Heldenstadt Anders Leipzig - Independent-Festival (12./13./14.09.2019)

Immer wenn sich ein 'runder' Jahrestag nähert, kommen sie fast unabänderlich. Die immergleichen Gedenkveranstaltungen mit ihren immergleichen drögen Reden. Von der 'friedlichen' Revolution, die in Wahrheit so friedlich gar nicht war.

Es geht auch anders. Ein bischen Musik machen. Wütend und ätzend - wie die Leipziger Undergroundszene in den 80er Jahren gewesen ist. Punk, NDW, Experimental, Noise - in kaum einer DDR-Stadt gab es so viele verschiedene Bands, gab es so eine lebhafte Musik-Szene.  Und nun - mehr als 30 Jahre später - hat ein 'Liebhaber' der unangepassten Klänge Bedeutendes vollbracht. Er hat mehr als ein Dutzend dieser Bands - die seit Jahrzehnten aufgelöst sind - zum Leben erweckt. 

Zunächst auf einer Plattenbox. Drei Vinyl-Scheiben in den Farben grün, lila und weiss. Dazu ein Booklet, dass sich mit seinen 148 Seiten sehen lassen kann. Zur Record-Release-Party im Leipziger UT-Connewitz steigen dann einige von ihnen wieder auf die Bühne. Bands wie 'Zorn', '0815', 'Gelee Royal', 'NeuRot' oder 'Die Zucht'

interpool.tv wird das Festival filmen. Und: am Samstag den 14.09.2019 selbst dort spielen. Mit 'Schmerzgrenze'. Einer Anarcho-Punk-Band, die es 1987 einen Sommer lang gab. Von deren fünf Auftritten, drei vorzeitig abgebrochen wurden. Wer Lust auf das einmalige Festival hat, kann sich unter folgenden Links die Tickets besorgen. Beeilt euch aber. Denn - zum Beispiel für den Freitag - gibt es nicht mehr viele ....

https://www.tixforgigs.com

https://www.culton.de/heldenstadt-anders-festival-leipzig.html

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Vor 30 Jahren: Was ist los in Leipzig?

was ist los in leipzig1 Teaser
septemberdemo 1989 leipzigProteste für Versammlungs- und Meinungsfreiheit am 4. September 1989 vor der Nikolaikirche in Leipzig
Foto: Helmut Neumann / Fred Kowasch - All Rights Reserved

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"Ich bin sicher, dass in Zukunft nicht nur ein paar Hundert, sondern ein paar Tausend Menschen an Demonstrationen teilnehmen werden."


Eine gewagte Prognose aus dem Sommer 1989. Abgegeben am Ende des fünfseitigen Textes. In Kenntnis der Situation in der DDR, in Kenntnis geplanter Aktionen Leipziger Oppositionsgruppen. Dass dies schon Ende September in Leipzig Wirklichkeit werden sollte, hatte auch ich nicht ernsthaft erwartet.


Den oben abgebildeten Text habe ich auf Anregung des Journalisten Roland Jahn (ARD-Kontraste, ZDF-'Kennzeichen D') im Juli 1989 geschrieben. Er war zur Veröffentlichung in der tageszeitung (taz) und der Frankfurter Rundschau gedacht.

Abgedruckt hat ihn dann keine der beiden Zeitungen. Das Interesse an Themen aus Leipzig war - damals - zu gering. (Fred Kowasch)

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#insidehogesa2: 'Steeler Jungs' - Spontanbeifall aus dem Eiscafé (01.08.2019)

von Fred Kowasch, Essen-Steele

Knapp 400. Alt-Hools aus Essen, Duisburg. M'Gladbach, Dortmund. Und andere 'Kaliber' .... Interessant: der Aufzug wurde im Eiscafé von zahlreichen Besuchern dort beklatscht. Hatte ich so auch noch nicht gesehen. Und gehört ....

Wie mobilisierungsfährig die HogeSa-Szene nach wie vor ist, zeigt sich an diesem Donnerstagabend mitten Im Ruhrpott. Kaum offizielle Werbung für diesen 'Spaziergang' durch die Innenstadt von Essen-Steele. Seit zwei Jahren gibt es sie, die 'Steeler Jungs'. An diesem 1. August 2019 waren es so viel wie noch nie. Dazu beigetragen hatte vor allem der Tod des kleinen Jungen im Bahnhof von Frankfurt/Main, drei Tage zuvor.


Anmerkung: Wir haben uns entschlossen, die Dreharbeiten fortzusetzen.
Ob jedoch ein abendfüllender Dokumentarfilm entstehen wird, wissen wir zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht.

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Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament (92 min, 2018)

Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans,'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann.

Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 4,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all). Wer den Film kauft, bekommt zahlreiche Interviews in voller Länge zu sehen. Und Zugang zu einem 106 Minuten langen 'Directors Cut', mit bisher unveröffentlichten Szenen.

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Berlin-Tipps

berlin bei nacht
16.08. 21:00 An der Autobahn: Buck Biloxi, Pscience, Love Lanes, Trampoline Team (Punk)
16.08. 21.00 Fischladen: Testbunker, Scooter Kids Must Die, Døzix (Punk, HC)
16.08. 21.00 Villa Kuriosum: The Waiit, Maske, Ursula (Post Punk, Synthwave) 8e
16.08. 22.00 Quasimodo: Allan Harris (The Music of Nat King Cole) 27e
16.08. 22.00 Wild At Heart: Sweet Jonny, Nobelschrott (Garage-Rock, Punk) 13e
16.08. 23.59 Kater Blau: Leon Licht, Stereo Express, Pauli Pocket, Foolik, Johannes Ton, Jan Mir (Techno, House)
16.08. 23.59 Watergate: Extrawelt, Marco Resmann, Upercent, Karotte, Tobi Neumann, Sasse (Techno, House)

17.08. 14:00 Mensch Meier: Spleen, Moron, Infant Sanchos (Punk, New Wave)
17.08. 20:00 Acud: Sunset Seeds, Camino Tronco (Surf, Soundscapes) 10e
17.08. 20:00 KVU: Borders Down, Sonic Booze Machine, Krise, Holzerhurd (Sluge, HC, Black Metal)
17.08. 20:00 K19Cafe: Banitsa, Jinpinch (Balkan Ska )
17.08. 22.00 Quasimodo: Soul Attraction Orchestra (Soul, Jazz) 25e
17.08. 22.00 Tief: Iah, Cosmic Fall (Post Metal, Space Doom)
17.08. 22.00 Wild At Heart: Argies, The Sins Of My Youth (Street Combat Rock) 13e
17.08. 23.59 Berghain: Wata Igarashi, Antigone, Blawan, DJ Hyperactive, FJAAK, Umfang, Valentino Mora, Xhin, Âme, ASOK, DJ Maxxi, DJ Soch, Or:la, Oracy, The Black Madonna (Techno)
17.08. 23.59 Kater Blau: BeeGee, Djuma Soundsystem, Lilly & Kazan, Tony Dia, Danni B., M.A.N.D.Y, Kotelett&Zadak, Pigmalião, Milo Häflinger (Techno, House)
17.08. 23.59 Watergate: Anja Schneider, Cassy, Kristin Velvet, Instant, Stassy & Wilck (Techno)
17.08. 23.59 Wilde Renate: Man Power, Wolfram, Que, Clara Cuvé, Ida, E-Talking, Peak & Swift, Salto (Techno, House)

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TV-Tipp: Staatsgewalt - Wenn Polizisten zu Tätern werden (ARD-Exclusiv, RBB)

Wer annimmt, dass er in einem Rechtsstaat lebt, sollte sich den folgenden Film aus der ARD-Reihe 'Exclusiv' ansehen. Danach ist er - zumindest - etwas nachdenklicher. Wie schwer, beinahe unmöglich es ist, im Fall von Polizeigewalt Recht und Gerechtigkeit zu finden. Vergessen wir mal all die Übergriffe am Rande der G-20-Proteste vor gut zwei Jahren in Hamburg. Wo Polizeikommandos brutal in eine Demonstration reingingen, die bis dato absolut friedlich war. Bis heute gibt es hier keine einzige Anklage gegen einen Polizeibeamten. Ein wichtiges Thema, ein wichtiger Film!

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Sturm in den Tagebau: Proteste im Rheinischen Braunkohlebecken

Ende Juni. 40.000 bei 'Fridays for Future' in Aachen sowie die Blockade der Nord-Süd-Bahn beim Kraftwerk in Neurath. Einen Tag später: mehrere Hundert Demonstraten durchbrechen Polizeiketten und stürmen in Richtung Tagebau. interpool.tv hat eine dieser Gruppe - den sogenannten roten Finger - begleitet. Nachdem stundenlang nix geschah, gemächlich auf einer Straße getrottet wurde, ging es plötzlich ab ....  

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'SPIEGEL'-Abschlussbericht: Seltene Einblicke in die reale Medienwelt

wir suchen spiegel abschlussbericht25.05.2019
Wen es interessiert, wie es wirklich abgeht in einem der großen Medienhäuser der Republik, dem sei der Abschlußbericht zur 'Relotius-Affäre' beim SPIEGEL (pdf) empfohlen. Eine durchaus schonungslose Abrechnung mit einer Kaste, die sich für etwas Besonderes hält. Ein seltener Einblick in die redaktionellen Abläufe des Journalismus, so wie sie auch in anderen Medien Alltag sind.

