Ecuador, Peru, Bolivien: Vom Äquator zum Titicacasee

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von Fred Kowasch und 'Jay' Steinert

tue - 14.12. - quito, ecuador Beginn der Reise

Haueserzeilen, dicht an dicht! Setzt der Flieger denn mitten in der Stadt auf? Setzt er! Die Hauptstadt Ecuadors liegt auf 2900 Meter, inmitten der Berge. Die Luft ist duenn, das merken wir bei unseren ersten Schritten zum Gepaeckband. Leicht schwindelig gehen wir zum Passschalter. Dort empfangen uns freundliche (und verdammt gut aussehende) Damen - "allemande?" . Ein Taxi ist leicht zu bekommen, zum ersten mal bei einer Reise habe ich mir eine Gepaeckkarre besorgt. Macht das Leben leichter. Ab in die Innenstadt. Wir haben zwar keinen Reisefuehrer, aber immerhin einige Seiten aus einem GEO-Sonderheft von 1998. Dort werden zwei Hotels empfohlen - eines nehmen wir. Zehn Dollar die Nacht und natuerlich hupt und laermt es staendig. Ueber den Rest des Tages herrscht Schweigen, habe ihn mit Magenproblemen im Bett verbracht.

thu - 16.12. - quito, ecuador

Latitud 0 0 0". "Links-rechts, links-rechts, nord-sued, nord-sued"! Es macht Spass, ueber den orangenen Streifen am Aequator zu springen! Oder einfach hinlegen, eine rechte Rolle um die Koerperlaengsachse und schon ist man im Norden unserer Weltkugel. Hatte ich mir gar nicht so spassig vorgestellt. Ein paar Touristen schauen etwas unglaeubig, laecheln - viel ist nicht los in "Mitad del Mundo", zwei Stunden noerdlich von Quito. Immerhin haben wir uns damit 50 Dollar gespaart. 30 wollte der Taxifahrer fuer den Hinweg, 50 ein anderer zurueck - verstehe einer die Logik. Mit drei Dollar kommt man mit dem Bus vielleicht nicht ganz so bequem hin- und zurueck. Dafuer lernt man immer jemanden kennen und ein paar neue spanische Worte hinzu.

s_FCdamerika2Ist vielleicht etwas verwegen, so ganz ohne Sprachkenntnisse zu reisen, vor drei Jahren hat es durch Mittelamerika auch halbwegs gut geklappt. Dennoch ist es in diesmal nicht ganz so einfach. Heute sollte ich auf einmal zwei Essen bezahlen, obwohl mein Hunger nun nicht ganz so gross war. Mal sehen, was noch so kommt.

Ob Indios demonstrieren, ein Prozession farbenpraechtig durch die Strassen zieht oder ein Chor Gesangesuebungen in der Naehe des Internetcafes macht - in Quito ist immer etwas zu erleben. Seit unserer Ankunft regnet es hier immer wieder. Habe mir heute eine Regenjacke fuer die Reise in den Sueden gekauft. Morgen wollen wir mit der Eisenbahn nach Riobamba. Es soll sich um eine der schoensten Bahnstrecken der Welt handeln. Durch die Berge, ueber Paesse, entlang der legendaeren Panamericana. Und hoffentlich ist auf dem Dach noch ein Plaetzchen frei.

fri - 17.12. - riobamba, ecuador

(250 km von quito)
"Riobamba, Riobamba!!" Die Frau am Schalter schreit so, dass es einem fast das Trommelfell wegfegt. Doch an Krach sind wir mittlerweile gewoehnt. Als ihr Compagnion noch am anderen Fenster hinzukommt, wird es unertraeglich. Zum Glueck sieht er meine kleine Digitalkamera und verschwindet! Hehe ....

