Klare Kante: Um 'Kopf und Kragen' - Warum die AfD aufs Podium gehört

von Fred Kowasch

06.06.2016
Soll man die Alternative für Deutschland (AfD) ernst nehmen? Gar mit ihr reden? In einer funktionierenden Demokratie dürften sich diese Fragen gar nicht stellen. Natürlich muß man eine Partei ernst nehmen, die in einem Bundesland über 20 Prozent der abgegebenen Stimmen zur Landtagswahl bekommt. Deren Wähleranteil deutschlandweit satt zweistellig ist. Natürlich muß man mit ihnen reden, streiten, diskutieren. Ob nun auf Podien oder im Straßenwahlkampf. Die tradierten Muster des Umganges - wie es zum Beispiel jahrelang an der NPD vollzogen wurde - helfen hier nicht weiter.

Die AfD ist längst keine Splitterpartei am extremen Rand, sie ist eine Partei inmitten der Gesellschaft. Die AfD ist Teil einer neuen Protestbewegung, die sich immer deutlicher offenbart. Deren parlamentarischer Arm sich - in Teilen - aber gerade selbst 'zerlegt'. Nun bin ich kein Freund öffentlich-rechtlicher Plauderrunden, der Auftritt vom AfD-Vize Alexander Gauland in 'Anne Will' am Sonntag zeigte zumindest eines: dieser Politiker ist genauso unglaubwürdig - ja gar verlogen - wie viele seiner Kollegen aus anderen Parteien. Ob man einen Fußballweltmeister Boateng nun kennt oder nicht - geschenkt. Dennoch sollte man schon noch wissen, was man drei Tage vorher auf einer Kundgebung gesagt hat. Denn Sprache ist verräterisch. Auch diese.



Sieht man sich den Mitschnitt dieser AfD-Veranstaltung in Elsterwerda vom vergangenen Donnerstag an, so fällt auf: Losungen der extremen Rechten sind dort mittlerweile zum Allgemeingut geworden. Dies gilt nicht nur für den Spruch: "Heute sind wir tolerant, Morgen fremd im eigenen Land", sondern auch für den Slogan "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen". Zunächst nur auf Veranstaltungen der 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) zu hören gewesen, wurde er auch schon bald auf Demonstrationen von Pegida in Dresden gerufen. Mittlerweile zelebrieren ihn - siehe Elsterwerda - auch Funktionäre der AfD.

Die Radikalisierung der Gesellschaft: sie schreitet voran, ist in den Parlamenten angekommen. Da hilft es nicht, wenn man dies ignoriert, den Kopf - wie beim Katholischen Kirchentag in Leipzig - feige in den Sand steckt. Sondern, sich ihnen stellt. Sie reden sich schon von allein, um Kopf und Kragen.

Tags: AfD, Alternative für Deutschland, Alexander Gauland, Björn Höcke, Elsterwerda

Drucken