Wie der Fall Relotius nun im Einzelnen ablief, mag jeder selbst gern lesen. Auch welche Bedeutung, Journalistenpreise intern haben.

Intressant ist vor allem Folgendes: wie ein Medium - ein 'publizistisches Schlachtschiff' - mit Whistleblowern in den eigenen Reihen umgeht. Dies ist - dass zeigt der Bericht deutlich - nichts anderes als eine Bankrotterklärung. Gerade die, die das Wirken von Whistleblower nach außen hin medial hochhalten, gehen intern mit Ihnen schändlichst um. Auch dies ist kein Einzelfall. 

Ebenso wie der Umstand, dass der Kern einer Geschichte nicht selten schon vor der Recherche fest steht. Redakteure geben Themen in Auftrag - frei nach dem Motto: bebildere mir eine Geschichte, so wie ich sie gern hätte. Und: wie ich selbst die Welt sehe. Wie detailliert die Vorgaben da sein können, zeigt ein Ausriss aus dem SPIEGEL-Abschlussbericht. Hier geht es um eine Story über die Zustände an der Grenze zwischen den USA und Mexiko.

Quelle: https://www.spiegel.de/media/media-44510.pdf

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Strg + C: Öfters mal kopiert? - Franziska Giffey (SPD)

vroniplag wiki 0305201903.05.2019 (update)
Sollen Politiker Vorbild sein? Sollten Sie! Nicht selten verkünden sie öffentlich moralische Kategorien, fordern entsprechendes Handeln ein.

In Zweifel steht aktuell die Glaubwürdigkeit der amtierenden Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Ihr werden - vom bekannten Blog 'VroniPlag' - Plagiate bei der Erstellung ihrer Doktorarbeit vorgeworfen. Auf 76 von 205 Seiten. An 238 Stellen insgesamt. Ihre Doktorarbeit hatte Giffey in der Zeit zwischen 2005 und 2009 am 'Otto-Suhr-Institut' (Politikwissenschaft) der Freien Universität Berlin gefertigt.

Quelle:
https://vroniplag.wikia.org/de/wiki/Dcl

Sie wäre damit nicht die erste bekannte Bundespolitikerin, die ihren Doktortitel aufgrund wissenschaftlichen Betruges verliert. Die Liste bekannter Politiker ist lang.

Folgenden Politikern wurde
der Doktortitel bisher aberkannt:

  • Carl Theodor zu Guttenberg (CSU) 
  • Silvana Koch-Mehrin (FDP) 
  • Uwe Brinkmann (SPD)
  • Matthias Christoph Pröfrock (CDU)  
  • Georgios Chatzimarkakis (FDP) 
  • Bijan Djir-Sarai (FDP)
  • Margarita Mathiopoulos (FDP)  
  • Florian Graf (CDU)
  • Jakob Kreidl (CSU)
  • Annette Schavan (CDU)
  • Frank Steffel (CDU)

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Dokumentarfilm: Walls - a photographer between the lines (88 min, OmU, 2013)

Israel und die besetzten Gebiete, Belfast, Baghdad, Ceuta, Zypern, die Grenze zwischen den USA und Mexico. Kai Wiedenhöfer hat eine Mission. Er will die Mauern der Welt fotografieren, zeigen was ein Betonwall aus Menschen macht. Mit seiner Panoramakamera geht er dorthin, wo Gummigeschosse, Tränengas und Strassenschlachten zum Alltag gehören. Er trifft auf Flüchtlinge, Drogendealer und engagierte Menschenrechtler. Immer wieder aber auch auf bewaffnete Soldaten und aggressive Grenzpolizei. Gegen viele Widerstände versucht er sich seinen Traum zu erfüllen. 


Kai Wiedenhöfer möchte seine Panoramafotos auf die weltbekannte 'East Side Gallery' in Berlin zu bringen. Jahrelang kämpft er dafür. Im Sommer 2013 kommt es in seiner Wahlheimat zum Showdown. Die Dokumentation „Walls – a Photographer between the Lines“ hat Kai Wiedenhöfer - der einst Zeuge des Berliner Mauerfalls wurde - über neun Jahre lang begleitet.

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Medien: Wie sich das ARD-Politikmagazin 'MONITOR' die Wirklichkeit zurechtbiegt

von Fred Kowasch

'Sudel-Ede' lässt grüßen. Wer sehen will, wie das Politikmagazin 'Monitor' die Wirklichkeit einseitig und verzerrend darstellt, dem sei der folgende Film aus dem Abendprogramm der ARD empfohlen. In ihm wird von den Autoren die These vertreten, die Vorfälle im Düsseldorfer Rheinbad seien von den meisten Medien falsch dargestellt worden. In Wahrheit wäre alles ganz anders gewesen. Harmloser, quasi ein dummer Jungenstreich nur. Zum Beleg dieser These werden die Vorfälle vom 26. Juli 2019 analysiert.



Mag sein, dass die Vorfälle an diesem Tag nicht so heftig gewesen sind. Das Bad möglicherweise voreilig geschlossen wurde. Was aber ist mit den Ereignissen am 29. und 30. Juni 2019? Von diesen Tagen gibt es durchaus heftige Video-Aufnahmen. Die deutlich zeigen, wer im Bad die Kontrolle hatte. Diese Vorfälle kommen im 'Monitor'-Filmbeitrag jedoch nur am Rande vor. Sie werden lediglich in einer kurzen Sequenz erwähnt.

Geht so sauberer, glaubwürdiger Journalismus? Bildet man die Wirklichkeit ab, wenn Fakten einseitig und verzerrt dargestellt werden?

Ich selbst habe von 1997 bis 1999 für 'MONITOR' gearbeitet. Unter der Leitung von Klaus Bednarz haben wir - zum Beispiel - vielbeachtete Beiträge über 'Doping im Radsport' realisiert. In dieser Zeit habe ich auch Praktiken erlebt, die mich - als jungen Journalisten - sehr nachdenklich gemacht haben. Nicht selten stand intern - vor der Recherche - die inhaltliche Ausrichtung des Filmes redaktionell schon fest.

Weil mich die Einseitigkeit in manchen Filmen störte - an die Propagandainstrumente eines Karl-Eduard von Schnitzler aus dem DDR-Fernsehen erinnerte - habe ich dies damals angesprochen. Die Reaktion: Schweigen. "Nächstes Thema". 'MONITOR' habe ich damals verlassen.

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Im Wortlaut: Anklageerhebung im Zusammenhang mit dem DFB

dfb zentrale"Bern, 06.08.2019 - Die Bundesanwaltschaft (BA) hat Anklage gegen die drei ehemaligen Funktionäre des gemeinnützigen Deutschen Fussball-Bunds (DFB) Horst Rudolf Schmidt, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie gegen den ehemaligen Schweizer FIFA-Funktionär Urs Linsi erhoben. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, im April 2005 die Mitglieder eines Aufsichtsorgans des DFB-Organisationskomitees für die Fussball-WM 2006 in Deutschland (OK WM 2006) arglistig über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in der Höhe von rund EUR 6.7 Mio getäuscht zu haben.

Das Verfahren gegen den in diesem Zusammenhang ebenfalls beschuldigten Franz Beckenbauer wurde im Juli 2019 abgetrennt und wird durch die BA separat weitergeführt. Eine gemeinsame Beurteilung würde das Verfahren gegen die weiteren Beschuldigten unnötig verzögern, weil der Gesundheitszustand von Franz Beckenbauer nach derzeitiger Prognose eine Teilnahme oder Einvernahme an der Hauptverhandlung vor Bundesstrafgericht (BStGer) nicht zulässt. 

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Medien: Wenn investigativer Journalismus diskreditiert wird ....

Es gibt sie noch. Die Perlen journalistischen Schaffens. Die Lichtblicke im investigativen Journalismus. Aktuell zu findem im Nachrichtenmagazin Der SPIEGEL. Unter der Headline 'Wie zwei Vereine die deutsche Nahostpolitik beeinflussen wollen' beschreiben sechs Autoren, wie wirklich im Deutschen Bundestag Politik gemacht wird. Im Kern geht es um die öffentliche Verurteilung der internationalen Kampagne 'Boycott, Divestment and Sanctions' (BDS). Von ihren Kritikern werden BDS-Symphatisanten in die Nähe des Antisemitismus gerückt. Publizistisch hier ganz vorn mit dabei: der Springer-Konzern und seine Publikationen 'BILD' und 'Welt'. Wer wissen will, wie es wirklich in den - widerrechtlich - von Israel besetzten palästinensischen Gebieten aussieht, welche Rolle das Militär dort spielt und dass auch zahlreiche israelische Aktivisten den Protest gegen die Besatzung mittragen, dem sei unserer Dokumentarfilm 'Walls- a photographer between the Lines' aus dem Jahr 2013 empfohlen.