So wie geplant verlaufen Reisen nie! Mit dem Zug ist es bisher nix geworden. Er fuhr heute einfach nicht und wir wollten endlich los. Viereinhalb Stunden Expressbus sind auch was feines, vor allem wenn man zwei Paesse in rund 3600 Meter Hoehe passiert. Ist aber kein grosses Problem mehr, der Koerper ist nach drei Tage Quito an die Hoehe gewoehnt. Schoen sind die schnellen Abfahrten, wenn sich der Bus rasant in die Kurve legt. Fast wie beim Fahrrad fahren!

as_FCdamerika12Es regnet, was sollte es denn sonst auch. Wolkenverhangen sind die Berge links und rechts - entlang der Strasse der Vulkane. Schade! Oefter muss der Bus durch Wasserloecher, einmal ueberspuelt ein Bach die Panamerika. Ueberall Baustellen - hier scheint der Himmel wohl oefters zu weinen! In Riobamba angekommen, schleppen wir unsere 15 und 18 Kilo schweren Rucksaecke zum "Hotel Canada". Haette uns auch gewundert, wenn hier jemand Englisch spricht! Mit zehn Dollar sind wir dabei. Direkt am Kreisverkehr, in der Naehe des Busbahnhofes - aber immerhin ist keine staendig fiepende Ampel in Sicht.

Ab ins Taxi und zur Train-Station. Dort treffen wir Ray aus California - unseren Gott mit Reisefuehrer. Nun erfahren wir auch, dass der naechste Zug erst Sonntag Frueh geht und wir uns morgen einen Markt ansehen koennen. Dann gibt er uns noch ein paar Tipps, wie wir am Besten zur Grenze Ecuador/ Peru kommen. Und bezahlt auch noch die Copy mit der entsprechenden Passage aus seinem Reisefuehrer. Unterwegs trifft man eben doch klasse Typen! "Nice to meet you!, see us in the roof on Sunday morning!"

sun - 19.12. - cuenca, ecuador

(500 km von quito)
So richtig kommen wir nicht voran. Das liegt zum einen daran, dass die Busse fast an jeder Kreuzung halten, es aber auch staendig hoch und runter geht. Und dann mussten wir heute unbedingt mit der Eisenbahn fahren - als Aussicht winkte ein heisser Ritt auf dem Dach mit Blick auf die Berge - dachten wir. Als wir gegen halb sieben am Bahnhof in Riobamba ankamen, stand da nicht etwa ein alter Zug mit dampfenden Schlot, sondern ein zum Schienenfahrzeug ausgebauter Bus.

s_FCdamerika3Und das Dach war auch schon besetzt! Mit lauter Hollaendern, die sich die naechsten drei Stunden nicht von der Stelle ruehrten. Auf der Strasse nebenher fuhr der Bus ihrer Reisegesellschaft, an jedem Uebergang wartete das "ADAC-Service-Mobil", damit schoen gewunken werden konnte. Nervend! Wenn irgendwer mal durch Ecuador reist - klemmt euch den Touristen-Schienen-Bus. Es spart Nerven und ihr kommt schneller voran!

Vor dem Ende des 11 Dollar-Trips sind wir dann ausgestiegen. Der Schaffner murmelte noch irgendwas von "Teufelsnase, Teufelsnase". Soll er sich die alleine ansehen! Haben uns lieber in eine Bar gesetzt und ein Bier getrunken - das musste sein.

Eine Abbitte muss ich noch leisten. Es gab im "Hotel Canada" in Riobamba doch einen, der Englisch sprach. Manuel hat 16 Jahre in Toronto gelebt und das Hotel vor zwei Jahren von seiner Schwester uebernommen. Samstag spielt er immer Fussball. Und ich mit. Ist ganz schoen anstrengend dem Ball in ueber 2700 Meter hinterher zu jagen! Immerhin haben wir 2:1 gefuehrt - bis der Wolkenbruch kam.

tue - 21.12. - piura, peru

(1050 km von quito)
Die Bremsen quietschen, die Belaege stinken nach Asbest. Schussfahrt Richtung Pazifik. Fast wie auf der Achterbahn. Am Fenster rauschen die Berge vorbei, geht der Blick in abgrundtiefe Taeler. Einige Zeit geht es so. Dann taucht irgendwo ein Schlagbaum auf, kuendet von dem bevorstehenden Grenzuebergang. Ein Grenzfluss, in dem ausgelassen ein paar Jugendliche baden. Ausreisestempel Ecuador - Einreisestempel Peru. Dann gibt der Busfahrer so richtig Gas. Endlich kann er ein paar Kilometer schruppen.

