Alte Liebe rostet nicht - Radeln auf Mallorca

von Ralf Meutgens

Radkeller

Vor 30 Jahren haben wir uns kennengelernt. Damals war ich allerdings schon 20 und musste wissen, worauf ich mich einlasse. Von Beginn an bin ich auf sie geflogen. Und immer war es eine Punktlandung. Bereut habe ich es nie, auch wenn es heute nicht mehr so heiß her geht wie früher. Aber schön ist es immer noch, vielleicht sogar schöner. Auf jeden Fall anders. Das Alter hat auch seine Vorzüge. Die Rede ist von Mallorca und dem Radsport. Was dachten Sie denn?

Auch mit der Verständigung gab es nie Probleme. Wird die reichste Provinz Spaniens doch ständig als zusätzliches deutsches Bundesland deklariert. Albert putztReich an Natur und Abwechslung ist diese Insel wirklich - wenn man will. Und so gut Rad fahren lässt sich, zumindest wenn Winter herrscht, hierzulande nicht. Der organisierte Radsport auf Mallorca ist nun auch schon 25 Jahre alt. Der Schweizer Max Hürzeler gilt als sein Geburtshelfer, das Hotel Delta als die erste Keimzelle. Hier, rund zehn Kilometer hinter El Arenal, an der Küstenstraße Richtung Süden, hat alles begonnen.

Zwei der Wegbegleiter der ersten Stunde sind noch heute dort. Dagmar Victory, Mitglied der Hoteldirektion im Delta, hat lange in der Fahrradhauptstadt Münster gelebt und ist auch zum Studium mit dem Rad gefahren. Albert Zweifel aus der Schweiz war allein fünf Mal Weltmeister im Radcross. Er ist Chef über zahllose Rennsport- und Tourenräder, die im Hotel Delta gemietet werden können. Ein Anruf genügt, von den meisten kennt er die Rahmenmaße und das Rad steht fix und fertig zur Abholung bereit. Auch schon mal am späten Abend, wenn der Radurlauber nicht im Hotel wohnt, sondern nur das Rad dort mietet. Service wird groß geschrieben, Freundlichkeit ist kein Fremdwort.  

Foto: Ralf Meutgens
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Das Hotel Delta war oft mein Ziel in den Osterferien, wenn es mit den Jugend- und Juniorengruppen nach Mallorca ins Trainingslager ging. Zu der Zeit hatte jeder sein eigenes Rad dabei. Es galt, vorher so viele Kilometer wie möglich zu Hause herunterzukurbeln, um dann in den 14 Tagen dasselbe auf der Baleareninsel zu tun. Bis zu 2.000 Kilometer sind es dann in 14 Tagen auf Mallorca geworden.

Goldwurst-Power

Foto: Ralf Meutgens
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Wie gesagt, heute geht es deutlich beschaulicher zu. Keiner wird jünger. Der Aufenthalt ist kürzer, die Strecken sind es ebenso, Helmpflicht ist in Spanien angesagt und anstelle des eigenen Rades stellt Albert Zweifel eins seiner Flotte zur Verfügung. Schlechter ist das alles sicher nicht. Und die Strecken sind eindeutig besser geworden. Das Radwegenetz der Ruta Cicloturística de Llucmajor ist beständig ausgebaut worden.

Vom Hotel Delta sind es nur wenige Kilometer und man hat seine Ruhe. Früher dienten diese Wege, camins genannt,  nur den Besitzern der zahlreichen Fincas, um zu ihrem Anwesen zu gelangen. Mit dem Rad konnte man dort nicht fahren. Heute sind sie hervorragend asphaltiert, ausgeschildert und wenig frequentiert. Selbst Runden von mehr als 100 Kilometern sind so möglich. Teilweise sind Übergangsstellen auf der normalen Straße speziell mit einem Stück Radweg ausgestattet, um von einem der camins auf den nächsten zu gelangen. Aber die Autofahrer sind heute wieder rücksichtsvoller als sie es vor zehn Jahren waren. Vermutlich deshalb, weil der Radsport als Breitensport mittlerweile auch die Mallorquiner begeistert. Und etliche sieht man an Wochenenden auf Rädern aus dem Kontingent von Hürzeler, die sie ihm abgekauft haben. 

Sa Torre

Foto: Fred Kowasch
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Der Kurzurlaub im Frühling Mallorcas kann immer noch die Grundlage für eine erfolgreiche Saison bilden. Und besonders in diesem Jahr, noch dazu, wenn man sein Dasein im Norden der Republik fristet. Da werden einige Tage Rad fahren unter spanischer Sonne zum wahren Stimmungsaufheller. Wenn man dann noch alte Gefährten um sich hat und auch in Hotel und Fahrradvermietung auf altbekannte Gesichter trifft, hat das schon etwas Familiäres. Man schwelgt in Erinnerungen, stellt aber fest, dass die Zeit es auch schlechter mit einem hätte meinen können. Und freut sich schon auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. 30 Jahre hin oder her.

Ralf Meutgens

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