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Medien: Journalismus oder 'Sea-Watch'-Propaganda?

Wenn Filme für Diskussionen sorgen, dann ist dies erst mal nichts Schlechtes. Aktuell für Aufregung sorgt ein 20-Minuten-Werk, dass das ARD-Politikmagazin 'Panorama' am letzten Donnerstag Abend ausgestrahlt hat. Dabei geht es um die Rettungsaktion der 'Seawatch3' vor der lybischen Küste, ihr kreuzen im Mittelmeer, die erzwungende Einfahrt nach Lampedusa. Die Kamera immer nah dran. Zu nah dran? Was auffällt: in der gesamten Reportage wird der Besatzungscrew keine einzige kritische Frage gestellt. Ist das noch Journalismus? Oder schon PR?

Immerhin: es wird diskutiert! Sind die 'Seenotretter' in der Realität Migrantenschlepper? Gab es wirklich kein anderes sicheres Ufer? Wie soll die Gesellschaft mit Flucht und Migration umgehen? Bildet euch ein eigenes Bild. Den Film gibt es hier:

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Hintergrund: Die Verwirkung von Grundrechten (Artikel 18 Grundgesetz)

von Fred Kowasch

Aktuell wird - im Zusammenhang mit der Debatte über den mutmaßlich von einem Rechtsextremen getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke - über die Verwirkung von Grundrechten nach Artikel 18 Grundgesetz diskutiert. Allerdings: dieser Artikel wurde in der 70jährigen Geschichte der BRD noch nie angewandt. Zwar gab es in der Vergangenheit vier Anträge gegenüber Rechtsextremen, Ihnen Teile ihrer Grundrechte aufgrund ihrer Verwirkung abzuerkennen. In allen Fällen hat das Bundesverfassungsgericht, als letzte rechtliche Instanz, dies verworfen. Wir dokumentieren im Folgenden Teile einer Seminararbeit, die der Betreiber dieser Webseite im Sommersemester 1995 am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin im Bereich 'Politikwissenschaft' bei Prof. Dr. Hartmut Jäckel zu diesem Thema geschrieben hat.
verwirkung 1

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Klare Kante: Das letzte Aufgebot

Ein Kommentar von Fred Kowasch

4. Juni 2019
Die nebenstehende Grafik ist eine Replik eines unbekannten Bloggers auf einer SPD-Kampagne zur Europawahl 2009. spd vollpfostenZehn Jahre sind es gerade einmal her, da stand die SPD in Umfragen noch bei 25 Prozent. Heute sind es zehn Prozentpunkte weniger.

Und: (ein bischen Häme muss sein) - dass ist immer noch zu viel. Die frohe Kunde: bei den nächsten Landtagswahlen ist - zumindest in Sachsen - auch mal etwas Einstelliges zu erwarten. Denn genau dorthin führt der Weg. Die einst so rumreichen deutschen Sozialdemokraten braucht nun wirklich keiner mehr.

Nach dem überstürzten Abgang von Andrea Nahles (hört auf rumzujammern, sie war die größte Intrigantin ever) soll es nun ein Trio richten. Ein Hesse, der drei Landtagswahlen (2009, 2013 und 2018) verloren hat. Eine Ministerpräsidentin, die der Zufall ins Amt nach Mecklenburg-Vorpommern spülte. Eine Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, die gut lächeln kann. Es ist das buchstäblich letzte Aufgebot der SPD.

Ein Partei in Panik. Ohne einen programmatischen Entwurf auf den sie glaubwürdig setzen kann. Zu hoffen ist, dass die SPD noch die CDU mit sich reisst. Mit ihrem Beharren an ihrem Projekt der Grundrente, die vor allem auf Kosten der jüngeren Generation geht. Irgendwann muß mit diesen Wahlgeschenken für die Ü-60jährigen mal Schluss sein.

Zerlegt euch. In aller Ruhe. Am besten gemeinsam. Wir werden dies mit Freude beobachten. Und analysieren. Macht endlich Schluß mit eurer tollen 'grossen' Koalition. Überlasst den Job denen, die Bock drauf haben. Und eine Gesellschaft gestalten wollen, die Zukunft hat.

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Im Wortlaut: Die Rücktrittserklärung der Andrea Nahles (SPD)

"Liebe Genossinnen und Genossen,

ich habe den Vorsitz von Partei und Fraktion in schwierigen Zeiten übernommen. Wir haben uns gemeinsam entschieden als Teil der Bundesregierung Verantwortung für unser Land zu tragen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Partei wieder aufzurichten und die Bürgerinnen und Bürger mit neuen Inhalten zu überzeugen.Beides zu schaffen ist eine große Herausforderung für uns alle. Um sie zu meistern ist volle gegenseitige Unterstützung gefragt.

Ob ich die nötige Unterstützung habe, wurde in den letzten Wochen wiederholt öffentlich in Zweifel gezogen. Deshalb wollte ich Klarheit. Diese Klarheit habe ich in dieser Woche bekommen. Die Diskussion in der Fraktion und die vielen Rückmeldungen aus der Partei haben mir gezeigt, dass der zur Ausübung meiner Ämter notwendige Rückhalt nicht mehr da ist.

Am kommenden Montag werde ich daher im Parteivorstand meinen Rücktritt als Vorsitzende der SPD und am kommenden Dienstag in der Fraktion meinen Rücktritt als Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion erklären. Damit möchte ich die Möglichkeit eröffnen, dass in beiden Funktionen in geordneter Weise die Nachfolge geregelt werden kann. Bleibt beieinander und handelt besonnen!

Ich hoffe sehr, dass es Euch gelingt, Vertrauen und gegenseitigen Respekt wieder zu stärken und so Personen zu finden, die ihr aus ganzer Kraft unterstützen könnt. Unser Land braucht eine starke SPD!

Meinen Nachfolgerinnen oder Nachfolgern wünsche ich viel Glück und Erfolg."

Quelle: https://www.spd.de/aktuelles/detail/news/mein-ruecktritt-als-partei-und-fraktionsvorsitzende/02/06/2019/

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Klare Kante: Sieg der Populisten

Ein Kommentar von Fred Kowasch

27.05.2019
Es war eine Niederlage mit Ansage. Millionenfach geklickt, dieser längst fällige Kampfansage an die etablierten deutschen Volksparteien. Rezo, sei Dank! Diesem 26jährigen Studenten mit seinem reichweitenstarken YouTube-Kanal. Dank, dass er dass er mit seinem Video 'Die Zerstörung der CDU' nun auch das Meinungsmonopol der Mainstreammedien gebrochen hat. Und: dass die 'Stimme der Jugend' nun endlich wahrgenommen wird.muelltonne

Jeder, der sehen wollte, konnte sehen: da braut sich etwas zusammen. Da kommt die Wucht der Straße, die uns hinwegfegen wird.

Angefangen im Herbst 2018 mit den Protesten im Hambacher Forst, der folgenden 'Fridays for Future'-Bewegung. Spätestens mit der Kampagne gegen den 'Artikel 13 der EU-Urheberrechtsnovelle im Frühjahr hätte auch noch dem verschnarchesten Wahlkampfleiter klar sein müssen: in diesem Trott geht es für uns so nicht weiter.

Dass nun die Grünen kräftig abgesahnt haben, mag Zufall sein. Formal unterscheidet sich ihr Populismus nicht von denen anderer Parteien, die dem Zeitgeist nach dem Mund reden. War es 2017 das Thema 'Zuwanderung', die die AfD satt in den Bundestag brachte, ist es nun der 'Klimawandel', der für Mobilisierung sorgte.

Dabei verkörpert die Partei längst das Etablisment. Von einer Friedens,- Bürgerrechts,- und Umweltpartei ist de facto kaum noch etwas übrig geblieben. Beispiele aus der Regierungspraxis?! Die Zustimmung zum Kosevokrieg ohne UN-Mandat (1999). Das Abnicken der Zerstörung des Hambacher Forstes als Teil der NRW-Landesregierung (2016). Schweigen, wenn wie beim G-20-Gipfel 2017 in Hamburg Demonstranten von Polizisten grundlos zusammengeschlagen werden. Offene Brüche inklussive ....

Die Praxis zeigt: kaum ist 'Bündnis 90/Die Grünen' an der Macht, gibt es für deren Parteivertreter keine wirkliche Moral mehr. 

Die Europawahl zeigt aber auch: ENDLICH wird die Republik 'gerockt'. Endlich fliegen die Fetzen! Und: es wird weitergehen. Denn die Regierungsparteien haben den 'Schuss' immer noch nicht gehört. Weil sie in ihrer eigenen Scheinwelt leben. So wie viele Journalisten. Doch: dass ist ein anderes Thema. Zur Wiedervorlage im Herbst. Wenn im Osten der Republik zu den Landtagswahlen das nächste politische Erdbeben zu erwarten ist. Denn - auch dies ist ein Ergebnis der Europawahl - in Sachsen, Brandenburg und Thüringen ist die AfD längst zur Volkspartei geworden.