Im Bus ist es mittlerweile leer geworden. Nur rund ein Dutzend Passagiere sitzen lose verteilt auf den Baenken. Julio, ein spanischer Theaterregisseur, der mit uns schon seit zwei Tagen unterwegs ist, auch aus Quito aufgebrochen ist und per Bus nach Cusco will. Dann noch ein Typ (wahrscheinlich Amerikaner, denn er spricht mit niemanden ein Wort), der neben seinem Rucksack ein Rennrad im Gepaeckfach verstaut hat. Eine Familie mit drei Kleinkindern, ein turtelndes Paerchen und ein paar zwielichtige Gestalten - eine Zweckgemeinschaft fuer neun Stunden.

Es ist heiss geworden. Wir legen unsere Pullover in die Gepaeckablage, reissen die Fenster auf. Der Fahrtwind bringt Erfrischung. Endlich Waerme, kein Regen mehr! Die Landschaft hat sich veraendert. Die Baeume tragen keine Nadeln mehr, die Fluesse sind ausgetrocknet. Berge sehen wir nur noch als dunkle Schatten am Horizont. Und: Plastiktueten in Baeumen, Plastikflaschen am Wegesrand - Peru begruesst uns als Muellhalde. Hoffentlich wird es noch anders. Dann stossen wir wieder auf die Panamericana. Sie hatten wir zwei Tage vorher verlassen. Noch 2530 Kilometer bis zum Titicacasee.

wed - 22.12. - huanchaco

(1500 km von quito)
Sechs Tage sind wir jetzt jetzt unterwegs, heute den ganzen Tag auf der Panamericana. Mittlerweile sind wir nach dem Start in der Naehe des Aequators am 8.Breitengrad angekommen. Was bedeutet, dass es Abends nun knapp eine Stunde heller ist. Hier in Huanchaco, einem Kuestenort im Norden Perus, gibt es eine raue Brandung, leckeren Fisch und ein Fussballfeld das direkt am Pazifik liegt.

s_FCdamerika4Haben heute Abend auch schon einmal mit der Dorfjugend gekickt. Die Jungs aus Peru sind sehr ballverliebt.
Fussball - der Nationalsport in Suedamerika. An jeder noch so halbwegs geraden Flaeche steht ein Fussballfeld. Dies ist in Peru nicht anders als in Ecuador. Im Bus haben wir (mit Ohrenstoepseln) in Ecuador die LIVE-Uebertragung eines Fussballspieles verfolgt. Goooooooooooooooooooooooolllllllllllll!

fri - 24.12. - huanchaco

Auf vielfachen Wunsch der Leser werde ich bald von den Frauen berichten. Aber bisher war in dieser Richtung noch nicht viel los. Was ich bisher sagen kann, dass sie sehr huebsch sind (vor allem in Quito) und wir gestern Abend in der Bar "Mamma Mia" eine blonde Brasilianerin kennen gelernt haben. Jetzt geht es erst einmal zu einer Lehmziegelpyramide und gegen Mitternacht an die Kirche des Ortes. Wir hoffen auf ein Feuerwerk um Mitternacht (6 a.m. Mitteleuropaeische Winterzeit).

sat - 25.12. - trujllo

Mit dem Feuerwerk an der Kirche war es gestern nix, nur ein "Vaterunser" auf Spanisch konnten wir erlauschen. Dafuer war der Ausflug zu den Lehmziegelpyramiden der bisherige kultureller Hoehepunkt der Reise. Vorher sind wir in Trujillo noch kurz aus dem Bus gesprungen, um uns auf einer Strassenkreuzung ein peruanisches Schlachtfest anzusehen.
s_FCdamerika11Dort wurden Hunderte lebende Truthaene fuer das Fest angeboten, geschlachtet, gerupft und mitten auf der Strasse mal eben ein Schwein auseinander genommen. Kaum waren drei Fotos gemacht, flog auch schon eine fautgrosse Leber in unsere Richtung. Wir haben uns lieber aus dem Staub gemacht.

