern würde.

Also, Karten für alle Heimspiele gibt es im Vorverkauf im INO Cafe in der Lützner Straße und in der 'Bücherinsel', Innenstadt, Ritterstraße, nahe der Nikolaikirche. Fred: Komm bald mal wieder, Du hast uns Glück gebracht! Der Viking Clap ist geil, oder? Und danach, zweimal, alle:  "Chemie, Chemie – nur noch Chemie!"

Alle Rechte an Wort und Bild by Fritz Rainer Polter (all rights reserved)

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30. Ligaspiel + VSG Altglienicke - Chemie Leipzig 0:0 + 16. Platz mit 30 Punkten
29. Ligaspiel + Chemie Leipzig - BFC Dynamo 1:0 + 16. Platz mit 29 Punkten

Hohe Brisanz und hohes Polizeiaufgebot im Vorfeld sind gegeben durch die Tatsache, dass die Berliner Fans ihres am 03.11.1990 in der Nähe der Gleise im Umfeld des Alten Bahnhofs Leutzsch durch einen Schuß aus einer Polizeipistole getöteten Kameraden Mike Polley gedenken wollen. Dies beinhaltet eine Kranzniederlegung durch Angehörige, Freunde, Vertreter des Vereins BFC und seiner Fangruppierungen nebst Gästen anderer Vereine. Darunter befindet sich auch Frank Kühne, der aktuelle Präsident der BSG Chemie Leipzig. Im Vorfeld dieser Geschichte kochten ja gerade in einem Forum der Chemie-Fans die Emotionen hoch. Aus meiner Sicht finde ich das einfach großartig, wie sich unser Verein hier verhält: In der Anwesenheit des Chefs beim Gedenken, in der Erweiterung des Kartenkontigents für die Gäste von 500 auf 800 Tickets, und in der Anwesenheit der Ultra-Fangruppierung „Georg-Schwarz-Brigade“ der Fanszene von Chemie Leipzig gemeinsam mit Vertretern anderer Vereine, darunter natürlich die mit den Berlinern teils ja auch befreundeten Abordnungen vom VFL Bochum, 1. FC Magdeburg und 1. FC Lok Leipzig.

RIP Mike Polley

R.I.P. - Mike Polley (23. April 1972 - 3. November 1990)

„Niemand wie wir!“ ist unser erblicher Hauptschlachtruf, mit dem wir unsere Historie beschwören, unsere Gegenwart manifestieren, und unsere Vision für die Zukunft untermalen. Und wieder einmal leben wir dieses: Indem wir den Angehörigen, Freunden und Kameraden von Mike Polley zugestehen, was auch wir erwarten würden, wäre einer von uns in Berlin zu Tode gekommen: Empathie und Trauer UM EINEN MENSCHEN, DER SEIN JUNGES LEBEN VERLIEREN MUSSTE. Genau hier, wo er sterben musste, sollen sie dies auch leben dürfen. Betroffenheit, dass dies gerade bei uns in Leutzsch geschah. Nunmehr auch Teil unserer Geschichte ist. Uns angeht. Mitgefühl für die ihn damals vielleicht nicht nur im übertragenem Sinnen nahe Stehenden, denen die Kugeln um die Ohren gepfiffen sind. Verbundenheit mit dem Leid von Mitmenschen, die einen Verlust erlitten. Nicht im Nirgendwo, sondern hier, bei uns, in Leipzig-Leutzsch. Es kann wohl auch kein Zufall sein, dass diese Geschichte gerade dem aus der Sicht vieler von der Sportführung der DDR am meisten bevorzugten (BFC) und dem am meisten benachteiligten Verein (BSG) geschehen ist.