Zur Info: Europaweit erhielten grüne Parteien nur knapp zehn Prozent aller abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag - im Durchschnitt - bei 51 Prozent. In Frankreich, Italien und Ungarn bekamen rechte Parteien die meisten Wählerstimmen.

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Im Wortlaut: "Offene Antwort an Rezo: Wie wir die Sache sehen"

"Viele Menschen haben in den vergangenen Tagen über Dein Youtube-Video gesprochen. Es spitzt Kritikpunkte zu und verkürzt um zu provozieren. Das ist nichts Neues in der politischen Auseinandersetzung - zumal im Wahlkampf.

In unserem freien Land darf jeder seine Meinung äußern, Gott sei Dank. Und was dort geäußert wird, war und ist Gegenstand politischer Diskussionen, das ist das Herzstück unserer Demokratie. Wir - das sind Hunderttausende Mitglieder, Unterstützer und Millionen von Wählerinnen und Wählern der CDU - nehmen Kritik sehr ernst, tagtäglich in persönlichen Gesprächen, Veranstaltungen on- und offline. Und wir alle, die allermeisten ehrenamtlich, arbeiten jeden Tag daran, es besser zu machen.

Wir als CDU sind stolz darauf, was wir, die Partei von Adenauer, Kohl und Merkel und die Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahrzehnten für unser Land und die Menschen in Deutschland erreicht haben.

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Webvideo: Youtuber Rezo - "Die Zerstörung der CDU" (Mehr als 10 Mio Aufrufe)

"If voting changed anything they would make it illegal". An diesem Satz der Anarchistin Emma Goldman ist was dran. Deshalb lassen wir Sonntag auch die EU-'Wahlen' Wahlen sein, nehmen dass Rennrad und fahren durch die Natur. Wer es trotzdem nicht lassen kann, dem sei das Video des Youtubers Rezo empfohlen. Der zappelt in seinem 56-Minuten-Video zwar unentwegt, auch die schnellen Schnitte sind wohl nicht jedermanns Sache. Satz für Satz nimmt er die deutschen Regierungsparteien CDU/CSU und die SPD auseinander. Zeigt was für Lügner sie wirklich sind, wie wenig Ahnung sie von der Materie haben, welch eine verbrecherische Politik sie unterstützen. Das Video ist gerade in Teenagerkreisen der absolute Renner. Auch wenn Älteren vieles aus der politischen Praxis bekannt sein dürfte - hier klagt die Stimme der Jugend an. Danach möchte man eigentlich vor Scham in den Boden versinken oder zur Revolte aufrufen. Wir machen Letzteres. Wie sagte schon der russische Anarchist Michail Bakunin: "Die Lust der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust!"

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Im Kino: Neue politische Dokumentarfilme

25.05.2019
Uff. Von den 18 (!!) Kino-Neustarts in dieser Woche sind mehr als die Hälfte Dokumentarfilme. Dass gab es wohl noch nie. Doch: wer soll diese Filme alle sehen? Zumal dass Kino im letzten Jahr einen massiven Zuschauerrückgang erlebte. Und fast alle Kinobetreiber sich bis heute weigern, die Filme auch online anzubieten. Schade eigentlich.


Was auffällt - der deutsche Dokumentarfilm ist politischer geworden. Bildet die Diskussionen und Ereignisse, sprich die Spaltung der Gesellschaft, ab. In 'Die Mission der Lifeline'  geht es um einen Dresdener Verein, der Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer aufnimmt. Und nach Europa schafft. Eine Mission, die umstritten ist. Auf den Film darf man gespannt sein.



Ebenso auf 'Lord of the toys', der schon bei seiner Präsentation auf dem letzten Leipziger Dokumentarfilmfestival für kontroverse Diskussionen sorgte. Hier geht es um den Alltag eines ostdeutschen Youtubers, der mit seine Clique ziemlich schräg in den Tag hineinlebt. Leider läuft dieser Film zunächst in kaum einem Kino im Westen.



Schließlich: "Die rote Linie". Ein Film über den Widerstand der letzten Jahre aus dem - inzwischen - weltbekannten Hambacher Forst. Ein Thema, dass im Herbst 2018 medial beachtlich an Fahrt gewann. Mittlerweile ist es hier etwas ruhiger geworden. Was wohl auch daran liegt, dass es hier bis zum Oktober 2020 einen Rodungsstopp gibt. Die Bagger von RWE baggern derweil unermüdlich weiter, stehen nur noch gut einhundert Meter vor dem Wald. Und: viele der Besetzer in ihren neuen Baumhäusern sind sich inzwischen untereinander nicht mehr 'grün'. Ob der Film dies auch thematisiert?

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Vor 30 Jahren: Wie die DDR-Diktatur Oppositionelle drangsalierte

Am 7. Mai 1989 fanden in der DDR Kommunalwahlen statt. Zum ersten Mal in der Geschichte des anderen deutschen Staates versuchte die Opposition - versuchten Bürgerrechtler - die Auszählung der Wahlergebnisse zu kontrollieren. Dabei stellten sie in Ostberlin, Leipzig, Halle und Dresden erhebliche Unterschiede zu den offiziell verkündeten Wahlergebnissen fest. Sowohl was die Höhe der Wahlbeteiligung anbelangte, als auch den Prozentanteil der Nein-Stimmen. Am Abend der Kommunalwahl selbst fand in Leipzig eine Protestversammlung auf dem Marktplatz in der Innenstadt statt. Dabei kam es zu vorläufigen Festnahmen durch die DDR-Sicherheitsorgane. Bereits im Vorfeld hatte es zahlreiche Kontrollmaßnahmen durch sie gegeben.

Der vorliegende Schriftstück ist ein Originaldokument aus dieser Zeit. Darin berichtet ein Augenzeuge über zahlreiche Zwangsmaßnahmen im Umfeld der Kommunalwahl in Leipzig. Dass darin erwähnte (illegale) Cafe befand sich in der Zweinaundorfer Strasse 20a im Leipziger Osten. Seit dem Frühjahr 1989 hatte sich dort ein Treffpunkt der DDR-Undergroundszene etabliert.
ddr kommunalwahlen

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Im Wortlaut: Politisch-motivierter Extremismus im Fußball (Drucksache 19/9616)

"Die Organisation von Demonstrationen durch vereinsübergreifende Strukturen der Hooligan-Szene, insbesondere durch „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), hat zuletzt erheblich an Bedeutung verloren. Insbesondere in den Jahren 2014 und 2015 beteiligte sich noch eine erhebliche Zahl von Hooligans an solchen Veranstaltungen.

Schließlich besuchen die rechtsextremistischen und rechtsextremistisch beeinflussten Teile der Hooligan-Szene regelmäßig spezifisch für sie ausgerichtete Konzertveranstaltungen, wie z. B. die Konzerte der Band „Kategorie C“. (....)

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es HoGeSa, GSD, BDH oder einem anderen, vereinsübergreifenden Hooligan-Netzwerk bei einem geeigneten Anlass gelingen könnte, sich zu reorganisieren und wieder ein erhebliches Personenpotenzial für Demonstrationen zu mobilisieren. So beteiligten sich etwa im September 2018 rund 250 Personen an einem Trauermarsch für einen verstorbenen HoGeSa-Mitgründer. Anlass war der zunächst bestehende Verdacht, dass dieser einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen sein könnte. Die im Anschluss an diesen Trauermarsch ins Leben gerufene Initiative zur erneuten Vernetzung aller „Patrioten“ entfaltete bis jetzt allerdings keine nennenswerten Aktivitäten.

Das BfV beobachtet die Entwicklung und Neubildung von vereinsübergreifenden rechtsextremistischen Strukturen in der Hooligan-Szene aufmerksam."

Quelle: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/096/1909616.pdf

trauermarsch1 20092018

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Hambacher Forst: Hausbesetzung in Morschenich

Hausbesetzer, Anarchisten, Autonome. Aktuell arbeiten wir an unserem Dokumentarfilmprojekt 'Inside Black Block'. Im Rahmen der Dreharbeiten verfolgen wir dabei auch die Ereignisse am Hambacher Forst. Jüngst haben wir bei einer Hausbesetzung in Morschenich gedreht. Im Folgenden ein paar laufende Bilder zur Motivation der Klimaaktivisten, über Klettercops und wie eine einsame Straße am Wald plötzlich Leben erfährt.

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Klare Kante: Lasst uns weitere Wikileaks errichten!

von Fred Kowasch

Julian Assange, ein Held? Für mich ja. Einer von wenigen, die es frontal mit den Regierenden aufnehmen. Eine tragische Person zugleich. Wie er nach fast siebenjährigen Asyl von britischen Sicherheitsbeamten aus der ecuadorianischen Botschaft in London geschleift wurde -  kein schöner Anblick. Bleich, mit grauem Vollbart, um Jahre gealtert. In seinem Wesen scheinbar ungebrochen. Zumindest suggerieren dies die Fotos später aus dem Polizeitransporter.

Zusammen mit Wikelaks hat Julian Assange die Herrschenden vorgeführt. Ein Haufen Anarchisten, die Dokumente öffentlich stellen. Immer und immer wieder. Ohne wikileaks hätte die Welt das 'collataral murder'-Video nicht gesehen. Mehr als 16 Millionen mal wurde es bis heute aufgerufen. Es zeigt, wie brutal der Krieg ist. Welche zufälligen Opfer er hat. Wie zynisch er ist.