Huacade de la luna und huaca del sol - die Mond- und die Sonnenpyramide. Erbaut aus insgesamt rund 160 Millionen Lehmziegeln im 5. Jahrhundert unserer Zeit. Das angenehme ist - in den Bauwerken, die sich rund 500 Meter voneinander entfernt befinden - ist man fast allein. Touristen verirren sich am Weihnachtstag hier eher selten hin. Einen englischsprachigen guide kann man nehmen - muss es aber nicht. Haetten wir gewusst, welche exellente weibliche Begleitung wir ausgeschlagen haben, die 15 Minuten Wartezeit waeren drin gewesen! So spazieren wir durch die Mondpyramide, staunen wie gut erhalten die Wandverzierungen sind.

Dann ein kurzer Weg durch die Sandwueste zum Nebenbauwerk. Die huaca del sol war dreimal so hoch, sagt unser Reisefuehrer aus Papier. Was Regen und Wind uebriggelassen haben, ist auch so imposant genug. Besonders lustige Zeitgenossen haben in die unteren Lehmziegel ihre Vornamen eingeritzt. Stupid!

Schnell ist noch ein kleines Souvenir gekauft, der Kleinbus wartet schon. Die Musik ist laut und wie immer gut (Salsa), unterwegs steigen Oma, Tochter und fuenf Kinder zu (in Peru ist jeder Zweite unter 20 Jahre alt). An einer Busstation kaufen wir noch schnell fuer zehn Dollar ein Ticket nach Lima. Der naechste Lift geht erst in zwei Tagen. Feliz Navidad - an Weihnachten geht auch in Peru nichts mehr.

s_FCdamerika5mon - 27.12. - lima, peru

(2060 km von quito)
Nach einer Nacht im Bus sind wir gegen sechs Uhr Morgens in der peruanischen Hauptstadt angekommen. Acht Stunden in einem Bus ohne Klo und ohne funktionierende Ventilation. Nach drei Stunden hat Jay, mit dem ich zusammen unterwegs bin, Beklemmungen - das Gefuehl keine frische Luft zu bekommen. km 149 vor Lima - dann die einzige Rast. Fuenf Minuten Zeit aufs Klo zu gehen, ein paar Getraenke zu kaufen. Jetzt reicht es. Ich habe nun einen Flug in die historische Inkastadt Cusco gebucht. Will ja immerhin noch nach La Paz kommen. Jay reist Morgen mit dem Bus nach Nazca - will aber so bald als moeglich mit dem Flugzeug nach Cusco nachkommen.

Lima (ein acht Millionen Molloch) rechtfertigt keinen laengeren Aufenthalt. Zumal man hier besonders auf seinen Rucksack aufpassen muss. Jay hat heute gerade noch so einen 'Kollegen', der ihm zehn Minuten in der Altstadt hinterherschlich, abgeschuettelt. Ich wurde im Stadtteil Miraflores Zeuge einer 'schoenen' Schlaegerei mit einem Schraubenschluessel, die von der Polizei schnell beendet wurde. Immerhin kann man hier zu einem relativ guenstigen Kurs Euros in die einheimischen Sols tauschen. Morgen mehr aus Cusco und dann wird auch das Raetsel um die blonde Brasilianerin aus dem Badeort Huanchaco aufgeloest.