HL IMG 1100 Chemie vs BFC Dynamo Fanmarsch und Polizei2Diese Trauerarbeit ist das Minimum an dessen, was man anderen, die einen solchen Verlust erlitten haben, zugestehen sollte. Polley und seine Kameraden mögen damals gekommen sein, um „Leutzsch abzufackeln“, wie es hieß. Sie mochten die Absicht gehabt haben, uns ins Krankenhaus oder ins Grab zu bringen, wie einige von ihnen selbst zugeben. Sie waren brutal und ohne jedes Gefühl für Einhalt. Sie wollten verletzen, treffen, zuschlagen, prügeln, kaputtmachen. Aber hat einer von Ihnen dafür den Tod verdient? Ganz sicher nicht. Und was für ein Wahnsinn diese Zeit damals war, kann man zum Beispiel und allein an der Tatsache bemessen, dass (vielleicht) dieselben Polizisten, die damals, im Oktober 1989 am Schwanenteich und an der Hauptfeuerwache in Stellung lagen und (wahrscheinlich) ohne zu Zögern auf uns geschossen hätten (wäre der Befehl gekommen), vielleicht genau jene waren, die unser Leben ein Jahr später vor den Absperrungen stürmen wollenden BFC-Hools beschützt haben!Dieser allzu frühe Tod nebst der Tatsache, dass sein Zustandekommen niemals richtig aufgeklärt wurde, verdient jedoch auch mein Mitgefühl. Daraus leitet sich nichts Weiteres ab. Etwas Positives vielleicht: Man gibt den Freunden und Angehörigen des Toten die Möglichkeit, diese Geschichte ein wenig mehr zu verarbeiten. In einem friedlichen Rahmen. Die Gewalt spricht nicht das Schlusswort in dieser Geschichte, sondern die gemeinsame Trauer. Das ist nichts Geringes in einer täglich immer verrückter werdenden Welt. Auch wir können damit zu einem gewissen, vorläufigen Abschluss gelangen. Verbunden mit der Forderung, diesen Tod niemals unaufgeklärt zu akzeptieren. 

Nur dies soeben beschriebene bedeutet diese Teilnahme von Vertretern der BSG Chemie Leipzig an diesem Gedenken. Nichts sonst. Es bedeutet weiterhin nicht, dass man etwa einen Schulterschlussmit dem BFC Dynamo begeht oder sich verbrüdert mit jenen, die kamen, um uns zu hassen, und ihren Hass zu leben. Es bedeutet schon gar nicht, dass man auf die Aufarbeitung der DDR-Fußballgeschichte verzichtet. Es ist auch kein Politikum oder aktueller Fanfreundschaftsantrag. Das ich den BFC Dynamo nicht mag (um es milde auszudrücken), habe ich ausführlich im Bericht über das Hinspiel geschrieben. Es bedeutet, dass man in so einer Sache alles heute und hier Irrelevante auszublenden vermag. 

HL IMG 1104 Chemie vs BFC Dynamo Fanmarsch und Polizei BFC FansGedenken an Mike Polley. Hier wurde er am 3. November 1990 von einem Polizisten erschossen. 800 BFC-Fans sind gekommen ....

Ich bin früh am Terrain, taste mich von der von der S-Bahn-Brücke an das Bahnhofsgelände heran, spreche offen mit den Polizisten und bitte darum, dass man mich auch ohne Presseausweis soweit als irgend möglich an die Kranzniederlegung der Gäste heranlässt. Schließlich brauche ich Fotos für die Kolumne hier. Später gelange ich mühsam, tastend in den verbotenen Bereich hinter den Gästeblock, knipse ein paar Bilder von den Befis. Bis mich ein Polizist angeht, ich solle das lassen, weil die Befis genervt reagieren könnten. Tun sie aber gar nicht. Ich soll hier verschwinden. Ich tu so, als ob, und knipse weiter. Einmal renitent, immer renitent!

HL IMG 1117 Chemie vs BFC Dynamo Fanmarsch und Polizei BFC Fans und Jungchemiker editFantrennung
HL IMG 1124 Chemie vs BFC Dynamo Gästeblock Spruchbande entrollt

Im Stadion gehe ich so nah als möglich an den Gästeblock. Fange das Aufrollen des großen „In Gedenken an Mike Polley“ Spruchbandes fotografisch ein. Erlebe, wie ein todesmutiger, allerdings bulliger BFC Fan, der neben mir stand, von unseren Ordnern hinausgewiesen wird. Er hatte ein BFC-Shirt an, das war mir gar nicht aufgefallen, denn es war keines der üblichen weinroten. Ich hoffe, dass man ihn nicht rausschmeißt, sondern in den Gästeblock bringt. Auf dem Norddamm treffe ich Jens aus Torgau mit seiner Schalmei, der zusammen mit einem Bekannten (einem Österreicher, der in Torgau wohnt, und den Kontakt zwischen Brandon Stelmak und der BSG Chemie vermittelt hat) angereist ist – jeder auf seiner eigenen Harley. Dann erscheint noch „Ralle“, ein Ur-Chemiker, der zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder ins Stadion findet. Meine anderen Kumpels fehlen heute alle aus verschiedensten Gründen. Die Atmosphäre ist und bleibt friedlich, was mich sehr freut. Heute überwiegt nicht der Hass, sondern das Mike-Polley-Gedenken. Der Stadionsprecher informiert uns über die Teilnahme unseres Chefs und der Georg-Schwarz-Brigade an der Aktion, was auch von den Befis mit Applaus bedacht wird. Und mit einem Applaus gedenken auch viele von uns gemeinsam mit den BFC-Fans an Mike Polley. Überwiegend beschränken sich beide Lager auf das Anfeuern der eigenen Vereine, statt sich über den Hass auf andere zu definieren. 4216 Zuschauer sind es geworden, wird später im Stadion verkündet. Mehr als ordentlich, und 1000 mehr, als ich bei Anpfiffschätzte.