Ohne wikileaks hätte es keine 'Guantanamo-Files', keine Iraq und 'Afghan War Logs' gegeben. Internationale Medien - wie die New York Times, der Guardian und DER SPIEGEL haben sich an dem brisanten Material prächtig bedient. Viele - exklusive - Geschichten dazu gemacht. Viel Geld damit verdient.

Da war Julian Assange in der Öffentlichkeit noch der unerschrockene Posterboy, der medial fast jede Streicheleinheit bekam. Der heroische Einzelkämpfer, der es mit den finsteren Mächten aufnahm. Der CIA, dem BND, dem MI6. Und, und, und ....



Irgendwann begann diese Fassade zu bröckeln. Mitstreiter wandten sich ab, erzählten ihre Version der wikileaks-Geschichte. Der öffentliche Symphatiebruch dann kam mit der Veröffentlichung von 'Hilliary Clinton Email Archive'. Interne Wahlkampfstories der Demokraten, direkt hinein in den Präsidentschaftswahlkampf mit Trumps Republikaner platziert. Als dann auch noch - dass ach so Unmögliche geschah - und Hilliary Clinton nicht die erste US-Präsidentin wurde, war es vorbei mit der Symphatie vom linksliberalen Medienkomplex.

Dass unter der Obama-Administration, der Hillary Clinton als Außenministerin diente, tausende tödliche Drohneneinsätze geflogen worden und heftig wie nie gegen Whistleblower vorgegangenen wurde, interessierte da eher am Rande. Beim Strahlemann mit der 'Ghettofaust' - jüngst erst auf Privatbesuch in Deutschland - schalten viele Journalisten bis heute ihr Gehirn ab.

Originaldokumente sind Originaldokumente - egal von wem sie kommen. Sei es von russischen, britischen, links- oder rechtsradikalen Hackern. Sei es von Wikileaks, von indymedia oder 'weiß der Teufel was'. Ein Journalist hat sein Beruf verfehlt, würde er aus solchem Material keine Story machen. 

Sicher, die Herrschenden - sei es nun in den USA, in England oder sonstwo - werden keine Ruhe geben. Keine Ruhe geben, bis sie Julian Assange gebrochen haben. Ein Aufrechter, der auf den Knien geht. So sieht es das System gern. Deshalb: lasst uns weitere Wikileaks errichten!

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Fotoreportage: Viele Fans, wenig Abnehmer (Zapp, NDR)

Eindrucksvolle Fotoreportagen, kunstvoll gestaltete Motive - wer sieht sie nicht gern?! Jahrelang waren sie dass Markenzeichen für Magazine wie GEO oder den STERN. Die Zeiten - als ein gut bezahlter Fotograf mit einem 'Schreiber' loszog, um wochenlang den Alltag zu entdecken - sind längst vorbei. Der Beruf des Fotografen ist heute nicht mehr als ein Hobby, dessen Erhalt von der Zuwendung von Mäzenen, NGO's, Stiftungen oder staatlichen Stellen abhängig ist. Eine Zustandsbeschreibung in 'Zapp', dem Medienmagazin vom NDR.

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Handys. immer wieder Handys. Zur Durchsuchung bei rechten Hooligans in Cottbus

von Fred Kowasch

Handys. Immer wieder Handys. "Die Auffindung der authentischen Kommunikation der Tätergruppierung ist das zentrale Ziel. Weil, die reden ja nicht mit uns." Originalton Bernhard Brocher, Leitender Oberstaatsanwalt am (vergangenen Donnerstag) vor der Presse in Cottbus. Und trotz der mit Sturmhauben, Baseballschlägern und T-Shirts dekorierten Tische - viel war es nicht, was die Ermittler nach 30 (!) Durchsuchungen im Umfeld der Hooligangruppe 'Inferno Cottbus' der Öffentlichkeit präsentierten.

Darunter auch eine Kiste mit Aufklebern und Werbungsmaterial der 'Identitären Bewegung' (IB). Als ob es ein Geheimnis wäre, die enge Verbindung zwischen der IB, 'Pegida' und den rechten Hooligans. Deutlich sichtbar war dies bei den zahlreichen Demonstrationen von 'Zukunft Heimat' in Cottbus. Die - vor allem - dadurch Zulauf erhielten, als im Januar 2018 Gewalttaten syrischer Jugendlicher auf Deutsche in der Stadt bekannt wurden. Und der Umgang der politisch Verantwortlichen damit bei Teilen der Stadtbevölkerung für Empörung sorgte.



Neu ist auch nicht, dass sich Hooligangruppen - wie die in Cottbus - trotz öffentlicher Ankündigung real nicht wirklich aufgelöst haben. Auch in anderen Städten ist dies so. Im Osten, wie im Westen der Bundesrepublik. Dass die Gruppen sich - nach wie vor - Auseinandersetzungen 'auf dem Acker' liefern. Danach trinkt man dann schon mal Bier zusammen. Beim geselligen Beisammensein, in trauter Runde.

Übrigens: in Cottbus sitzt - nach den Durchsuchungen vom Mittwoch - niemand in Untersuchungshaft. Weil, so die Begründung, sich die Ermittlungen noch monatelang hinziehen würden. Immerhin, der Vorwurf wiegt schwer: "Verdacht der Gründung einer 'kriminellen Vereinigung". Paragraph 129 des Strafgesetzbuches erlaubt dem Staat dabei, dass ganz große Ermittlungs-'Besteck' einzusetzen. Oberstaatsanwalt Brocher jedenfalls will jetzt erst einmal die "Führungspersonen so bearbeiten, dass die abgeschreckt werden und aufhören damit". Der Hooligangruppe 'Inferno Cottbus' wird - unter anderem - vorgeworfen, eine sogenannte Schnelle Eingreifgruppe von 25 Mann gebildet zu haben, mit dem Ziel bei "Notfällen" und "Stress" (Zitat des Brandenburger Polizeipräsidendenten Hans-Jürgen Mörkel während der Pressekonferenz) "mit Kanaken abrechnen und Zecken schlagen zu wollen."

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Milseburgradweg - Wenn der Tunnel wieder offen ist

Biebersteinvon Ralf Meutgens

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte ich das ausgesprochene Vergnügen, zum ersten Mal den Milseburgradweg in der Rhön zu fahren. Es ist die durchgängig asphaltierte 27 Kilometer lange alte Trasse der Rhönbahn zwischen Fulda und Hilders.

Das Biosphärenreservat
  Rhön ist als Mittelgebirge für seine `offenen Fernen´ bekannt. Und hier und da ergibt sich dieser `einfach erhebende´ Eindruck auch vom Milseburgradweg aus. Ansonsten geht es vorbei an Sehenswürdigkeiten wie Schloss Bieberstein, schönen Rastmöglichkeiten, durch kühle Wälder und das stets bei einem angenehmen und gut zu fahrenden Streckenprofil. Auch ohne E-Bike.

Die tiefste Stelle bei Fulda ist 296 Meter hoch, die höchste 524 Meter. Sehr niedrig sind die Temperaturen im etwas über einen Kilometer langen Milseburgtunnel. Hier herrschen permanent acht bis zehn Grad und leicht bergab in Richtung Fulda empfehlen sich auch im Sommer eine Windweste oder eine Jacke.

Sicherheitstechnisch ist der 1889 erbaute Eisenbahntunnel durch Beleuchtung, Video-Kameras und Notrufsäulen auf einen aktuellen Stand gebracht worden. Zwischen Mittel April bis Ende Oktober ist der Tunnel geöffnet. Ansonsten gibt es die vier Kilometer lange Umfahrung, die allerdings durch ihre rund 150 Höhenmeter, die der Tunnel einspart, mehr Pedalkraft erfordert und zur Hälfte über Schotterpisten und Waldwege führt. Das ist zwar sehr romantisch, aber für Rennräder ungeeignet. 

Der Radweg aber ist in seiner Gänze enorm entspannt zu fahren, auch mit dem Rennrad. Hier und da kreuzen Wege und Straßen, die großen Straßen aber werden auf Brücken überfahren, so dass man seinen Fahrrhythmus selten unterbrechen muss. Etliche Hinweisschilder empfehlen die Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Angebote rechts und links des Weges.

Der Milseburgradweg ist nicht nur ein fahrradtouristisches Highlight. Man lernt auch die Rhön als attraktives Wander- und Feriengebiet kennen, kann die alte Barockstadt Fulda erkunden und die nahe Wasserkuppe als höchste Erhebung in Hessen. Echt erhebend, der Anblick.

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Hochrisikospiele in der Bundesliga: DFL und Vereine müssen zahlen

Werder Bremen (und die DFL) müssen zahlen. Bei Hochrisikospielen. Es geht lediglich noch um die Höhe der Kosten. Deshalb hat das Bundesverwaltungsgericht das Verfahren nach Bremen (an das Oberverwaltungsgericht) zurück verwiesen. Damit setzt sich der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer durch. Auf die Deutsche Fußball Liga (DFL) kommen spannende Zeiten zu.

Zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes (Pressemitteilung) geht es hier ....

rostock stadion

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Medien. Ein wenig Nachhilfe. Oder: hättet ihr es gewusst?!

LügenpresseEin kurzer Dialog vor ein paar Tagen:

"Das 'Unwort' des Jahres 2014?"

"Hmm. Weiss ich nicht mehr." 

"Lügenpresse."

"Der Journalist des Jahres 2014?"

"Keine Ahnung. Ich interessiere mich nicht für Journalistenpreise."

"Claas Relotius!"

"Nein. Da haben die in Dresden damals doch nicht ganz Unrecht gehabt."

Wie die FAZ nun berichtet, soll die Geschichte des Claas Relotius demnächst verfilmt werden. Und im Kino laufen.

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Urheberrechtsreform: 348 zu 274 Stimmen - #article13 ist durch

von Fred Kowasch

Als es ernst wurde, ging nichts mehr. Im Internet. So einem Ansturm waren die EU-Server nicht gewachsen. Erst langsam nur machte im Netz die Runde: 348 zu 274 Stimmen - #article13 ist durch.

abstimmungMit ihm all die anderen Bestimmungen. Nachverhandlungen wird es nicht mehr geben. Spätestens in ein paar Jahren dann aber ein neues Urheberrechtsgesetz. Auch in Deutschland.

Stirbt jetzt die Meinungsfreiheit? Geht youtube 'vor die Hunde'?

Keines von beiden. Gemach. Die Diskussion in den letzten Tagen nahm schon arg hysterische Züge an. Sie wurde befeuert - von beiden Seiten. 

Wer bei youtube aktiv ist, dort seine Filme reinstellt, weiss: entsprechende Filter gibt es längst. Sie checken die verwendete Musik auf Urheberrechtsverstöße. Andere Filter erkennen Gewaltszenen. Und sei es nur die verbale Auseinandersetzung zwischen Aktivisten und Polizei auf einer Demonstration.

youtube wird sich in Zukunft weitere Filter bedienen. Auch, wenn es noch schwer vorstellbar ist - technisch ist es kein Problem, einzelne Bildszenen zu erkennen. Sie mit urheberrechtsgeschützten Aufnahmen abzugleichen.

Bleibt die Hoffnung, (zumindest für alte, weiße Filmemacher) jetzt endlich auch mal ordentlich Geld 'zu sehen'. Für die aufwendig hergestellten Filme, hochgeladen im Netz. Wenn sich YouTube überhaupt auf diese Regelung einlässt. Denn: der Konzern könnte sein Angebot in Europa auch dicht machen. Einem Europa, dass fast alles reguliert. Wo es die EU nicht einmal schafft, eine Übertragung im Netz fehlerfrei zu organisieren.

Eines haben die letzten Wochen auf jeden Fall gezeigt: welche Macht solchen Plattformen mittlwerweile haben. Youtuber mit mehr als Hunderttausend Abonnenten sind in Deutschland längst keine Seltenheit mehr. Wenn die gemeinsam zur Demo rufen, kommen Tausende.

Es ist eine eigene, sehr junge Medienwelt, die da auf YouTube entstanden ist ist. Mit einem Potenzial, dass manchem CDU-Parteipolitiker schwarz vor Augen werden lässt. Diesmal haben sie den 'battle' gerade noch gewonnen. Dass könnte bei der nächsten Auseinandersetzung durchaus anders sein. 

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

Der Umgang mit Whistleblowern - er glich jahrelang einem Drahtseilakt. Nun hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, die Hinweisgebern Rechtssicherheit vermitteln soll. Ehe dies jedoch in nationales Gesetz umgesetzt wird, können noch Jahre vergehen. 


"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower damals nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht.

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Schweigen im Walde - Wenn die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt

von Fred Kowasch

16.03.2019
Hunderte von Demonstrationen am #FridasyforFuture in ganz Deutschland. Mit insgesamt mehr als 200.000 Teilnehmern. Die neue Umweltbewegung ist aber nicht nur ein Phänomen, dass Schüler auf die Straße bringt. Seit den Ereignissen im Hambacher Forst im Herbst 2018 - als dort RWE mit Hilfe der Polizei mehr als 80 Baumhäuser räumte - hat der Natur- und Umweltschutz wieder Konjunktur. Nun aber passieren dort - im Hambacher Forst - merkwürdige Dinge. Dinge, die so gar nicht zum öffentlichen Selbstbild engagierter Waldschützer passen.

Mittwoch, letzter Woche. Ein Tag nach der Verhandlung vor dem Kölner Verwaltungsgericht - wo der BUND seine Klage gegen RWE auf Schutz des Hambacher Forstes verlor - durchstreifen einige Polizisten das umstrittene Waldgebiet am Tagebaurand. Sie sehen sich die neu-gebauten Baumhäuser an, machen ein paar Fotos. Routine für die Beamten. Am späten Nachmittag veröffentlicht das Polizeipräsidium dann eine Pressemitteilung.

Eine Pressemitteilung, die es in sich hat. Die darin publizierten Fotos zeigen Baumstümpfe und frisch geschlagene Bäume. Bäume, deren Rinde geschält ist. Baumstämme, die in neuen Baumhäusern verbaut worden sind. Auch dass zeigen die Aufnahmen des Polizeipräsidiums Aachen

Eine Geschichte, wie 'gemalt' für die Bildzeitung. Neben der Springerpresse berichten auch zahlreiche andere Medien über die unvorstellbaren Vorgänge im Hambacher Forst. So eine Story lässt sich kein Journalist nehmen. Sure! Nur von den Waldbesetzern kommt - erst einmal - Nichts. Schweigen im Walde, wo doch die eigene Glaubwürdigkeit zur Debatte steht.

Dann, ein paar dürre Worte der Erklärung. Mit Verweis auf eine Berichterstattung in der Tageszeitung 'Neues Deutschland'. In dem Artikel bekennen sich die Besetzer des Hambacher Forstes zu den Baumfällungen, erklären sie mit dem Schutz des Waldes vor Borkenkäfern. Eine Begründung, die nicht jedem einleuchten will. Die Kommentare unter dem Text sind deutlich, die Verärgerung im Netz auch. 
Bild6Fotoquelle: Polizeipräsidium Aachen

Quellen: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11559/4217349
https://hambacherforst.org/blog/2019/03/14/zu-den-vorwuerfen-der-aachener-polizei-und-der-springer-presse/

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

Der Umgang mit Whistleblowern - er glich jahrelang einem Drahtseilakt. Nun hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, die Hinweisgebern Rechtssicherheit vermitteln soll. Ehe dies jedoch in nationales Gesetz umgesetzt wird, können noch Jahre vergehen. 


"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower damals nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht.

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'Operation Aderlass': 21 'Athleten' aus acht Ländern in fünf Sportarten

21 Athleten aus acht Ländern in fünf Sportarten. Eine dreistellige Zahl von Bluttransfusionen. Von Ende 2011 bis in den Februar 2019. Ein Mailverkehr - 1.200 Seiten stark. Zwischem dem Doping-Arzt und einem Sportler. Die Details der 'Operation Aderlass' werden den Sport, werden die Sportpolitik noch eine Weile beschäftigen.

Hier die Namen der bisher bekanntgewordenen Betrüger und ihre Sportarten: (bis 08. März 2019)


Max Hauke (Skilanglauf), Dominik Baldauf (Skilanglauf), Karel Tammjärv (Skilanglauf), Andreas Veerpalu (Skilanglauf), Alexej Poltoranin (Skilanglauf), Stefan Denifl (Radsport), Georg Preidler (Radsport), Algo Kärp (Skilanglauf), Johannes Dürr (Skilanglauf) ....



Diese neun Sekunden sind ein seltenes Video-Dokument der Doping-Zeitgeschichte! Wie banal er abläuft - der Betrug im Spitzensport. Auf gebrauchten Sofas in gewöhnlichen Hotelzimmern. Blutdoping - auch im Radsport hat dies eine jahrzehntelange Geschichte. Es ist nicht zufällig ein Arzt des ehemaligen Profiradteams 'Team Gerolsteiner', der in Erfurt festgenommen wurde. In Haft saß. Auf der Grundlage der Aussage eines Whistleblowers. Der selbst, so seine jüngste Aussage, bis vor Kurzem gedopt hat.

Bei der Razzia der deutschen Polizei am 27. Februar 2019 wurden in einer Garage in Erfurt in einem Kühlschrank 40 gefrorene (und beschriftete) Plastikbeutel mit Blut gefunden. Bisher sind acht Leistung'sportler' bekannt, die in diese 'Operation Aderlass' verwickelt sind.

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World Press Photo of the year 2019

Der 'World Press Photo Award' - die Auszeichnung der besten (und eindrucksvollsten) Bilder des Jahres. Zum ersten Mal werden 2019 auch die nominierten Photos vorgestellt. In der Kategorie 'Photo of the year' sind dies sechs Werke von verschiedenen Photographen.
Und dieses Bild hat 'gewonnen' ....