s_FCdamerika6wed - 29.12. - cusco, peru

Ich habe selten einen schoeneren Platz gesehen, als den inmitten der einstigen Inkametropole. Zwei Kathedralen - Jahrhunderte alt - ringsrum Hostals, Cafes und Restaurants mit alten Balkonen, am Horizont ragen die Berge in die Wolken. Es sitzt sich gut mit diesem Ausblick in 3400 Meter Hoehe. Obwohl es eigentlich gar nicht zu empfehlen ist, von Lima (Meeresspiegel) per Flugzeug in die Berge zu starten. Zum Glueck hatte ich eine Woche ecuadorianisches Hochland hinter mir, Koka-Tee im Flugzeug getrunken und es recht langsam angehen lassen. In der Nacht merkst du aber die duenne Luft - fehlt doch etwas der Sauerstoff. Bis jetzt sind wir eigentlich ganz gut voran gekommen. Ich will noch in diesem Jahr zur Inka-Stadt Maccu Picchu starten und Jay (Jens Steinert) kraucht gerade im Sueden Perus - bei den Nazca-Linien herum:

HIER SEIN BERICHT: tue - 28.12. - nazca, peru

nachdem ich ausgeschlafen habe, begab ich mich auf die suche nach einer geeigneten droschke. diese war schnell gefunden, ormaco - royal-express. nach 8h fahrt (sehr bequem, aircondition 20 grad, 2 x essen), vorbei an den sandduenen (1000m hoch - viele sandsurfer)war toll. das einzige was nervte war ein hollaenderpaerchen, die die gesamte reise hinter mir herumquackerte (wie kalt es jetzt in holland waere usw.) und nur die letzte stunde endlich mal ihr bloedes maul hielten - ansonsten topp!

hier angekommen gleich ein superhotel aufgetan, allerdings 20 us$ per night. egal, der laden ist top. das fruehstueck musste ich allerdings dem klerk aus dem kreuz leiern (ich faltete meine beiden haende zu pistolen - und spannte die abzugshaehne - er hat gelacht und gefragt: continental or americana?)

bin gleich ins naechste internetcafe, habe ein bier und aschebescher bestellt - die alte war ganz aus dem haeusschen - hatte noch keiner verlangt. dem besitzer habe ich gesagt " ich bin deutscher - ich trinke viel bier, grundnahrungsmittel etc. und da gehoert sich dass und so weiter - der hat sich kaputt gelacht und seine kaltmamsell in die spur geschickt, wunderbar.

das mit den fluegen ueber die linien scheint relativ problemlos zu sein - werde aber erst meine weiterreise nach cusco veranlassen, da es widerspruechle aussagen gibt, bedarf dies der vorrangigen klaerung. im bus habe ich einen schweizer getroffen, der hat mir von galapagos die ohren vollgefloetet - in den hoechsten toenen, ich muss das in erwaegung ziehen.

wed - 29.12. - nazca, peru die linien von nazca

also, an sprichwoertern scheint manchmal was dran zu sein, z.b. an dem: der fruehe vogel faengt den wurm. auf die situation hier unten gemuenzt, wer zuerst am r i c h t i g e n busschalter steht, der kommt auch hier wieder weg. ich habe mir erlaubt, bin ja im urlaub, erst 11:00 aufzustehen und zum busschalter zu laufen - der hatte die perfekte verbindung mit "flores" (nazca - cusco in 10h / imperial-line!!)war natuerlich ausverkauft.

"omaco" - braucht, mit zwischenstop in pisco, so ca. 20h (immerhin noch royal class). na bravo, gibts denn sowas? jetzt fahre ich mit "civa", 14h (holzklasse - mit selbst-anschieben am berg). ich gratuliere mir selbst und fahre mit dem taxi zum flughafen. hier gibt es 3 buschflieger-airlines. ausgestattet mit cessnas (4-5 sitzer). die im "stefan lose" (reisefuehrer) angepriesene airline stellt sich als unflexibel und viel zu teuer heraus.