HL IMG 1136 Chemie vs BFC Dynamo Gästeblock vor dem Anpfiff Mike PolleyHL IMG 1139 Chemie vs BFC Dynamo Gästeblock PyroDann geht’s endlich los, was für mich wieder bedeutet, fotografische Schwerstarbeit zu leisten. Situation zu antizipieren, Winkel und Zoom stets up to date zu halten. Ich lege die kleine Kamera auf das Geländer des Norddamms, um Wackler beim Knipsen zu vermeiden. Der BFC, der vor sich als nächstes das schwere Pokal gegen Tennis Borussia hat, und dessen Stürmer-Star Rufat Dadashov verletzt fehlt, tritt tatsächlich in einer Art B-Elf an. Uns kann es recht sein. Wenn Andreas Petersen, der Trainer von Germania Halberstadt, in der Pause während der Live-Übertragung durch das MDR-Fernsehen da von „Wettbewerbsverzerrungen“ spricht, gebe ich zu bedenken, dass die Art, wie etwa die Spieler des 1. FC Lok Leipzig ihr letztes Spiel gegen den VFC Auerbach, einen unserer Kontrahenten in der Abstiegsvermeidung, angegangen sind, dann nichts Geringeres bedeutet. Desgleichen das, sagen wir mal, zurückhaltende Agieren der anderen Berliner Vereine, wenn sie gegen Altglienicke spielen, die ebenfalls im Abstiegskampf stecken. Die Ergebnisse all jener, von denen wir noch mindestens einen hinter uns lassen müssen, wenn wir in der Regionalliga verbleiben wollen, sprachen am Tag zuvor jedenfalls eindeutig und gnadenlos gegen uns. 
HL IMG 1146 Chemie vs BFC Dynamo vor Anpfiff shake hands edit 'Gutes Spiel'

Chemie beginnt gut, Chemie beginnt druckvoll, Chemie kommt zu Torchancen und lässt selbst nichts zu. Und das gegen den BFC, zweiter Anzug, oder nicht. In der 14. Minute fällt endlich, nach vielen guten Offensiv-Vorstößen unserer Mannschaft, das Tor für uns. Erzielt wird es nach einem Pass von Manuel Wajer durch Pierre Merkel. Hätte Merkel verpasst, wäre der (uns wohl in Richtung Chemnitz verlassende) Alexander Bury danach ebenfalls einschussbereit gewesen. 
HL IMG 1163 Chemie vs BFC Dynamo 1. Halbzeit torführender Angriff Chemie editPierre Merkel holt aus .....
HL IMG 1164 Chemie vs BFC Dynamo 1. Halbzeit Tor Chemie edit  2.... und trifft!
HL IMG 1165 Chemie vs BFC Dynamo 1. Halbzeit Torjubel Chemie editJubel vor der BFC-Bank

Bury, soviel muss ich sagen, macht ein großes Spiel. Was nicht selbstverständlich ist, nachdem offenbar wurde, dass er wechselwillig ist. In der 52. Minute gelangt Bury mit dem Ball frei vor den Berliner Torhüter Sommer, der ihn mit den Armen regelrecht umreist. Dem sehr guten Schieri Marcel Unger aus Halle bleibt nichts anderes übrig, als auf den Punkt zu zeigen. Yajima tritt an. Doch so sehr er mein Lieblingsspieler ist: Ich ahne, dass das schiefgeht, und sage dies auch zu Jens. „Ich bin nicht Torjäger!“ sagte Yajima unlängst, als er zwei Treffer in einem Spiel erzielte. Heute lässt er diesbezüglich sogar eine dieses Statement untermauernde Tat folgen. Wohl auch, um die Scouts zu verwirren, die sich für seine Person interessieren, denn das er gern bei uns bleiben würde, hat er ja gesagt. Nur müsste es, ganz klar, auch Grundlagen dafür geben. Der Klassenerhalt wäre da bestimmt schon mal ein Pluspunkt. Der Ball fliegt jedenfalls hoch über das Tor hinweg. Foul, gelbe Karte und Torschuss habe ich eingefangen, wenigstens etwas Zählbares wird bleiben. Rintaro macht sonst aber ein großes Spiel, wie ein Derwisch wirbelt er im Mittelfeld, zermürbt den Gegner, spielt ihn manchmal sogar schwindlig. Für mich ist heute aber Pierre Merkel eindeutig the man of the match. Weil er die Bude gemacht hat. Punkt.