005 John Moore Getty Images

Crying Girl on the Border
John Moore
, United States, Getty Images

'Sex sells': Searching Eva (Dokumentarfilm)

'Sex sells'. Dass denken wir uns (auch) immer, wenn wir euch Tipps wie diese anbieten. Wir hoffen dann darauf, dass die Benutzerzahlen hoch gehen. Eigentlich bräuchten wir dies nicht, sind unsere Webseiten ja unabhängig von Werbung. Trotzdem: der folgende Dokumentarfilm klingt interessant. Junge Italienerin zieht durch die Welt und macht was sie will. Hier ein paar Drogen (und Parties), dort ein paar Männer (und Frauen). Eva ist Sexarbeiterin. Außerdem Modell, Autorin, Fotografin. Manchen bringt dies aus der Fassung. Wie der Film insgesamt so ist, können wir nicht sagen. Weil wir ihn noch nicht gesehen haben. Egal. Hoffen wir mal. Auf 'Sex sells'. Und die neuen Abrufzahlen ....

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Im Wortlaut: Angela Merkel zum Klima-Schulstreik in Deutschland (16.02.2019)

"Diese hybride Kriegsführung im Internet ist sehr schwer zu erkennen, weil sie plötzlich Bewegungen haben, von denen sie gedacht haben, dass die nie auftreten – die immer ansetzen an einem Manko.

In Deutschland protestieren jetzt die Kinder für Klimaschutz. Das ist ein wirklich wichtiges Anliegen. Aber dass plötzlich alle deutschen Kinder – nach Jahren ohne jeden äußeren Einfluss – auf die Idee kommen, dass man diesen Protest machen muss, das kann man sich auch nicht vorstellen.

Also Kampagnen können heute übers Internet viel einfacher gemacht werden und wir haben andere Kampagnen, ich will da nicht ins Detail gehen. Und wir haben auch andere Gruppen, ich will da durchaus Steve Bannon nennen, die nicht das europäische Modell im Sinn haben. Und dagegen müssen wir uns gemeinsam wehren."

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Dokumentarfilm: Mit dem Handy drehen

Jeder kann einen Film drehen. Mit den neuen Smartphones, wo - selbst Apples SE eine 4-K-Auflösung hat - ist Kino für jeden möglich. Die Geräte sind mittlerweile so gut, dass man eine Filmkamera nicht mehr vermisst. Außerdem haben sich - im Zeitalter von youtube und netflix - auch die Sehweisen verändert. Wenn es wackelt, wirkt es eher authentisch, als schlimm. Muss man nur noch schneiden lernen. Was aber mit den - logisch aufgebauten Schnittsystemen - durchaus geht. Jeder kann einen Film machen, ihn öffentlich präsentieren. Das alt-'ehrwürdige' Kino hat längst ausgedient.

Der Vorteil vom Smartphone: der Zuschauer ist immer nah dran, mittendrin.
Der Nachteil: die Einstellungsgröße. Denn: einen wirklichen Zoom gibt es bei den Handies (noch) nicht.



Merkst Du den Unterschied? Du merkst ihn nicht! Den Anfang unserer London-Passage - für die Dokumentation 'Inside HogeSa' - haben wir mit dem Smartphone gedreht. Mit einer größeren Kamera kommst Du schlicht nicht in die Fankurve.


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Whistleblower: Was die neue EU-Richtlinie für Folgen haben wird (ZAPP, NDR)

Barack Obama. Der Strahlemann aus dem Oval Office. Jahrelang ein Liebling der Medien, auch deutscher Chefredakteure. Weitgehend unbekannt: Obamas Krieg gegen Whistleblower. Auch in Europa haben Whistleblower einen schweren Stand. Wenn sie sich an die Medien wenden - 'auspacken' - geht ihr Martyrium erst so richtig los. Jahrelang. Wie der Fall Antoine Deltour zeigt, den das Medienmagazin ZAPP aktuell anschaulich schildert.

Nun soll eine neue EU-Richtlinie für rechtlichen Schutz sorgen. Der Kern: der Whistleblower soll sich erst an seine eigenes Umfeld wenden, dann an die Behörden. Bevor er zur Presse geht. Das Problem dabei: es ist oft gerade das Handeln des eigenen Umfeldes, dass der Whistleblower kritisiert. Was ihn moralisch 'aufstößt'. ZAPP über eine Verodnung, die so kaum hilft.

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Mönchengladbach: Rechte Hooligans 'schützen' AfD-Treffen (06.02.2019)

06. Februar 2019
Im 'Haus Erholung' in Mönchengladbach hat die AfD zu einem Bürgerdialog geladen. Um Gegenproteste zu verhindern, haben rechte Gruppen schon früh zu einer eigenen Kundgebung eingeladen. Ihre Rechnung geht auf: Protest in Sichtweite gibt es an diesem Tag nicht. Statt dessen eine Demonstration von knapp 100 Menschen, die durch die Stadt zieht. Unter ihnen etliche Hooligans von Borussia Mönchengladbach aus dem HogeSa-Umfeld. In der Innenstadt kommt es zum kurzen Aufeinandertreffen mit Gegendemonstranten.

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Unerwünschte Aufklärung – Was aus den Kronzeugen im Radsport geworden ist (I)

von Ralf Meutgens und Fred Kowasch

Vor acht bis zehn Jahren sorgten ihre Fälle für Schlagzeilen. Insider aus dem Radsport, die ihr Wissen öffentlich machten. Über Dopingpraktiken berichteten, über die Mittäterschaft von Trainern, Ärzten und Funktionären sprachen. Ihre Aussagen schockierten die Öffentlichkeit, gaben einen Einblick in die bis dahin weitgehend verdeckten Strukturen im professionellen Radsport. Die Folgen jedoch waren überschaubar. Konsequenzen gab es so gut wie keine. Eine Serie über Whistleblower, ihre Motive und die Konsequenzen.

Der vielversprechende Amateursportler:

"Jederzeit würde ich es wieder tun. Es ist der richtige Weg um zur Aufklärung der Dopingproblematik beizutragen." 

radsport2Er war ein vielversprechender Amateursportler, kurz vor dem Sprung zum Radprofi. Philip Schulz gewann mehrere gutdotierte Rennen. Auch international. Bis er im Mai 2008 positiv auf Amphetamin getestet und für zwei Jahre gesperrt wurde. Unter Druck packte er aus. Berichtete darüber, wie er zum Doping kam. Wie ein älterer Trainingskollege aus der Nachbarschaft mit verbotenen Medikamenten einen regelrechten Handel trieb. 

Als bislang einziger Amatersportler im Radsport fand bei ihm eine Kronzeugenregelung der  Nationalen Antidopingagentur (NADA) Anwendung. Aufgrund seiner umfassenden Aussage verkürzte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) seine Sperre um ein Jahr. Schulz detaillierte Schilderungen führten zu umfangreichen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. 

In der Folge deckten sie ein umfassendes Geflecht aus Korruption in einer Winzergenossenschaft auf. Obwohl er körperlich bedroht wurde, blieb Philip Schulz auch vor Gericht bei seinen Aussagen. Auch wenn er seine Vorwürfe gegen den BDR später modifizierte: seine Aussage gab erstmalig einen detaillierten Einblick in das geschlossene System des Amateurradsports. 2013 hat sich Philipp Schulz, der mittlerweile Vater zweier Kinder ist, vom Leistungssport zurückgezogen.
 

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Interne Behörden-Dokumente: Warum diese Papiere an die Öffentlichkeit gehören

Interne Behördendokumente zu 'leaken', ist eine feine Sache. Bei interpool.tv hat dies eine langjährige Tradition. So haben wir nicht nur, den als GEHEIM eingestuften 'Köppe-Bericht' des Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Schalck-Affäre veröffentlich, sondern auch noch ganz viele andere durchaus lesenswerte Dokumente.

So finden Nutzer bis heute über unsere Seiten, das Gutachten über die Weiterbeschätigung von MfS-Mitarbeitern in der Stasi-Unterlagenbehörde (pdf) oder den Bericht an den Bundestag über sogenannte Geheimgefängnisse auf deutschem Boden (pdf). Wie wir aus unseren Abrufzahlen entnehmen können, werden all diese internen Berichte bis in die Gegenwart häufig genutzt, sprich downgeloaden. 

Dies gilt auch für die Zugriffe auf die Verfassungsschutzakten zur sogenannten 'Sachsen-Affäre', die im Sommer 2007 bundesweit für Schlagzeilen und einige Aufregung sorgte. Und unsere Webseite bis die ARD-Tagesschau brachte. Die Höhe der Zugriffe damals, ist bis heute unerreicht.

Aktuell nun hat die Webseite netzpolitik.org das interne Verfassungsschutzgutachten zur 'Alternative für Deutschland (AfD) ins Netz gestellt. Nun kann jeder - auch die AfD - lesen, was die Geheimdienstbehörden der Länder und des Bundes an Material über diese Partei und ihr Umfeld zusammengestellt haben. Welche öffentlichen Quellen sich die Spitzel des Staates bedienen. Nun kann sich jeder selbst ein Urteil darüber bilden, wie gefährlich die AfD wirklich ist.