ich benoetige naemlich fuer erstklassige fotografische aufnahmen (auch fuer interpool.tv) ein freies sichtfeld - der capitaen soll also zwischendurch mal das fenster fuer mich aufmachen, damit ich mein macroobjektiv raushalten kann. der mann von der aleman-prensa (deutsche presse - also ich) verhandelt also eine halbe stunde mit dem air-cheffe von "aeroica" und er sagt ja,kloar, machmer. Ich fliege 40 min zum halben preis der anderen airline, na geht doch, wer sagts denn!

gesagt, getan, eine vollkommen veraengstigte junge frau kommt neben mir zu sitzen (sie traut der kleinen maschine wirklich nichts zu), ihr macker pflanzt sich neben den piloten. anschnallen, kopfhoerer auf und ab geht die post. fernando, der capitaen gibt sich grosse muehe, er spricht erst in espanol - dann in englisch. mitlerweile nicht mehr noetig, versteh schon einiges mehr als vor 2 wochen.

wowwwwwwww - wir heben ab, diese kleine seifenkiste gibt echt zunder. ruckzuck sind wir auf 1.000 m. das areal ist mehrere qm-km gross, ueber 20 figuren (u.a. condor, astronaut, papagei uvm.-teilweise mehrere 100m gross) haben die indios vor tausenden von jahren in den sandboden geritzt - i r r e!! auf den ersten blick erkennt man sie schlecht, nach der zweiten figur die fernado uns zeigt (also das heist er steuert im sturzflug darauf zu) haben wir den blick dafuer geschaerft. er fliegt die figuren von zwei seiten an, damit sich nicht alle die haelse verenken muessen.

unterwegs werden wir von luftloechern geschuettelt dass es nur so eine art hat. die kleine neben mir quickt ab und zu, haelt sich jedoch tapfer, aber ihr schoener brauner teint weicht dem aschpfahlen, hoffentlich kleckst sie sich nicht in die hosen - ist eh schon sauwarm in der bude....puhh. egal, ich muss film wechseln!

warum die indios diese linien und figuren in den sand geritzt haben weiss keiner so genau, ausser einem natuerlich: erich von daenecken. er behauptet es sind landplaetze fuer ausserirdische - tatsaechlich sind da auch mehrere landeplaetze (den unserer heutigen landebahnen in groesse und form nicht ganz unaehnlich gestaltet). solange da aber keine von den kollegen from outerspace landen - glaub ich es halt nicht.

viel interessanter ist die frage wie sie die dinger angelegt haben. die vogelperspektive stand denen zur bauueberwachung nicht zur verfuegung, naja, wer hat wie die pyramiden in luxor gebaut usw. usw.! muessen wir a l l e s wissen - reicht es nicht sich daran zu erfreuen?

die airline ist echt gut, soger auf den kotztueten ist die landkarte mit den figuren abgedruckt - ein service ist dass hier! nun denn, dieses unvergessliche erlebnis neigt sich zu schnell dem ende entgegen. bei der landung schlagen wir neben dem rollfeld auf - die windverhaeltnisse haben uns etwas abseits der rollbahn gedrueckt - aber das haelt eine cessna aus - ausser airbus kenne ich kein zuverlaessigeres flugzeug. die kleine neben mir ist am ende ihrer nerven - ich steige schnell aus, falls jetzt doch was daneben gegangen sein sollte ....

es waere demjenigen zu empfehlen, der seine schritte nach peru lenken sollte und sich fuer zeitgeschichte interressiert, die linien von nazca unbedingt aufzusuchen, es lohnt sich wirklich.

das naechste mal melde ich mich von der ersteigung des machupichu, bleiben sie mir und interpool.tv gewogen und wenn sie wollen demnaechst wieder hier - wenn es etwas zu berichten gibt. ich gebe ab an den kollegen fred kowasch - und zurueck ins funkhaus.
ihr jens steinert

sat - 01.01. - cusco, peru

So ein Silvester habe ich noch nie erlebt! Schon zwei Stunden vor Mitternacht flogen auf dem zentralen Platz in Cusco die Raketen in den Nachthimmel, wurden "Bombas" gezuendet. Sie verdienen ihren Namen wirklich. Dagegen sind Blendschockgranaten Sternchenfeuer. Von Einhalt, Gedenken an Tsunamiofer war in Cusco, Suedamerika nichts zu spueren.