HL IMG 1182 Chemie vs BFC Dynamo 2. Halbzeit Grosschance Chemie Bury danach ElfmeterDas wird doch nicht Elfmeter geben?
HL IMG 1185 Chemie vs BFC Dynamo 2. Halbzeit Yajima vergibt Elfmeter editDritter Versuch in dieser Saison. Dritter Schütze. Zum dritten Mal - VERGEBEN
IMG 1205 Chemie vs BFC Dynamo 2. Halbzeit Spielszene mit Bury'Zeit schinden' an der Seitenlinie

Dass der BFC hier nicht gekommen ist, um das Spiel vor 800 mitgeristen Fans abzuschenken, macht der Trainer zum Anpfiff der zweiten Halbzeit klar: Mit David Haider Kamm Al-Azzawe und Otis Breustedt komen für die Jungspunde Solomon Ndubuisi Okoronkwo und Ugurtan Cepni gleich zu Beginn zwei neue, durchaus namhafte Stammkräfte auf das Feld, die den Unterschied ausmachen können. Trotzdem bleibt Chemie über weite Strecken spielbestimmend und lässt im Grunde nichts anbrennen. Im Versemmeln der eigenen Chancen bleiben wir uns jedoch treu. Unser eingewechselter Stürmer Brandon Stelmak hat (zur Freude seines Össi-Torgauer Beraters Helmut) in der 83. Minute dann auch noch seine Riesenchance, macht sie aber nicht rein. In der 89. Minute setzt unser alle Herzschlag dann nochmal aus: Ecke für den BFC. Wir sind immer gut für ein spätes Gegentor, sage ich zu Jens neben mir. Fotografisch schlafe ich jedoch, da unterscheide ich mich nicht groß von unserer Mannschaft, die ebenfalls träumt. Ich fange den Moment nicht ein, wie unsere Abwehrspieler nicht den Ball. Rums, Kopfball, rechte Ecke. Die Befis jubeln, und brechen dann ab. Der Schiedsrichter hat ein Einsehen. Das bessere, meine ich: Einer unserer Spieler ist gefallen, es wird auf Stürmerfoul entschieden. Meine Nerven! Dann ist es geschafft. Den Viking-Clap mache ich noch mit, teils als klatschender Fan, teils an knipsender Reporter. Dann geht es mit dem Rad in die Spinnerei, zum Rundgang.

IMG 1217 Chemie vs BFC Dynamo 2. Halbzeit Torraumszene mit Bury nach Ecke ChemieAbseits? Oder nicht?!
IMG 1219 Chemie vs BFC Dynamo 2. Halbzeit Torraumszene mit Bury nach Ecke ChemieAuch diesmal klappt es nicht. In der Liga scheint das Tor für Alexander Bury wie zugenagelt.
HL IMG 1231 Chemie vs BFC Dynamo nach Abpfiff Chemie feiertDrei Punkte sind drei Punkte ....

Sicher war das heute nun auch wieder keine glorisose offensive Glanzleistung von uns. Sicher haben wir wiederum beinah alle möglichen Chancen und Großchancen vergeben. Wieder haben wir es nicht verstanden, rechtzeitig das Spiel für uns zu entscheidenden. Darum mussten wir wieder endlos bangen bis zum Schlusspfiff, und beinah wären zwei Punkte verloren gewesen. Trotzdem tritt die Mannschaft immer mehr als Einheit auf, es wird immer besser. Unsere Rückrunde wäre normaler Weise eine einzige Quelle der Freude, wenn der durch die Hinrunde bedingte Tabellenplatz als Abstiegskandidat nicht wäre. Und ohne die Gegebenheiten bei Erfurt und Chemnitz, für die wir rein gar nichts können, müssten wir uns kaum noch Sorgen machen. Es ist, wie es ist. Am kommenden Donnerstag, also, wie man so schön sagt: unter der Woche, geht es für uns nach Berlin, zum Spiel gegen VSG Altglienicke. Auch da müssen wir gegen diesen direkten Abstiegskontrahenten unbedingt gewinnen. So, wie Pierre Merkel immer besser in Form kommt, bin ich guter Dinge dafür, auch wenn ich nicht vor Ort sein werde. Ich weiß nicht, warum mir da nun wieder die Kanzlerin einfällt. Ach ja: Wir schaffen das!

Dann wird es wieder durch Berlin hallen und schallen: Chemie, Chemie, nur noch Chemie!

All words and pictures by Fritz Rainer Polter


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