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Klare Kante: Ein Tag im Januar vor 30 Jahren. Und sein Vermächtnis

von Fred Kowasch

Manche Sachen scheinen sehr weit weg und sind doch wieder ganz nah. 30 Jahre ist es in diesen Tagen her, dieses Bild aus der Innenstadt von Leipzig. Es war der 15. Januar 1989, kurz nach 16 Uhr. Zusammen mit mehreren Hundert Menschen demonstrierten wir dort. 500 mögen es wohl gewesen sein. Es ging um Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit. Und ja: es ging um die Demokratisierung der DDR. Die Demonstration war - natürlich - nicht angemeldet. Wie auch. Denn die DDR-Diktatoren hätten sie niemals genehmigt. Den Organisatoren - zu denen zahlreiche meiner Freunde und ich zählten - drohten mehrere Jahre Haft. Uns war es egal. Es war einfach an der Zeit, es diesen Machthabern einmal deutlich und offen zu zeigen. Im besten Sinn des Wortes 'Blank zu ziehen'. Die Straße auch sprichwörtlich zu erobern. 15 1 1989 3
Trotz der vorläufigen Festnahmen - kurz nachdem dieses Bild aufgenommen wurde - der Inhaftierung einen Tag später, ging die Sache gut aus. Neun Monate später folgten Hunderttausende unserem Beispiel.

Mittlerweile gelten die Ereignisse rund um den 15. Januar 1989 in Leipzig als die 'Geburtsstunde der Revolution'. So viele Revolutionen hat es in der deutschen Geschichte bekanntlich bisher nicht gegeben.

Und heute?! Sind viele, die dass damals initierten, untereinander gram, verstritten. Weil sich die einen für Parteiveranstaltungen öffentlichkeitswirksam einspannen lassen, andere die AfD wählen.

Ich 'wähle' schon lange nichts mehr. Weil ich diese Parteien verachte, deren Vertreter sich - meiner Meinung nach - nur bedienen wollen. Denen 'Volkes Wille' so gut wie egal ist, die keine wirklichen Probleme inhaltlich anpacken. 

Wenn es - für mich - überhaupt ein Vermächtnis dieses Tages vor 30 Jahren gibt: artikuliert euch, mischt euch ein, besetzt die öffentlichen Räume. Zur Not auch ohne Anmeldung bei den deutschen Ordnungsbehörden. Wie es gehen kann, zeigten jüngst die Gelbwesten in Frankreich. Oder die Protestierenden vom Hambacher Forst. Warum sich distanzieren, wenn es nichts zu distanzieren gibt.

Eine andere Welt ist möglich. Dieses verkrustete und korrupte Staatssystem kann nicht die Zukunft sein.

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Klare Kante: Ein Pyrrhussieg

von Fred Kowasch

08.12.2018
Es war eine Szene, unscheinbar nur, am Ende einer sehr knappen Entscheidung. Annegret Kramp-Karrenbauer wollte Friedrich Merz zu sich zurück auf die Bühne holen. Doch der mochte nicht mehr. Kurz vorher hatte Merz - denkbar knapp - die Wahl zum neuen CDU-Parteivorsitzenden verloren. Und jetzt artig seine Dankesformel aufgesagt.

Die Entscheidung mit 482 zu 517 ist ein Pyrrhussieg. Sie lässt eine tief gespaltene Partei zurück. Eine Partei, deren einer Teil wohl bald - auch auf der Bundesebene - mit Bündnis 90 /Die Grünen koalieren wird. Deren anderer Teil nun aber auf der Suche ist. Nach einer Heimat für seine Ideen. Gut möglich, dass die CDU sich bald vollends zerlegt. So, wie es die SPD gerade macht.

cdu parteitag 2018Allenfalls bei der 'Alternative für Deutschland' werden am Freitag Abend die Sektkorken geknallt haben. Ein 'Weiter so' - wie es die Wahl der 'neuen' Vorsitzenden verspricht - damit kann die AfD Bestens leben. 

Wie es mit der CDU weiter geht, werden 2019 die Landtagswahlen im Osten zeigen. Dass es für andere Ideen in der Partei eine nennenswerte Basis gibt, hat der Wahlausgang gezeigt.

Warum nicht über ein neues Asylrecht reden? Dass Aktuelle hat seine Härtetest nicht bestanden. Warum nicht über eine moderne Altersvorsorge? Auch mit Aktien. Die Renten sind längst nicht mehr sicher. Wenn die Jungen die Zeche für die Wähler der CDU/CSU zahlen. Und, und, und ....

Merz mag ein Mann von Gestern gewesen sein. Immerhin hatte er Ideen für Morgen. Die, die jetzt jubeln, werden eines Tages wohl noch schweißgebadet aufwachen.

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Ab 23. Mai im Kino - 'Lord of the toys' (Dokumentation, 2018)

Im Oktober beim Festival in Leipzig den Hauptpreis als bester deutscher Dokumentarfilm gewonnen. Nebenbei gratis Werbung bekommen. Von guten Menschen, die bei jeder unkorrekten Szene verlässlich aufschreien. Überall Rassismus, Sexismus und Antisemitismus wittern. 'Lord of the toys' polarisiert. Er begleitet eine Gruppe von Dresdener Youtubern, die unter Teenagern bundesweit geradezu Kultstatus genießen. Die, die den Film gesehen haben, sagen: er zeigt die ungeschminkte Wirklichkeit. Bis es weh tut. "Ein in der Form noch nicht dagewesener Beitrag zum Verständnis dessen, was grade in unserer Welt passiert." Sagt die Jury von Dok Leipzig. Muss so nicht gutes Dokumentarfilmkino sein?!

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'Inside HogeSa' - "Ein Streifen für das moderne Geschichtsbuch!" ('Directors Cut')

Viel positive Resonanz haben wir bisher auf unseren Dokumentarfilm 'Inside HogeSa' erhalten. Von ganz unterschiedlichen Leuten aus ganz verschiedenen Szenen. "Kurzweilig", "gelungen""sehr neutral gehalten", "eine gute und faire Doku". Ein anderer Zuschauer lobt ausdrücklich "das erkennbare Bemühen um verschiedene Sichtweisen und damit um möglichst hohe Objektivität". Jüngst gab es auf Facebook folgende Kritik: "Ein Streifen für das moderne Geschichtsbuch!"

Die Doku lief 'Open Air' beim Fußballclub 'Roter Stern Leipzig' und in einem Kino in Berlin. Dort waren vor allem Ultras und Alt-Hools von 'Union Berlin' zu Gast. Was auffällt: es sind viele jüngere Zuschauer, die Interesse an der Doku haben. Schon bald soll der Film auch im Westen des Landes gezeigt werden. Und: Mittlerweile gibt es einen 106-Minuten-langen 'Directors Cut'. Hier ein Ausschnitt daraus .... 


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Im Wortlaut: Hans-Georg Maaßen (18. Oktober 2018)

"Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte mich heute aus diesem Kreis nach über sechsjähriger Zugehörigkeit von Ihnen verabschieden. Manche Abschiede sind geplant, z. B. wenn der Arbeitsvertrag befristet oder wenn eine bestimmte Altersgrenze erreicht ist, wie bei unserem Freund Rob, andere Abschiede sind nicht geplant und etwas überraschend, wie bei mir.

Die Vorsitzenden der drei Parteien, die die Bundesregierung in Deutschland bilden, Frau Merkel, CDU, Herr Seehofer, CSU, und Frau Nahles, SPD, hatten am 23. September beschlossen, dass ich als Präsident des Bundesverfassungsschutzes abgelöst werden soll. Damit ist eine Regierungskrise in Deutschland beendet worden. Die SPD hatte mit einem Bruch der Koalition gedroht, wenn ich weiter im Amt bleiben würde.

Hintergrund der Regierungskrise war die Tatsache, dass ich am 7. September gegenüber der größten deutschen Tageszeitung "Bild-Zeitung" die Richtigkeit der von Medien und Politikern verbreiteten Berichte über rechtsextremistische "Hetzjagden" bzw. Pogrome in Chemnitz in Zweifel gezogen hatte.  Am 26. August 2018 war ein Deutscher von Asylbewerbern in Chemnitz getötet worden. Am gleichen Tage gab es Demonstrationen in Chemnitz gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung von normalen Bürgern aber auch von Rechtsextremisten. Dabei kam es vereinzelt zu Straftaten. 

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Braunkohleproteste: 'Gelände Gelände' 2018 - Im Gespräch

Zwei Stunden. Über Asphalt, Feld, Wald und Wiese. Über Baumstümpfe hinweg, durch Polizeiketten hindurch. Dann noch den steilen Abhang zu den Gleisen der Hambachbahn hinunter. Selbst für sportlich Trainierte ist durchaus eine Herausfoderung. Ein 75jähriger Demonstrant aus München macht das alles mit. Ihn haben wir an den Schienen getroffen. Und mit ihm das folgende Gespräch geführt. Auf vielfachen Wunsch bei Twitter haben wir es in voller Länge online gestellt.

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