Punkt 12 Uhr brach dann die Hoelle los. Die Menschen tobten, fielen sich in die Arme. "Nuevo ano", "happy new year". Dann zogen Tausende jolend um die Plaza. Ein Demozug an Silvester. Ich feierte mit einem Typen aus Sydney, der seinen Spass an den "las bombas" hatte, und Ian aus Huston, Texas. Wir hatten uns kurz vorher im "Irish Pub" kennen gelernt.

Zwei Damen aus Kalifornien hatten wir im Gewuehl auf dem Platz verloren. Spaeter gings es mit drei Peruanern weiter. Sie waren fuer das "Ereignis von Cusco" extra aus Lima mit dem Flugzeug angereist. So ein Trubel gaebe es dort nicht, erzaehlten sie, und die "Bombas" waeren in der Hauptstadt auch verboten.

VIDEO: New Year's Eve in Cusco (Peru)

Angefangen hatte der Tag in einem Eisenbahnwagen von Perurail, Wagon F, Platz 14. Gut vier Stunden braucht der Zug um 112 Kilometer weit und nach Aguas Calientes zu kommen. Der Ort sieht auf Fotos zwar sehr malerisch aus, ist aber letztendlich nur eine Busstation (sieht man mal vom Touristenmarkt und ein paar zerstreuten Hostels ab) auf dem Weg nach Maccu Picchu.

20 Minuten die Serpentinen bergauf, dann liegt ploetzlich die sagenumwobene Inkastadt vor einem. Und ein Eintrittsgatter an dem man 20 Dollar berappen muss. Maccu Picchu ist beeindruckend - zweifellos - aber wegen der Menschenmassen die sich durch die Ruinenstadt schieben, auch etwas nervend. Am Besten, man sucht sich einen Platz abseits - vom Eingang links oben - oder geht gleich direkt in den Berg. Huayna Piccu heisst der Vulkankegel, der ueber allem tront. Bis zur Spitze sind es 300 Hoehenmeter, diesen Weg gehen nicht viele.

Sinnvollerweise sollte man sich vorher zwei Wasserflaschen besorgen. Denn unterwegs wird es recht heiss. Verrueckte machen es auch ohne Getraenke oder schleppen schon mal am letzten Tag des Jahres eine Champagnerflasche auf den Gipfel. Wie Zeljan (gebuertiger Serbe, lebt jetzt in Phoenix, USA), den ich oben traf. "Nas trowje!" - schnell kamen wir ins Gepraech und ich von dem leckeren Tropfen etwas ab. Es gibt Geschichten, die braucht man gar nicht zu erfinden. Den Videobeweis gibt es bald - in dem Road-Movie "Vom Aquator zum Titicacasee".

Wer eindrucksvolle Inka-Ruinen etwas abseits der Touristenstroeme sucht und geniessen moechte, der sollte nach Pisac fahren. Rund 45 Busminuten von Cusco entfernt. Und ein kleiner Spaziergang hat noch keinem geschadet. Gleich hinter der Kirche geht es in den Berg. Ab hier sind es 300 Hoehenmeter oder 75 Minuten bergauf. Die Aussicht auf das Tal entschaedigt fuer die Strapazen. Hin und wieder trifft man mal einen, aber eben nur hin und wieder. Oben an den drei Wehrtuermen angekommen, unbedingt nach rechts gehen! Was sich von weitem als schiefe Huette mit Strohdach erscheint, wird schnell zur wirklichen Ueberraschung. Jahrhunderte alte Huetten, mit grosser Baukunst in den Berg gebaut. Hier in Pisac kann man die versunkene Epeche der Inka noch in aller Ruhe geniessen.

s_FCdamerika10sun - 02.01. - puno, peru

Das Ziel ist erreicht - nach drei Wochen. Friedlich schimmert der Titicacasee in der Nachmittagssonne als der Bus die letzte Anhoehe nimmt. Nach 2700 Kilometern mit Bus und Eisenbahn und rund 800 mit dem Flugzeug. Heute fuhren wir, nachdem wir einen Pass in 4383 Meter Hoehe ueberquert hatten, stundenlang durch die peruanisch Hochebene. Wie es weitergeht, weiss ich noch nicht. Mit Sicherheit noch bis La Paz. Habe aber erst einmal die Forellen aus dem Titicacasee probiert. Koestlich!

wed - 05.01. - copacabana, bolivia

Hier trifft sich Himmel und Erde. Ein Ort an dem man getrost ein paar Tage bleiben kann. La Paz laeuft nicht weg und so schnell moechte ich den Titicacasee doch nicht verlassen.

Allein die Fahrt suedwaerts von Puno war einmalig!! In der Ferne ragen schneebedeckte Sechstausender aus den Wolken, unter strahlend blauem Himmel glitzert der See. Dann, kurz vor der bolivianischen Grenze, ein kurzes Wow im Bus .... Von einer Anhoehe aus sehen wir nur noch Wasser - bis zum Horizont!

s_FCdamerika7Die Grenze ist schnell ueberschritten. - du trittst durch einen steinernen Torbogen (der sah so aus wie beim Film "Spiel mir das Lied vom Tod") und schon bist du in Bolivien. Die restlichen acht Kilometer nach Copacobana sind mit dem Bus in zehn Minuten gemacht. Ich schnappe mir meine Sachen und gehe zum See. An der Bootsanlegestelle treffe ich Guenthi aus Oesterreich. Mit ihm war ich schon von Cusco aus unterwegs und in Puno bei den Schilfinseln. Wohninseln, Haeuser, Boote - komplett aus Schilf gebaut und geflochten. Wer kann sich nicht an Thor Heyerdahls legendaere Expeditionen mit der Rah erinnern?!

s_FCdamerika8Guenthi ist 42, gerade vogelfrei und schon seit Anfang Dezember unterwegs. Eine schwere Krankheit (Grippe oder so was aehnliches) hat er sich in Peruanischen Amazonasgebiet bei einem Bootstrip geholt. Ein Oesterreicher und ein Deutscher koennen sich doch verstehen. Er ist schon am Vortag nach Copacobana gefahren - da die Busfahrer aber gestern in Bolivien streikten, musste er und die anderen Businsassen die acht Kilometer mit 20 Kilogramm Gepaeck latschen. Ein 90 Minuten Spaziergang in 3800 Meter Hoehe!

  Nun sitzen wir am Anlegesteeg in der prallen Mittagsssonne und trinken (ohne Fruehstueck gehabt zu haben) bolivianisches Bier. Mit dabei ein Brite, der heute noch zur Isla del Sol will und eine Brasilianerin, die es mit Guenthi zusammen nach La Paz zieht. Schade, c`est la vie!

sat - 08.01. - isla del sol, bolivia

Techno-Party am Lagerfeuer. In 4000 Meter Hoehe. Die Klamaotten stinken, der Kopf ist schwer. Das Boot zurueck faehrt very slow - recht so! Ein paar Tage ohne Internet - auch das ist nicht mal schlecht. Wenn man quasi auf der Wiege der Inkas wohnt. Der Blick aus dem Hotelfenster geht ueber den See. Der Sonnenuntergang ist atemberaubend. Im Hintergrund schwingen leise die Beats - time to go!

VIDEO: boat trip on titicaca lake

Tags: Copacabana, Lapa, Ecuador, Peru, Bolivien, Titicacasee, Nazca, Cusco, New Years Eve, Maccu Picchu, Puno, Isla del Sol, Isla del Luna

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